Euro
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Währungsunion

Litauen will 2015 das 19. Euro-Land werden

Als dritter baltischer Staat will Litauen 2015 den Euro einführen. Die Regierung des baltischen EU-Landes betont die wirtschaftlichen Vorteile. Doch die Bevölkerung steht dem Vorhaben kritisch gegenüber.



Die Wirtschaft läuft, die Schulden sind niedrig, die Inflation im Zaum: Litauen will 2015 den Litas gegen den Euro eintauschen - und sieht sich bestens gerüstet für die Euro-Zone. «Wir sind absolut bereit, dem Klub beizutreten, der die wirtschaftlichen Entscheidungen in Europa trifft», betont Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite.

Ob die Währungshüter in Brüssel und Frankfurt dies auch so sehen, entscheidet sich am (heutigen) Mittwoch. Dann werden die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Prüfberichte vorlegen. Erfüllt Litauen die Maastricht-Kriterien, kann es damit rechnen, als 19. Land den Euro einführen zu dürfen. Die EU-Staaten müssen dem Beitritt aber noch zustimmen.

In Vilnius besteht daran kein Zweifel. «Litauen hat eine strenge Haushaltsdisziplin verfolgt und ist nun bereit, den Euro Anfang 2015 zu übernehmen», meint Regierungschef Algirdas Butkevicius.

«Es ist offensichtlich, dass Litauen alle Voraussetzungen erfüllt, die an Euro-Anwärter gestellt werden», betont Finanzminister Rimantas Sadzius und verweist auf die jüngsten Konjunktur-Indikatoren. Rechtlich wurden mit einem Euro-Einführungsgesetz die Voraussetzungen geschaffen.

Bereits zweiter Anlauf

Für Litauen ist es der zweite Anlauf für eine Mitgliedschaft. Ursprünglich wollte die Ostseerepublik bereits 2007 den Euro einführen, scheiterte aber wegen einer leicht überhöhten Inflation - die EU-Kommission lehnte den Antrag damals ab.

Nur wenig später wurde das kleine Land im Nordosten Europas massiv von der globalen Finanzkrise getroffen. Litauen hatte mit einer der tiefsten Rezessionen in der EU zu kämpfen - 2009 brach die Wirtschaftsleistung um fast 15 Prozent ein.

Die damalige Regierung reagierte schnell und drastisch: Gehälter und Sozialausgaben wurden gekürzt, Stellen gestrichen und Steuern angehoben. Insgesamt wurden 12 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) eingespart. Damit kam die Wirtschaft ohne Rettungsschirm wieder auf Kurs, wurde wettbewerbsfähig und konnte fleissig exportieren - bereits 2010 setzte die konjunkturelle Erholung ein.

Wächst Litauens BIP in diesem Jahr wie von der EU-Kommission im Frühjahr prognostiziert um 3,3 Prozent, wird die Wirtschaftskraft real erstmals wieder den Vorkrisenstand von 2008 übertreffen. Für weiteren Aufschwung soll die Gemeinschaftswährung sorgen. "Der Euro wird unserer Wirtschaft sicherlich einen starken Impuls geben", sagt Grybauskaite.

Finanzminister Sadzius fürchtet, ohne Euro gerate Litauen im baltischen Standortwettbewerb ins Hintertreffen gegenüber den Euro-Staaten Estland und Lettland. Die Litauer dagegen sind skeptisch: Im März befürwortete nur gut ein Drittel der rund drei Millionen Einwohner den Euro-Beitritt. 56 Prozent waren dagegen - sieben Prozent mehr als noch im November.

Hauptgrund sind die Sorgen vor dem «Teuro» und einem sinkenden Lebensstandard. Litauens Pro-Kopf-BIP beträgt nach Angaben des Internationalen Währungsfonds ohnehin nur ein Drittel von dem Westeuropas. Ausserdem gilt der Litas als Symbol für die 1990 wiedererlangte Unabhängigkeit von der Sowjetunion. (pma/sda)

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