England
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epa04482361 Britain's Queen Elizabeth II at the Cenotaph on Remembrance Sunday in central London, England, 09 November 2014, in honour of those who died in wars and conflicts.  Thousands of current and former military personnel joined the Queen, together with the main party leaders, who also laid wreaths. The Queen was the first to lay a wreath at the Cenotaph, followed by other members of the Royal Family, Prime Minister David Cameron, Liberal Democrat leader Nick Clegg, and opposition leader Ed Miliband.  EPA/ANDY RAIN

Not amused: Der Queen dürften die politischen Vorgänge im Königreich sorgen bereiten. Bild: EPA

Erklärbär

Grossbritannien steht vor einer politischen Revolution

Das Zweiparteiensystem auf der Insel zerfällt. Aber das Vereinigte Königreich ist nur ungenügend auf einen politischen Umbruch vorbereitet.

In der Schweiz träumt vor allem die SVP von einem Schulterschluss der bürgerlichen Parteien, um einer eingebildeten Mitte-Links-Regierung den Garaus zu machen. Sollte dies gelingen, würde in der Schweiz ein solider rechtskonservativer Block einer rot-grünen Opposition gegenüberstehen. 

Im Vereinigten Königreich (VK) spielt sich genau das Gegenteil ab: Das traditionelle Zweiparteiensystem zerbröckelt. Die ewige Feindschaft zwischen Konservativen, auch Tories genannt, und Labour ist nach den Wahlen im Mai wahrscheinlich Geschichte. Koalitionen werden auf der Insel bald so normal sein wie auf dem Kontinent. 

Britain's Prime Minister David Cameron gestures as he delivers a speech in Hastings, southern England February 23, 2015. Cameron promised Britain's pensioners on Monday that they can keep a range of welfare perks if he is re-elected on May 7, seeking to shore up support from one of the groups most likely to use their votes. REUTERS/Stefan Wermuth (BRITAIN - Tags: POLITICS ELECTIONS BUSINESS)

Will die Macht verteidigen: Premierminister David Cameron. Bild: STEFAN WERMUTH/REUTERS

Klassensystem und Majorzprinzip haben ausgedient

Das Zweiparteiensystem hat im VK eine lange Tradition. Im 18. und 19. Jahrhundert waren es die liberalen Whigs, die sich mit den Tories um die Macht stritten. Seit dem 20. Jahrhundert hat Labour, die britische Antwort auf die Sozialdemokraten, die Whigs ersetzt. Die heutigen Liberalen, die Lib-Dems, sind zwar Juniorpartner der Konservativen in der Regierung, aber gerade deswegen bös unter die Räder gekommen.

Zwei Gründe haben das Zwei-Parteien-Prinzip auf der Insel so lange erhalten: Das traditionelle britische Klassensystem und das Majorzprinzip. Lange hat das zu fast DDR-artigen Wahlresultaten geführt. Bei den Wahlen von 1951 erzielten die Tories und Labour gemeinsam 97 Prozent der Stimmen. 

epa03477888 British Labour Party leader Ed Miliband delivers a speech at the CBI annual conference at the Grosvenor House in London, Britain, 19 November 2012. Miliband addressing the annual conference of British businessmen discussed the issue of Britain's role in the European Union.  EPA/KAREL PRINSLOO

Will neuer Premier werden: Labour-Chef Ed Miliband. Bild: EPA

Davon können heute beide nur noch träumen. Sie müssen bei den kommenden Wahlen froh sein, wenn sie 30 Prozent der Stimmen erhalten werden. Aus dem Zweiparteien- ist mittlerweile ein Sechsparteiensystem geworden: Die Ukip ist für Protestwähler und Europahasser eine Alternative geworden, die Grünen für die Globalisierungsgegner. Die Lib-Dem sind zwar wegen ihrer Koalition mit den Tories angeschlagen, aber nach wie vor eine Alternative für linksliberale Wähler. In Schottland ist die linke Scottish National Party (SNP) nicht nur zu einer Alternative für Labour geworden, sondern gar mehrheitsfähig. 

Absurde Machtverteilung

Das Politsystem konnte mit dieser Entwicklung nicht mithalten. Auf der Insel wird nach der «first past the post»-Methode gewählt, ein Majorzsystem, bei dem gewonnen hat, wer zuerst am meisten Stimmen in einem bestimmten Wahlkreis erzielt hat. 



Dieses System führt in der veränderten Parteienlandschaft zu absurden Resultaten: In Schottland werden der SNP voraussichtlich rund 40 von insgesamt 650 Parlamentssitzen zugesprochen, obwohl sie national bloss vier Prozent Wählerstimmen erhalten wird. Ukip und Grüne hingegen, deren Anhänger auf der ganzen Insel verteilt sind, werden zwar gegen einen Viertel der Stimmen erreichen, aber bloss je vier Parlamentssitze.

epa04633976 UKIP leader Nigel Farage delivers a speech on health in Rochester, Britain, 23 February 2015. Farage said that UKIP would find an extra funding for the National Health Service by reducing payments to the European Union.  EPA/ANDY RAIN

Albtraum für die Konservativen: Ukip-Chef Nigel Farage. Bild: ANDY RAIN/EPA/KEYSTONE

Dieses absurde System hat ungewollte Konsequenzen: Premierminister David Cameron beispielsweise wird nicht müde, seine potenziellen Wähler zu warnen: «Ihr wollt zwar mit Nigel Farage (Chef der Ukip) ins Bett, werdet aber mit Ed Miliband (Labour-Chef) aufwachen.» Weil keine Listenverbindungen möglich sind, müssen auch Umweltbewusste und Linke sehr genau überlegen, ob sie ihre Stimme nicht vergeuden, wenn sie taktisch ungeschickt wählen.

Alle wollen die Revolution

Die Mängel des britischen Wahlsystems sind so offensichtlich fern der politischen Realität, dass eine umfassende Reform notwendig geworden ist. Führende britische Publikationen wie die «Financial Times» und der «Economist» fordern daher, dass auch im VK das Majorz- durch ein Proporzsystem ersetzt wird. Das ist leichter gesagt als getan: Es käme einer politischen Revolution gleich. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • Howard271 26.02.2015 13:50
    Highlight Highlight Man kann das als absurdes System abtun, oder es halt einfach differenzierter ansehen: in Grossbritannien ist der Grundgedanke, ähnlich wie in den USA, nicht eine möglichst proportionelle Abbildung der Gesellschaft durch Parteien (so wie wir es für mormal halten), sondern eine Person als Vertreter ihres Wahlkreises. So wird die Politik auf eine lokalere Ebene gehievt, was auch daran ersichtlich wird, dass Regionalparlamente im VK vergleichsweise machtlos sind. Es ist halt einfach eine andere Tradition, ein anderes Verständnis, welches bei den meisten Briten verankert und akzeptiert ist. Nur weil wir ein anderes Verständnis haben, muss man das Britische nicht einfach als "absurd" abtun.
    5 1 Melden
    • phreko 26.02.2015 17:34
      Highlight Highlight Wenn es dich nicht stört, dass deine Stimme nicht zählt ist das ja eine Sache. Aber von anderen verlangen, dass sie hinnehmen, dass ihre eigene Stimme nicht zählt, ist eine andere. Deshalb ist und bleibt es absurd!
      3 1 Melden

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