England
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FILE -  This March 2007 file photo released by the McCann family Friday, May 4, 2007, shows 3-year-old British girl Madeleine McCann.  London's Metropolitan Police said Wednesday April 25, 2012 say it's possible missing girl Madeleine McCann is alive and they will release a new image of the girl, who went missing on a family vacation in the Algarve coast in Portugal in May 2007.   (AP Photo/McCann Family, File)

Bild: AP FAMILY PHOTO COURTESY OF THE MCCANN FAMILY

Verschwundenes Mädchen

Was wurde aus ... der Suche nach Maddie McCann? 

Ihr Schicksal bewegte ganz Europa, seit siebeneinhalb Jahren ist Maddie McCann nun schon verschwunden. Die britische Polizei rollt die Ermittlungen neu auf, doch bisher enden alle Spuren im Nichts. 

carsten volkery

Ein Artikel von

Spiegel Online

Den elften Geburtstag ihrer ältesten Tochter feierten Kate und Gerry McCann am 12. Mai wie jedes Jahr – mit einer Torte und Geschenken. Ganz so, als wäre sie noch da. Dabei ist es nun schon sieben Jahre her, dass die damals dreijährige Madeleine McCann aus der Ferienanlage «Ocean Club» im portugiesischen Praia da Luz verschwunden ist. Niemand weiss, ob sie noch lebt.

Die Eltern der kleinen Engländerin wollen die Hoffnung nicht aufgeben. Und auch die Polizei hat einen neuen Fahndungseifer entwickelt. Nachdem die portugiesischen Behörden den Fall 2008 bereits zu den Akten gelegt hatten, laufen nun gleich zwei Untersuchungen. Erst begann Scotland Yard 2012 unter dem Druck der britischen Öffentlichkeit, den Fall neu aufzurollen. Seit Mai 2014 ermittelt auch die portugiesische Polizei wieder.

Im Rahmen der «Operation Grange» überprüfen 30 britische Beamte die Polizeiarbeit von damals. Sie untersuchen sämtliche Beweisstücke aus der Ferienwohnung mit neuen DNA-Methoden, befragen Dutzende Zeugen und Verdächtige zum wiederholten Mal. Im Sommer haben sie sogar die Umgebung des Tatorts noch einmal durchkämmt und umgegraben – auf der Suche nach neuen Spuren.

Members of Scotland Yard work at an area during the search for missing British girl Madeleine McCann in Praia da Luz, near Lagos, June 11, 2014. McCann was three when she disappeared from her room at the Praia da Luz holiday resort in the Algarve in May 2007 while her parents were dining with friends at a nearby restaurant, prompting a global hunt and worldwide headlines. REUTERS/Rafael Marchante (PORTUGAL - Tags: SOCIETY CRIME LAW)

Mitglieder von Scotland Yard suchen in Praia da Luz nach der verschwundenen Maddie McCann (Foto vom 11. Juni 2014). Bild: RAFAEL MARCHANTE/REUTERS

Die portugiesischen Ermittler sind inzwischen offener gegenüber ihren britischen Kollegen. Lange war das Klima zwischen beiden Seiten vergiftet. Die Briten warfen den Portugiesen vor, den Entführungsfall zu schnell abgeschrieben zu haben. Die Portugiesen hingegen verstanden die Obsession der Briten nicht und taten deren Einmischung als mediengesteuerten Aktionismus ab.

Neue Erkenntnisse hat die Zusammenarbeit bislang nicht zutage gefördert, die Polizei tappt weiter im Dunkeln. Lebt Maddie noch? Ist sie in Portugal oder in einem anderen europäischen Land? War der Täter ein Pädophiler? Die Fragen haben sich im Laufe der Jahre nicht geändert – und sind längst Allgemeingut. Wenn die Fahnder über den Stand der Ermittlungen berichten, sorgt dies für Schlagzeilen in ganz Europa, nicht nur in Grossbritannien. Jedes neue Phantombild des Kindes wird millionenfach verbreitet.

Ist der Aufwand noch gerechtfertigt?

Im Oktober 2013 wurde Maddies Verschwinden in Fernsehsendungen in Grossbritannien, den Niederlanden und Deutschland minutiös rekonstruiert. Phantombilder von Verdächtigen wurden veröffentlicht, in der Hoffnung, den entscheidenden Tipp zu bekommen. Es kamen Tausende Hinweise, doch brauchbar waren sie offenbar nicht. Im Laufe der Jahre meldeten sich auch immer wieder Anrufer bei der Polizei, die Madeleine irgendwo auf der Strasse gesehen haben wollen. Jedes Mal handelte es sich um eine falsche Fährte.

Das wirft die Frage auf: Ist der Aufwand noch gerechtfertigt? Müssen die Ermittler nach sieben Jahren wirklich jedem Hinweis nachgehen? Tun sie das überhaupt oder erwecken sie nur den Eindruck, um die Ausgabe von Steuergeldern zu rechtfertigen? Allein die «Operation Grange» hat bislang zehn Millionen Pfund gekostet. Noch scheint die Geduld der Briten nicht erschöpft, das Schicksal des Mädchens berührt die Nation. Premierminister David Cameron höchstpersönlich hatte die laufende Untersuchung 2011 angekündigt und den Fall so zur Chefsache erhoben.

Doch kann die Stimmung jederzeit kippen. Früher oder später werden die Kosten des Polizeieinsatzes ins Zentrum der Debatte rücken. Die Fahnder werden erklären müssen, für wie wahrscheinlich sie es halten, den oder die Entführer noch zu finden. Sollten sie die Akten ein zweites Mal schliessen, werden die McCanns wohl keine weitere Untersuchung durchsetzen können. Das Engagement privater Ermittler führte auch schon zu bösen Überraschungen: Ein Detektiv, den die Eltern in ihrer Verzweiflung über die schleppende Polizeiarbeit anfangs angeheuert hatten, wurde als mutmasslicher Betrüger festgenommen.



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