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Marc Luethi, CEO des SC Bern, waehrend der Saison-Medienkonferenz des SC Bern am Montag, 2. September 2013, in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Trainerwechsel beim Meister

Und jetzt der «Jack Nicholson des Hockeys» – wann verliert SCB-General Marc Lüthi die Nerven?

Die Stunde der NHL-Generäle hat nun also auch beim SCB geschlagen. Das Experiment mit Guy Boucher, dem «Jack Nicholson des Hockeys», ist riskant – aber die letzte Chance für die Hockey-Titanic SC Bern.

Ab sofort übernimmt Guy Boucher (42) den SC Bern. Bereits heute leitet der Kanadier das Training und kommandiert die Berner erstmals am Freitag im Heimspiel gegen Ambri.

Seine Vorgänger Larry Huras (Ka) und Antti Törmänen (Fi) scheiterten beim SCB als Meistertrainer. Sie wurden ruhm- und ehrlos nach Heimniederlagen gegen die ZSC Lions bzw. Biel, unmittelbar nach der Schlusssirene, von SCB-General Marc Lüthi standrechtlich gefeuert. Kein anderes Hockey-Unternehmen macht mit seinen Trainern so wenig Federlesen wie der SC Bern. Wie stehen nun Guy Bouchers Chancen auf eine lange und unbeschwerte Amtszeit? 

FILE - In this Saturday, Feb. 25, 2012 file photo, Tampa Bay Lightning coach Guy Boucher stands behind Steven Stamkos (91) in the third period of an NHL hockey game against the Pittsburgh Penguins in Pittsburgh. The Tampa Bay Lightning fired Boucher on Sunday, March 24, 2013. (AP Photo/Gene J. Puskar, File)

Guy Boucher soll den SCB wieder zu alter Stärke führen Bild: AP

Das Beispiel der ZSC Lions zeigt, dass NHL-Generäle inzwischen auch in der NLA funktionieren können: Die Zürcher holten nach der Chaos-Saison 2010/11 (mit Colin Muller und später Bengt Ake Gustafsson) im Sommer 2011 den charismatischen und autoritären NHL-General Bob Hartley. Sie feierten im Frühjahr 2012 den Titel. Aber Bob Hartley wäre um ein Haar früh gescheitert. Zeitweise stand der Kanadier im Dezember 2011 nur noch eine Niederlage vor seiner Entlassung und schaffte die Playoffs lediglich auf Rang 7.

Zug will Travis Roche

Erstaunlich, aber wahr: Der EV Zug möchte für nächste Saison SCB-Verteidiger Travis Roche (35) übernehmen. Die Zuger gehen davon aus, dass der oft verwundete Kanadier (hat diese Saison bereits 10 Spiele verpasst) wieder gesund ist. Roche hat diese Saison in 32 Spielen 18 Punkte produziert. Er steht in seinem sechsten SCB-Jahr und hat nie alle Spiele pro Saison bestritten. Diese Saison weist er erstmals eine Minus-Bilanz auf (-8). (kza)

Eher ein Mike Tyson als ein Alain Sutter

Der ausgebildete Psychologe Guy Boucher ist zwar bei weitem kein so «harter Hund» wie der unerbittliche Bob Hartley. Er ist einer der modernen NHL-Generäle, die nicht nur kommandieren, sondern auch erklären und den Spielern zuhören. Aber in seinem Wesen gibt es eine Spur Mike Keenan, und auf einer «Harte-Hunde-Skala» mit Mike Tyson am einen und Alain Sutter am anderen Ende steht der neue SCB-Trainer immer noch bedrohlich nahe bei Tyson.

Guy Boucher gilt als der Hockeycoach mit dem stechendsten, durchdringendsten Blick. Zumindest in dieser Beziehung ist er so etwas wie die Eishockey-Antwort auf den Schauspieler Jack Nicholson («Shining», «The Postman Always Rings Twice»). 

Der Wechsel vom freundlichen, ja sanften und antiautoritären Chef Antti Törmänen zu einem NHL-General wird in Bern den grössten Kulturschock seit dem Einmarsch der Franzosen im Frühjahr 1798 auslösen.

Bob Hartley, rechts, Headcoach ZSC Lions, unterhaelt sich mit CEO Peter Zahner, links, anlaesslich der Saison Pressekonferenz am Dienstag, 30. August 2011, in Zuerich. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

ZSC-CEO Peter Zahner gab Bob Hartley die Zeit, die er benötigte, und wurde mit dem Titelgewinn belohnt. Bild: Keystone



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Boucher braucht Zeit

Aber der SCB wird durch den zweiten Trainerwechsel in dieser Saison nicht einfach auf Knopfdruck dauerhaft erfolgreich sein. Es braucht nach anderthalb Jahren Selbstverwaltung und taktischer Verwahrlosung («Reitschul-Prinzip») einen Neuaufbau der Leistungskultur. Dieser Prozess wird Monate dauern und vielleicht erst gegen Ende der nächsten Saison abgeschlossen sein.

Und es ist sehr wohl möglich, dass die Spielweise vorerst nicht den Spektakel-Vorstellungen von SCB-General Marc Lüthi entspricht. Weil Guy Boucher das SCB-Spiel erst einmal wieder ordnen und defensiv stabilisieren muss. 

Die Wahl des richtigen Trainers ist nur der erste Schritt der Berner zurück zum Erfolg. Der zweite Schritt ist die Investition ins Personal. Mit den miserablen aktuellen Ausländern kann auch der neue SCB-Trainer nicht den Titel holen.

Enttaeuschte Berner nach der Eishockey National League A Partie zwischen dem SC Bern und Geneve-Servette HC, am Samstag 4. Januar 2014, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Solche Bilder sollen beim Meister bald der Vergangenheit angehören. Bild: Keystone

Grundsätzlich die richtige Wahl

Guy Boucher ist zwar die richtige Wahl. Der SCB hat endlich, endlich, endlich und spät, aber nicht zu spät, einen richtigen Trainer geholt. Doch der neue Chef kann letztlich nur dann erfolgreich sein, wenn er von Marc Lüthi durch alle Böden hindurch gestützt wird. So wie es Peter Zahner bei Bob Hartley in Zürich getan hat. Und nicht bei den ersten Turbulenzen und Spieleraufständen wieder den Trainer feuert. 

Die grosse, die bange Frage in Bern ist also nicht: Wie gut ist NHL-General Guy Boucher? Sondern: Verliert SCB-General Marc Lüthi wieder die Nerven?

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