Film
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
From right, director Roman Polanski, actors Emmanuelle Seigner and Mathieu Amalric pose for photographers as they arrive for the screening of Venus in Fur at the 66th international film festival, in Cannes, southern France, Saturday, May 25, 2013. (AP Photo/David Azia)

Dieses Bild wird es im Tessin leider nicht geben: Roman Polanski mit seiner Frau Emanuelle Seigner auf dem Roten Teppich. Bild: AP

Wegen Kontroverse

CVP vergrault Roman Polanski – Teilnahme am Filmfestival Locarno abgesagt



Der polnische Regisseur Roman Polanski hat seine Teilnahme am Festival del film Locarno abgesagt, wie die Festivalleitung am Dienstag mitteilte. In einem Brief an die Organisatoren begründete der Regisseur seine Absage mit den Kontroversen, die seine Einladung hervorgerufen haben. 

Er habe festgestellt, dass sein geplantes Erscheinen bei «gewissen Personen, deren Haltung ich respektiere, zu Spannungen und Kontroversen führt», erklärte Polanski in seinem Brief, wie die Organisatoren am Dienstag in einem Communiqué schrieben. Er bedauere seine Absage, so der Regisseur («Rosemary's Baby»).

Drastische Worte der Festivalleitung 

Es sei sein schwärzester Tag, seit er vor zwei Jahren die Leitung des Festival del film übernommen habe, sagte der künstlerische Direktor Carlo Chatrian in einer Videobotschaft vom Dienstag. Es seien Grenzen überschritten und verbale Gewalt ausgeübt worden. Die Festivalleitung fand in ihrer Mitteilung drastische Worte: «Wiederholte inakzeptable Einmischungen in künstlerische Entscheidungen des Festivals» hätten zu Polanskis Absage geführt. Im Video sagte Chatrian, er respektiere jedoch Polanskis Entscheidung. 

Der Regisseur hätte am Donnerstagabend und am Freitagnachmittag in Locarno auftreten sollen. Er sollte ein Seminar abhalten und mit einem Spezialpreis geehrt werden. Zudem sollte Polanski mit seiner Frau Emanuelle Seigner den gemeinsamen Film «La Vénus à la fourrure» präsentieren.

This photo released by IFC Films shows Emmanuelle Seigner as Vanda and director Roman Polanski behind the scenes in his film,

Roman Polanski mit seiner Frau Emanuelle Seigner während der Dreharbeiten des gemeinsamen Films «La Vénus à la fourrure». Bild: AP IFC Films

CVP Tessin wehrte sich gegen den Besuch

Die CVP wehrte sich gegen den Besuch des Regisseurs. In einem offenen Brief des Chefs der CVP-Fraktion im Kantonsparlament, Fiorenzo  Dadò, an die Zeitung «La Regione» anerkennt der Grossrat die künstlerischen Verdienste Polanskis. Doch indem er sich «kleinmütig dem Gesetz und dem Gefängnis dank seinem Geld und mächtigen Freunden entzogen hat», verkörpere er die Ungerechtigkeit der Justiz.

Man müsse Polanski wieder ausladen – oder er solle sich in Locarno offiziell bei allen Pädophilie-Opfern entschuldigen, die er mit seiner «Feigheit» beleidigt habe. Parteikollegen Dadòs riefen zudem dazu auf, den offiziellen Festival-Empfang der Tessiner Grossräte zu boykottieren, wie die NZZ berichtete.

Sex mit Minderjährigen

Polanski wird in den USA zur Last gelegt, 1977 Sex mit einer Minderjährigen gehabt zu haben. Wegen eines internationalen Haftbefehls wurde er 2009 bei der Anreise ans Zurich Film Festival am Flughafen Zürich festgenommen. Die Schweizer Behörden lehnten einige Monate später den Auslieferungsantrag der USA jedoch ab. Polanski lebt in Frankreich.

(whr/aeg/sda)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

3
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Freigeist 12.08.2014 17:57
    Highlight Highlight Es ist beschämend, dass ausgerechnet jene Partei mit voraussichtlich den meisten Pädophilen in ihrem "klerikalen" Umfeld sich anmasst, über Dritte zu urteilen.
  • quark 12.08.2014 15:51
    Highlight Highlight Als Festival-Verantwortlicher würde ich nie Politiker einladen, denn diese haben allesamt einen ramponierten Ruf sobald man etwas am Lack kratzt.
    • MediaEye 12.08.2014 20:15
      Highlight Highlight Die sind ja auch keine Festivalgäste, sondern motzen nur so als Lokalpolitiker vor sich hin, alles aus eigener Profilieruingssucht und in Hinblick auf kommende Wahlen; da ist ihnen jedes Opfer recht, das auf die Schlachtbank oder das Schafott geführt werden kann.
      Schämt euch ihr #Volksverräter, und ich hoffe der Schuss geht nach hinten los !!!!

Nach «Episode 9»: Nun muss Disney «Star Wars» in den Griff kriegen

Am 4. Mai ist für Fans der offizielle «Star Wars»-Feiertag. Zeit, einmal über Disney und die Zukunft des Franchises zu reden.

Disney hat sich verrannt – mit «Star Wars». Als der Konzern 2012 Lucasfilm und damit die «Star Wars»-Rechte für über vier Milliarden kaufte, schien man die nächste perfekte Cash-Cow gefunden zu haben. Mit einer neuen Trilogie und Einzelfilmen wollte man das Franchise kräftig ausbauen. Doch «Star Wars» ist nicht Marvel und dass die Fans nicht Lust haben, alle sechs Monate einen Film im Kino zu sehen, zeigte sich 2018. «Episode 8» war teilweise noch immer in einigen Sälen zu sehen, …

Artikel lesen
Link zum Artikel