Eurovision Song Contest
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epa05304861 Eurovision hosts and Mans Zelmerlow and Petra Mede perform during the second dress rehearsal for the Eurovision Song Contest final in Stockholm, Sweden, 13 May 2016. The grand final takes place on 14 May.  EPA/MAJA SUSLIN SWEDEN OUT

Die Zuschauer des ESC könnten heute für eine Überraschung sorgen. 
Bild: EPA/TT NEWS AGENCY

Neues Voting: Jetzt können die Zuschauer ein ESC-Ergebnis kippen 

Der Eurovision Songcontest ändert sein Votingsystem. Die Entscheidung des Publikums bekommt mehr Gewicht. In den Vorjahren hätte dieser Modus ganz andere Ergebnisse beschert.

Holger Dambeck



Ein Artikel von

Spiegel Online

«Germany twelve points, l'Allemagne douze points» – das ist Musik in den Ohren der deutschen ESC-Fans. Wenn am Samstagabend in Stockholm die Punkte der 26 Finalisten verlesen werden, wird es aber einen entscheidenden Unterschied zu den Vorjahren geben.

Die aus insgesamt 42 Teilnehmerländern verkündeten Punktzahlen markieren nur einen Zwischenstand. Das endgültige ESC-Ergebnis ergibt sich erst später, wenn die Punkte des Publikums-Votes hinzugerechnet werden. Und das bedeutet: Die Anrufer können ein Ergebnis noch kippen.

Dahinter steht ein neues Abstimmungsverfahren. Bisher gab jedes Land seinem Erstplatzierten 12 Punkte, dem zweiten 10, dem dritten 8, dem vierten 7 Punkte und so weiter. Ab diesem Jahr kommen aus jedem Land aber zweimal 12 Punkte, zweimal 10 und so weiter.

Jury und Publikum sind oft total anderer Meinung

Über die erste Hälfte der Punkte entscheidet eine Fachjury aus dem jeweiligen Land. Die anderen Punkte werden entsprechend dem Publikumsvote vergeben, also laut den Stimmabgaben der Zuschauer via Telefon, SMS oder App.

Das klingt nicht nur kompliziert, das ist es auch. Doch auch das bisherige Abstimmungsverfahren war kompliziert – nur dass das kaum jemand mitbekam. Viele Zuschauer dürften nicht einmal gewusst haben, dass die Stimmvergabe eines Landes nur zum Teil übers Telefonvoting bestimmt wurde.

Alle Teilnehmer am Finale des Eurovision Song Contest 2016

In fast allen Ländern entschied eine fünfköpfige Jury mit – ihr Urteil und das Televote ergaben dann zusammen das Gesamtvoting. Der ESC war und ist, wenn man so will, eine Mischung aus Demokratie und Expertokratie, denn die Jurys werden mit Vertretern aus der Musikbranche besetzt.

Der neue Punktemodus erhöht auf jeden Fall den Einfluss des Publikums. Denn bisher konnte es theoretisch passieren, dass ein Kandidat oder eine Kandidatin die meisten Stimmen der Zuschauer eines Landes erhielt, aber trotzdem nur null Punkte bekam, weil die Jury den Song sehr schlecht bewertete.

Wie stark die Votes von Jury und Publikum voneinander abweichen, zeigte sich vor einem Jahr. Damals gewann Schweden den ESC, hätten aber allein die Stimmen der Zuschauer gezählt, wären die drei Tenöre aus Italien die Sieger gewesen.

Paradoxe Ergebnisse

Auf der Eurovision-Webseite werden die Auswirkungen des neuen Votingsystems am Beispiel des Vorjahres vorgerechnet. Am ersten Platz für Schweden hätte sich nichts geändert, aber Italien wäre zumindest zweiter geworden und hätte Russland auf Rang drei verdrängt.

Deutschland, im Vorjahr mit null Punkten gedemütigt, wäre immerhin auf 29 Punkte gekommen und nicht mehr auf dem letzten Platz gelandet – weil der Song von Ann Sophie bei den Jurys immerhin 24 Punkte eingeheimst hätte, ausserdem 5 Punkte beim Publikum.

Das erscheint paradox, ist aber eine Folge des auch bislang schon komplizierten Votingsystems. Denn beim Wettbewerb werden zwei Teilergebnisse zu einem Endergebnis zusammengeführt – und je nachdem, wie man dabei die Stimmen gewichtet, kommt immer eine etwas andere Rangfolge heraus.

Wie gegenläufig Vorlieben von Jury und Publikum mitunter sind, zeigte sich auch 2014, als Österreich den ESC gewann. Hätten ausschliesslich die Televotings entschieden, wäre der Triumph des Travestiekünstlers Conchita Wurst viel deutlicher ausgefallen.

Mehr Gerechtigkeit?

Ein von allen als gerecht empfundenes Wahlsystem ist ein anspruchsvolles, aber kaum erreichbares Ziel – nicht nur beim ESC, sondern auch in der Politik. Selbst bei einer Bundestagswahl gab es schon absurde, widersinnige Ergebnisse. Weil dabei Direktmandate und Listenplätze kombiniert werden, war in Einzelfällen ein negatives Stimmgewicht möglich. Weniger Stimmen für eine Partei in einem Land konnten paradoxerweise zu einem Sitz mehr im Parlament führen, weil sich Überhangmandate zwischen Bundesländern verschoben.

Das neue Punktesystem beim ESC ist sicher fairer aus Sicht des Publikums. Wirklich transparenter ist es aber nicht. Denn während der Show werden nur die von den Jurys vergebenen Punkte angesagt. Wer erfahren will, welcher Künstler zum Beispiel von den deutschen Zuschauern zwölf Punkte erhalten hat, muss im Internet nachschauen. So war das auch schon in den Jahren zuvor.

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    Alle Leser-Kommentare
  • rundumeli 14.05.2016 23:21
    Highlight Highlight macht die monika vom minutendings grad richtig stimmig mit livetickern... sorry... und haut euren profikoch zünftig in die pfanne... waren die quoten so mies bei der vorrunde, dass ihr jetzt pausiert?
  • Thomas F. 14.05.2016 22:19
    Highlight Highlight Kein liveticker von Watson zum Final? Schade.
    • Viktoria 14.05.2016 22:21
      Highlight Highlight Nee, leider nicht :(
  • maljian 14.05.2016 13:00
    Highlight Highlight Ja, man kann über die App abstimmen, aber Vorsicht, es wird einfach eine SMS generiert, das heisst die Kosten bleiben weiter bestehen. 🙈
  • Flunderchen 14.05.2016 11:13
    Highlight Highlight Wie kann man für so einen Mist abstimmen und 1.20 pro Anruf bezahlen?

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