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epa05423890 A picture made available on 14 July 2016 shows man trying to catch a pokemon called 'Drowzee' with a pokeball using the 'Pokemon Go' augmented reality mobile phone app in front of the Brandenburg Gate in Berlin, Germany, 13 July 2016. The app has been available in German app stores since 13 July. The app allows users to collect pokemon and battle against each other.  EPA/ALEXANDER HEINL

Die halbe Welt jagt virtuelle Pokémons mit dem Smartphone. Doch kann Nintendo wirklich davon profitieren?  Bild: EPA/DPA

Kommen nach den Pokémons auch «Super Mario» und «Zelda» aufs Smartphone?



Der weltweite Erfolg des Spiels «Pokémon Go» zeigt, dass populäre Figuren aus dem Nintendo-Universum auch auf dem Smartphone funktionieren. Für den japanischen Spiele-Anbieter wächst damit aber auch der Druck, sich schneller zu wandeln.

Noch nie zuvor hat eine Smartphone-App so schnell Börsenwert geschaffen. In weniger als zwei Wochen seit dem Start des Spiels Pokémon Go hat sich der Aktienkurs des japanischen Spiele-Anbieters Nintendo nahezu verdoppelt.

Auslöser für den Sprung war die Erleichterung der Investoren, die zuvor immer mehr den Glauben an den Gameboy-Erfinder verloren. Vor Pokémon Go hatten sie die Aktie so tief in den Kurskeller gedrückt, dass sie erst nach einer Woche steilen Aufstiegs wieder das Preisniveau von Sommer vergangenen Jahres erreichte.

Pokémon Go all over the world

Ein Happy End statt des befürchteten Game Over für Nintendo also? Nicht so schnell, warnen Analysten. Denn der grosse Erfolg beim ersten Auftritt populärer Nintendo-Figuren auf Smartphones setzt den Traditionskonzern unter massiven Zugzwang, sein Geschäftsmodell schneller zu reformieren.

Bisher sperrte sich Nintendo gegen den Sprung auf Mobiltelefone und brachte seine Spiele nur für die eigenen Konsolen heraus. Wer mit Pokémon oder Super Mario spielen wollte, musste auch Geld für eine Wii, Wii U oder eine DS-Konsole für unterwegs hinblättern. Dazu gehörte, dass Konsolen-Spiele für 40 bis 60 Franken verkauft werden.

epa05427920 A gamer displays the Pokemon video game on a Game Boy (L) and the Pokemon Go app on a smartphone (R), during a Pokemon Go walk at the Stephansplatz in Vienna, Austria, 16 July 2016. The game, that uses the GPS to locate the smartphone's location, has gained a huge popularity among smartphone users and added to the value of Nintendo that partly owns the franchise enterprise that makes Pokemon.  EPA/CHRISTIAN BRUNA

«Pokémon» schafft den Sprung vom Game Boy auf das Handy mit Bravour. Bild: CHRISTIAN BRUNA/EPA/KEYSTONE

Bei Smartphone-Games ist der Markt dagegen so, dass man bestenfalls nur ein paar Franken dafür verlangen kann. Meistens werden sie sogar kostenlos angeboten und die Entwickler versuchen, das Geld mit dem Verkauf virtueller Artikel oder Abkürzungen im Spiel hereinzuholen.

Nintendo im Wandel

Mit Pokémon Go begibt sich Nintendo schliesslich auf diesen Weg des Wandels. Der erste Schritt wurde jahrelang hinausgezögert. Es wurde jedoch immer deutlicher, dass auch ein Unternehmen mit einer millionenfachen Fangemeinde die Realität nicht mehr ignorieren kann: Smartphone und Tablet werden zusehends zum Spielgerät der Wahl.

Bei Nintendo fielen zuletzt in dem Ende März abgeschlossenen vergangenen Geschäftsjahr die Verkäufe der verschiedenen DS-Konsolen um gut 22 Prozent auf 6,79 Millionen Geräte. Und mit 48,5 Millionen DS-Spielen wurde fast ein Drittel weniger verkauft als ein Jahr zuvor. Die grosse Wii U zum Anschluss an den Fernseher gilt zudem ohnehin als Flop im Vergleich zu den Konkurrenz-Konsolen Playstation 4 und Xbox One.

Es war also an der Zeit, sich zu bewegen. Weil es eine neue Welt mit eigenen Regeln ist, holte sich die Nintendo-Beteiligung Pokémon Company den Spiele-Entwickler Niantic Labs ins Boot, der schon unter dem Dach von Google das Geodaten-Spiel «Ingress» entwickelt hatte.

Der Erfolg von Pokémon Go weckt bei Investoren die Hoffnung auf mehr. «Die Leute haben jetzt höhere Erwartungen an die fünf weiteren Spiele, die Nintendo bis kommenden März in Aussicht gestellt hat», sagte David Gibson, ein Analyst bei Macquarie Securities, gegenüber der «Financial Times».

Wenn es Super Mario oder Zelda schliesslich in Smartphone-Apps gibt, werden die Nutzer sicherlich ebenso begeistert sein. Aber wie werden sich dann das Hardware-Geschäft und die Verkäufe von Konsolen-Spielen entwickeln? Und wie gross werden die Einnahmen aus dem neuen Geschäft? Nintendo will jedenfalls auch das Konsolen-Geschäft nicht aufgeben und kündigte für kommendes Jahr die nächste Konsole mit dem Code-Namen «NX» an, über die bisher noch nichts bekannt ist. (sda/dpa)

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