Eishockey
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15.02.2014; Sochi; Olympische Winterspiele Sochi - Eishockey - Schweiz - Tschechien;
Martin Hanzal gegen Denis Hollenstein und Kevin Romy  (R. SUI) (Daniel Stiller/Bildbyran/freshfocus)

Die gegensätzlichen Statistiken

Die Titanic hat wieder Fahrt aufgenommen

Wahrscheinlich ist dies das defensiv beste Nationalteam aller Zeiten. Nach wie vor ist allles möglich – auch das olympische Finale.



Unsere Defensive funktioniert perfekt wie ein Uhrwerk. In drei Spielen ist nur einer von 78 Schüssen in unser Netz gefahren: 1:0 gegen Lettland, 0:1 gegen Schweden, 1:0 gegen Tschechien. Die Hockey-Titanic, unsere nominell beste und teuerste Hockey-Nationalmannschaft aller Zeiten, hat nach dem ersten Zusammenstoss mit einem Eisberg (0:1 gegen Schweden) wieder Fahrt aufgenommen. 

Wir haben in Unterzahl keinen Gegentreffer kassiert. Wir sind im Boxplay das beste Team des bisherigen Turniers. Deshalb ist immer noch alles möglich. Sogar das olympische Finale. 

Schlechteste Chancenauswertung des Turniers

Die historische defensive Stabilität kompensiert nämlich die offensive Schwäche. Bloss 2 von 91 Schüssen der Schweizer den Weg ins Tor gefunden. Wir haben im Powerplay noch kein Tor geschossen. Statistisch sind die Schweizer die schlechtesten Chancenverwerter des gesamten Turniers. 

Statistik

  Screenshot: sotschi2014.com 

Einmal mehr zeigt sich: Im Eishockey werden Spiele in der Defensive gewonnen. Wenn wir uns offensiv nur wenig steigern, ist in Sotschi erst der goldene Himmel unsere Limite. 

Diese geradezu sensationelle Abwehrleistung auf allerhöchstem Welt-Niveau hat viel mit einem neuen Traumpaar zu tun: Zum ersten Mal bilden Mark Streit und Raphael Diaz bei einem Titelturnier ein Verteidigerpaar.

Die beiden haben vorher bloss ein einziges Mal gemeinsam gespielt: Beim Turnier in Arosa während der NHL-Lockout-Saison. 

Jetzt wohl gegen Österreich oder die Slowakei

Die drei Gruppensieger und der beste Gruppenzweite rücken direkt ins Viertelfinale vor. Den Gruppensieg haben wir verpasst, beste Gruppenzweite könnten wir nur noch theoretisch werden. Also müssen wir den Umweg über das Achtelfinale nehmen. Gegen wen wir antreten, steht erst heute Abend nach Abschluss der Vorrunde fest. Die wahrscheinlichsten Gegner sind die Slowakei und Österreich. Nationaltrainer Sean Simpson stört es nicht, dass er sich erst ab heute Abend mit dem Gegner befassen kann. «Wir spielen unser Spiel, egal gegen wen wir antreten.»

Die Kommunikation stimmt

«Sean Simpson hat mich vor dem Turnier gefragt, ob ich mit Diaz spielen möchte. Er habe das Gefühl er würde gut zu mir passen. Ich hatte nichts dagegen», erzählt Mark Streit. «Wir verstehen uns auf dem Eis sehr gut». Eine Aussage, die Raphael Diaz bestätigt: «Mark und ich sprechen die gleiche Hockeysprache und ergänzen uns sehr gut. Wir kommunizieren auf dem Eis viel und gut und deshalb haben wir uns gleich zurechtgefunden.»

Bei seinem letzten Einsatz bei einem Titelturnier (WM 2012) wurde Mark Streit wegen Defensivschwächen und der daraus resultierenden schlechten Plus/Minis-Bilanz arg kritisiert («Captain Minus»). Jetzt wirkt er an der Seite von Diaz ruhig und souveräner.

Ganz offensichtlich hat Raphael Diaz die Fähigkeit, seinen Mitspieler besser zu machen. Bei der Silber-WM sorgte Diaz dafür, dass Roman Josi (jetzt mit Yannick Weber) neben ihm der überragende Verteidiger und am Schluss sogar der wertvollste Spieler des Turniers wurde (MVP). Jetzt macht er selbst einen Titan wie Mark Streit besser.

15.02.2014; Sochi; Olympische Winterspiele Sochi - Eishockey Schweiz - Tschechien;
Mark Streit (SUI)
(Urs Lindt/freshfocus)

Mark Streit zeigt wieder souveräne Leistungen. Bild: freshfocus

Der meistunterschätzte Verteidiger

 Der ehemalige Zuger Junior, ausgebildet auch von Sean Simpson, verteidigte hier in Sotschi auf Augenhöhe mit Mark Streit und Roman Josi. Nur diese drei Verteidiger kamen bisher auf durchschnittlich mehr als 21 Minuten Einsatzzeit. Raphael Diaz dürfte der meistunterschätzte Schweizer Verteidiger der Gegenwart sein. 

Auch bei den internationalen Fans beliebt

Das defensive Uhrwerk der Schweizer erstaunt die Hockeywelt. Ken Campbell von der kanadischen Hockeybibel «Hockey News» sagt, dass die Schweizer sogar Olympiasieger werden können. Sean Simpson bleibt bei solchen Komplimenten gelassen. «Die nächste Niederlage bedeutet das Ausscheiden. Also behalten wir die Füsse auf dem Boden.»

Die Stürmer treffen (fast) nicht. Aber sie zermürben zumindest ihre Gegenspieler. Nino Nidederreiter ist der wirkungsvollste, bissigste, wuchtigste Offensivspieler. Er fährt den Gegenspieler unter die Haut.

Niederreiter bringt Superstar Jagr zur Weissglut

«Ich habe den Rhythmus mitgenommen und spiele einfach hier so weiter wie in der NHL», erklärt er seinen Rumpelstil. Mit einem ungeahndeten Stockschlag brachte er den tschechischen Superstar Jaromir Jager an den Rande des Ausrastens.  

Der Bündner verkörpert die Schweizer Offensivspieler: Sie funktionieren im Abwehrdispositiv perfekt. Aber sie erzielen zu wenig Tore. Letztlich führte ein kluger Wechsel von Sean Simpson gegen die Tschechen zur Entscheidung.

Der perfekte Schachzug von Sean Simpson 

Er liess Zugs Reto Suri auf der Tribüne und holte Klotens Simon Bodenmann wieder ins Team. Bodenmann erzielte den einzigen Treffer mit einem Hocheckschuss, der wie ein Laserstrahl ins Netz fuhr. 

Animiertes GIF GIF abspielen

Simon Bodenmann fackelt nicht lange. GIF:

Der Samstag war also für das Schweizer Hockey der Tag der Abwehr. 67 Pucks flogen gegen das Gehäuse der Schweizer und Schweizerinnen – und keiner ging rein. Die Männer siegten 1:0 gegen Tschechien, die Frauen 2:0 gegen Russland. Nach wie vor sind auch zwei Hockey-Medaillen möglich.

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