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A man is silhouetted against a video screen with an Facebook logo as he poses with an Dell laptop in this photo illustration taken in the central Bosnian town of Zenica in this August 14, 2013 fiel photo. Facebook Inc's website appeared to be back up on Thursday a few minutes after it displayed a message saying

Oft werden komplett unschuldige Leute auf Facebook an den Pranger gestellt und bedroht.  Bild: DADO RUVIC/REUTERS

Selbstjustiz

Nach Tierquälervideo: Hetzjagden auf Facebook werden zum Problem

Ein Video zeigt, wie eine Katze in einem Silo getötet wird. Tausende Internetnutzer sind empört. Ihre Wut geht so weit, dass von ihnen verdächtigte Personen sogar Morddrohungen bekommen.

Ein Artikel von

Spiegel Online

Ein Tierquälervideo hat sich in den vergangenen Tagen rasant in den sozialen Netzwerken verbreitet. Allein bei Facebook ist der Clip mehrere tausend Mal geteilt worden. Das rund zweiminütige Video zeigt, wie Männer eine Katze in einem leeren Silo zu Tode quälen, unter anderem, indem sie mit Schaufeln auf das Tier einschlagen. Das Polizeipräsidium Konstanz meldet, die Aufnahme sei vergangene Woche von einer unbekannten Person ins Netz gestellt worden, dort habe sie «einen regelrechten Shitstorm» verursacht.

Viele empörte Internetnutzer nahmen das mit dem Text «Brutale Katzenmörder gesucht :( :( :( :( !!! Bitte Teilen, Teilen, Teilen, Teilen !!!!» beworbene Video zum Anlass, Verdächtigungen darüber anzustellen, wer in dem Clip zu sehen sein könnte. In den sozialen Netzwerken kursieren daher mehrere Namen, Bilder und Adressen von Personen aus Baden-Württemberg.

Im Gespräch mit der «Schwäbischen Zeitung» erzählt einer der Genannten, dass seine Familie und er Drohanrufe bekommen hätten. Fremde Menschen hätten angerufen, ihn als Tiermörder beschimpft oder ihm damit gedroht, ihn umzubringen. «Ich schneide dir die Kehle durch» oder «Pass auf, dass du nicht überfahren wirst» seien dabei nur zwei Varianten. Ein Polizeisprecher sagte der «Schwäbischen Zeitung», es gebe bei dem Betroffenen keinen Hinweis auf einen begründeten Tatverdacht. 

Manche Facebook-Gruppe präsentiert sich als Online-Pranger

Auf Facebook gibt es diverse Gruppen, die sich mit dem Thema Tierquälerei auseinandersetzen, teilweise im Stil eines Online-Prangers. In der Beschreibung der nur für Mitglieder geöffneten Gruppe «Gegen Tierquäler auf Facebook» heisst es: «Diese Gruppe ist gedacht, um die Profile der Tierquäler, -schänder und -mörder auf Facebook aufzuzeigen und sie öffentlich zu machen.»

Das Polizeipräsidium Konstanz warnte am Dienstag vor Verdächtigungen im Internet. «Es ist aus der Vergangenheit hinreichend bekannt, was derartige Hetzkampagnen mit ungesicherten und nicht belastbaren Informationen anrichten können, die unreflektiert weiterverbreitet werden», heisst es in einer Pressemitteilung. Hetzkampagnen und die Belastung von Unschuldigen würden nicht dabei helfen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Auch das Landeskriminalamt Baden-Württemberg hat mittlerweile eine Stellungnahme veröffentlicht. «Wir appellieren an Euch: BETREIBT KEINE HETZJAGDEN!», heisst es auf der Facebook-Seite des Amts. «Denkt daran: Ihr könnt Euch damit strafbar machen und es können Schadensersatzansprüche auf Euch zukommen.»

Hobbyermittler liegen öfter falsch

This Monday April 15, 2013 photo provided by Ben Thorndike shows the scene following an explosion at the 2013 Boston Marathon in Boston. Two explosions shattered the euphoria of the Boston Marathon finish line on Monday, sending authorities out on the course to carry off the injured while the stragglers were rerouted away from the smoking site of the blasts. (AP Photo/Ben Thorndike)

Auch nach dem Anschlag auf den Boston-Marathon 2013 suchten Hobby-Ermittler auf Facebook nach den Tätern. Bild: AP Ben Thorndike

Ein bekannter Fall, in dem Hobbyermittler zahlreiche öffentliche Verdächtigungen anstellten, die sich als falsch erwiesen, ist der Anschlag beim Boston-Marathon 2013. In den Tagen nach dem Anschlag machten immer wieder Fotos von Zuschauern des Marathons im Netz die Runde. In Threads mit Titeln wie «Find Boston Bombers» verdeutlichten Nutzer mit Hilfe von roten Kringeln und Pfeilen, welche zufällig fotografierten Menschen sie für verdächtig hielten.

Im Fall des Katzenvideos hat die Polizei am Donnerstag noch keine Informationen zu Tatzeit und Tatort, sie ermittelt aber weiter. Der «Schwäbischen Zeitung» zufolge geht die Polizei aufgrund des Dialekts der Männer davon aus, dass die Tat im Raum Oberschwaben stattgefunden hat. Facebook scheint das ursprüngliche Video mittlerweile aus dem Netz genommen zu haben. Ausschnitte daraus werden allerdings seit Mittwochabend auf einer grossen deutschen Nachrichtenseite gezeigt.

In Netzwerken wie Twitter und Facebook äussern sich Nutzer weiter zum Fall, mit Beiträgen wie «Würde ich euch Penner in die Finger bekommen, dann gnade euch Gott … Ich würde keine Schaufel nehmen, versprochen ...» (lhr/mbö/dpa)



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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • papparazzi 12.09.2014 11:15
    Highlight Highlight Es gibt jetzt auch keine Bürgerwehr mehr. Sie wurde umbenannt auf Facebookwehr. ut (dp)
    0 2 Melden
  • Too Scoop 12.09.2014 10:33
    Highlight Highlight Facebook wird für alles Missbraucht. Wie angenehm war es, damals ohne Werbung, Videos und der gleichen, wo man einfach nur schreiben konnte. Ich vermisse es.
    0 2 Melden

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