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epa04229513 European Energy Commissioner Gunther Oettinger holds a press conference on European Energy Security Strategy, at the EU Commission headquarters in Brussels, Belgium, 28 May 2014. Report states the European Commission reacts on the current geopolitical environment and the EU«s import dependence. The proposals of the Commission will be discussed by EU Heads of State or Government at the European Council on 26-27 June 2014.  EPA/JULIEN WARNAND

Bild: JULIEN WARNAND/EPA/KEYSTONE

Die Kandidaten für die EU-Kommissionsspitze

Auf der Suche nach Mister X

Die konservativen EU-Parlamentarier wollen Jean-Claude Juncker als neuen Kommissionschef, die Staats- und Regierungsschefs sich alles offen halten. Welche Alternativen für den wichtigsten Posten in Brüssel gibt es? Der Überblick. 

Ein Artikel von

Spiegel Online

Severin Weiland und Gregor Peter Schmitz, Spiegel Online

Die Lage ist unübersichtlich. Die Europäische Volkspartei (EVP) ist stärkste Kraft im Europaparlament, ihr Spitzenkandidat Jean-Claude Juncker wäre eigentlich der geeignete Kandidat für den Posten des EU-Kommissionsvorsitzenden. Die Fraktionschefs im Parlament haben die Staats- und Regierungschefs gebeten, ihm ein «klares Mandat» zu erteilen.

Doch die lassen sich Zeit. In ihrem Auftrag soll zunächst der Vorsitzende des Europäischen Rats, Hermann Van Rompuy, mit dem Parlament und den 28 Mitgliedsstaaten über einen Personalvorschlag reden. Das kann dauern – vier Wochen sind eingeplant, der nächste EU-Gipfel findet Ende Juni statt. 

Die Entscheidung könne nur im Rahmen eines grösseren Personalpaketes und mit klaren politischen Zielen für die neue Kommission getroffen werden, verteidigte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel diesen Zeitablauf. Ein klares Bekenntnis vermied sie, erklärte aber, sie jedenfalls habe Juncker als Spitzenkandidaten unterstützt. Doch unter den 28 Staats- und Regierungschefs werde es noch Diskussionen geben. «Wir müssen dafür sorgen, dass wir im Rat gut miteinander arbeiten können», so die Kanzlerin. Sie hat wohl im Hinterkopf, dass Briten, Schweden und Ungarn als Gegner Junckers gelten. 

Wenn es nicht der frühere Ministerpräsident Luxemburgs werden sollte, wer dann? Gleich mehrere Personalien wären denkbar. Spiegel Online zeigt Vorzüge und Nachteile möglicher Ersatzkandidaten. 

Christine Lagarde

epa04226709 The Managing Director of the International Monetary Fund Christine Lagarde during the Conference 'ECB Forum on Central Banking' organized by ECB, in Sintra, Portugal, 26 May 2014. The conference take place until 27 May 2014.  EPA/SERGIO GARCIA / EUROPEAN CENTRAL BANK / HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Bild: EPA/LUSA / EUROPEAN CENTRAL BANK

Nach dem Ausgang der Wahlen in Frankreich mit dem Sieg des rechtsextremen «Front National» könnte es starkes Signal sein, mit der derzeitigen Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, ausgerechnet eine Französin an die Spitze der EU-Kommission zu bringen. Sie wäre die erste Frau in diesem Amt und dank ihrer Erfahrung nicht nur eine starke Kommissionschefin, sondern auch geeignet, die deutsch-französische Achse in der EU zu stärken. Sie kennt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gut. Ihr Nachteil: Lagarde – die auch als EU-Ratspräsidentin in Frage kommt – ist Mitglied der konservativen UMP und wäre wohl allein schon deshalb keine Kandidatin des sozialistischen Präsidenten François Hollande.

Donald Tusk

Polish Prime Minister Donald Tusk speaks to supporters as first exit poll results are announced after the European Parliament elections, in Warsaw, Poland, Sunday, May 25, 2014. (AP Photo/Alik Keplicz)

Bild: Alik Keplicz/AP/KEYSTONE

Der polnische Ministerpräsident galt bei der EVP auch schon mal als geeigneter Spitzenkandidat und Alternative zu Juncker. Tusk ist pragmatisch, pflegt zudem enge Beziehungen zur deutschen Bundeskanzlerin Merkel. Seine Wahl wäre ein politisches Zeichen an die östlichen Mitgliedsländer, die sich zuletzt während der Ukraine-Krise vom Rest der EU mitunter im Stich gelassen fühlten. Sein Problem: In Polen ist er als Integrationsfigur für seine Partei, die konservativ-liberale Bürgerplattform, unerlässlich.

Enda Kenny

Irish Prime Minister Enda Kenny shakes hands with a protocol official at the European Council building in Brussels, Tuesday, May 27, 2014. European Union leaders on Tuesday sought a way to bounce back from the weekend's landmark elections that saw a partly hostile and largely apathetic public question their project of closer cooperation as never before. (AP Photo/Eric Vidal)

Bild: Eric Vidal/AP/KEYSTONE

Der irische Premierminister hat sein Land bislang gut durch die schwierige Euro- und Finanzkrise geführt, die die Banken seines Landes besonders hart traf. Kenny, 63 Jahre alt, pflegt gute Kontakte zu Angela Merkel, aber auch zum britischen Premier David Cameron. Kenny könnte ein Konsenskandidat sein, wegen seiner Erfahrungen in der Eurokrise auch für die südlichen Länder des Euroraumes.



Jyrki Katainen

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Finland's Prime Minister Jyrki Katainen talks to the media as he arrives at a European Union leaders' summit in Brussels, in this December 20, 2013 file picture. Finnish Prime Minister Katainen announced on April 5, 2014 that he was stepping down in June. Katainen told a news conference that he would not run for a new term as a chairman of his conservative National Coalition party at its congress in June, which means he will no longer be prime minister. Katainen, who has led his party for 10 years, and the quarrelsome six-party coalition government since 2011, said he would not run for the EU parliament in May or the Finnish parliament next year either. REUTERS/Francois Lenoir/Files (BELGIUM - Tags: POLITICS)

Bild: FRANCOIS LENOIR/REUTERS

Der Finne hat angekündigt, im Juni als Ministerpräsident zurückzutreten. Sein Ziel sei es, Kommissar zu werden oder besondere Aufgaben ausserhalb der Kommission wahrzunehmen, hat er erklärt. Katainen, der der konservativen Nationalen Sammlungspartei angehört, ist in der EVP gut vernetzt und pflegt seit längerem den Kontakt zu Angela Merkel und dem noch bis Oktober amtierenden EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso.

Valdis Dombrovskis

epa04028617 Latvian Prime Minister Valdis Dombrovskis (3-R) hands to Speaker of the Saeima (Latvian Parliament), Solvita Aboltina (2-R) the first book (Latvian translations of the Bible, dated first half of the 19th century) as they participate in the Chain of Booklovers event marking the opening of 'Riga, European Capital of Culture 2014' in Riga, Latvia, 18 January 2014. The human chain linked the old National Library building to the new one, Gaismas Pils (Castle of Light), along the Path of Light, via Vermanes Darzs park, Old Town and Akmens bridge.  EPA/VALDA KALNINA

Bild: VALDA KALNINA/EPA/KEYSTONE

Der Lette wollte selbst Spitzenkandidat der EVP werden, zog dann aber seine Kandidatur zurück. Seine Fähigkeiten sind – obwohl er 2013 als Ministerpräsident wegen eines eingestürzten Supermarkts mit mehreren Toten zurücktreten musste – erwiesen: Als Finanz- und späterer Ministerpräsident führte er sein Land in den Euroraum. Dombrovskis, der in Mainz studiert hat, kennt die EU-Interna – er war auch schon Mitglied im Europaparlament.

Guy Verhofstadt

Candidate for European Commission president Guy Verhofstadt, President of the Group of the Alliance of Liberals and Democrats for Europe (ALDE), attends a meeting of leaders of European Parliament political groups in Brussels May 27, 2014.   REUTERS/Francois Lenoir (BELGIUM - Tags: POLITICS)

Bild: FRANCOIS LENOIR/REUTERS

Der Spitzenkandidat der europäischen Liberalen hätte theoretisch das Zeug, die EU-Kommission zu führen. Durchsetzungsfähig und ein Mehrheitsbeschaffer ist er. Schliesslich war er neun Jahre lang Ministerpräsident in Belgien, einem Land, das mit den Konflikten zwischen Wallonen und Flamen schwierig zu regieren ist. Doch die Mitgliedschaft bei den Liberalen dürfte sein grösstes Handicap sein.

Enrico Letta

epa04074979 (FILE) A file photo dated 12 February 2014 shows Italian Prime Minister Enrico Letta looking down during a news conference at Palazzo Cighi, Rome, Italy, 12 February 2014. Media reports on 13 February 2014 state that Italian Prime Minister Enrico Letta said he is to resign on Friday, 14 February 2014.  EPA/ALESSANDRO DI MEO

Bild: EPA/ANSA / EPA FILES

Schon in Italien war seine Durchsetzungsfähigkeit schwach, er musste seinen Platz als Regierungschef für den jetzt bei den Europawahlen erfolgreichen Matteo Renzi räumen. Sein Nachteil: Letta ist Mitglied der linksliberalen Partito Democratico, was ihm kaum Chancen bei den Briten und der EVP lässt. Nicht einmal aus Gründen des nationalen Proporz käme er in Frage, denn die Italiener stellen mit Mario Draghi den Chef der Europäischen Zentralbank (EZB).

Helle Thoring-Schmidt

Danmarks statsminister Helle Thorning-Schmidt vid de nordiska statsministrarnas möte vid Nordiska Rådets session i Köpenhamn. Foto: Magnus Fröderberg/norden.org

Auch Dänemarks Ministerpräsidentin wird gelegentlich als mögliche Kandidatin für die EU-Kommissionsspitze genannt. Doch gilt ihre Kandidatur als ähnlich aussichtslos wie die von Letta: Die 47-Jährige ist Sozialdemokratin. Es wäre widersinnig, wenn die Staats- und Regierungschefs sie dem Europaparlament vorschlagen. Denn mit dem deutschen Martin Schulz als Ex-Spitzenkandidat der europäischen Sozialdemokraten steht ja bereits ein Kandidat dieses Lagers zur Verfügung.

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