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Drama mit sozialkritischem Inhalt? Dann braucht es eine Nahaufnahme, bei der die Augen mit dem Titel verdeckt werden!  Bild: Christophe Courtois

Internationale und Schweizer Poster

Nach diesem Artikel werden Sie Filmplakate mit völlig anderen Augen sehen



Sind Sie ein junger ambitionierter Grafiker? Dann empfiehlt es sich, einen grossen Bogen um die entsprechende Abteilung eines Filmstudios zu machen: Augenscheinlich kann man seiner Kreativität nirgendwo sonst derart wenig Lauf lassen.

Eigentlich gibt es nur eine knappe Handvoll origineller Filmposter – und die werden dann in alle Ewigkeit recycelt. 

Bestimmt kennen Sie das bereits. Zumindest unbewusst. Superhelden-Filmplakate sehen zum Beispiel immer wie folgt aus:

Der Held oder die Heldin steht vor dramatischer Wetterkulisse auf einer Dachkante über einer Stadt. Will heissen: Ein epischer Kampf zwischen Gut und Böse steht an!

Der französische Blogger Christophe Courtois hat hunderte Filmposters untersucht und sie nach Grafik-Genres unterteilt. Er illustriert, dass «einsamer Kämpfer» offenbar zwingend bedeutet, dass die Hauptfigur von hinten dargestellt ist:

Bei der Situation «Powerfrau in der Hauptrolle» muss die Dame offenbar zwangsläufig von hinten über die Schulter blickend gezeigt werden.

Ts, ts, ts: Wer den Körper einer Frau mehr betonen will, lässt den Kopf (auf einem Hals) kurzerhand einfach weg und zeigt eben nur noch den Körper.

Gilt auch für die Schweiz:

Klare Geschlechterrollen in Hollywood: «Schwarz-Weiss-Foto mit orange-rotem Flammenelement» steht zwingend für einen männlichen Actionfilm:

Hier die Gattung «grosser Schriftsatz über Foto» ...

Das gab's auch schon hierzulande.

Tom Cruise? Unbedingt im Profil!

Tiere + viel Blau = Natur-Dok-Film ...

... was ebenfalls für die Variante «Spielfilm über Tiere» gilt:

Genrewechsel! Hier das Modell «Hauptakteure stehen Rücken an Rücken» – sehr beliebt bei Rom Coms (romantic comedies) und bei Buddy-Movies:

Ebenfalls beliebt: die Parkbank.

Und: Ein Mann sieht rot. Bei einer Hauptdarstellerin. 

In der Spiegelung der Sonnenbrille findet die Handlung statt:

Das Auge, das Tor zur Seele. Oder so.

So richtig, richtig rote Lippen – das zieht immer!

«Grosse Gefühle, ergreifende Schicksale»? Dann bitte «grosse Köpfe über klitzekleinen Menschen»!

In der Schweizer Version wurden die kleinen Menschen durch Swiss-Flugzeuge ersetzt, das Prinzip bleibt aber dasselbe.

Wie wär's damit, ein Gesicht mal anders darzustellen?

Ha! Auch das gibt es in der hiesigen Filmszene!

Der erfolgreichste nationale Film aller Zeiten, «Die Schweizermacher» mit dem schönen roten Pass, ...

... steht in einer Filmposter-Tradition:

Die Variante knallgelb.

Jemand rennt um sein Leben  – mit Blaustich: Action-Thriller sind angesagt!

Blick durch Frauenbeine gefällig? Dieser alte Kalauer!

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Simon Tanner 24.11.2014 02:00
    Highlight Highlight Also... Noch viel viel schlimmer sind ja Wahlplakate von Politikern! Zudem möchte ich diese gar nicht sehen auf der Strasse wo die mich vom Verkehr ablenken und andere interessantere Dinge wie Hydranten oder Laternenpfähle überdecken!
  • Helmuth Soul 03.07.2014 14:41
    Highlight Highlight http://wellmedicated.com/inspiration/50-incredible-film-posters-from-poland/

    Und wieso sind die polnischen Filmplakate so komisch? Scheint bei Google sehr oft gefragt zu werden. Erster Hit beim eingeben von "Why are polish".... movie posters so weird
    • Jonas Ulrich 05.07.2014 14:47
      Highlight Highlight Polen hat eine reiche Tradition im Bereich Illustration und Grafik, welche vor allem in den 60ern und 70ern eine Blütezeit entwickelt zu haben scheint. Viele Künster wie Zdzislaw Beksiński oder Franciszek Starowieyski weisen dabei eine gewisse Nähe zum Surrealismus auf, während gerade bei den Filmpostern auch ein Einfluss der sovietischen Tradition spürbar ist (-> googeln "soviet movie posters"). Und natürlich haben sie sich einfach mehr getraut als die Werbefritzen in Hollywod!
    • movieart 09.07.2014 12:21
      Highlight Highlight Abgeschottet vom Westen entwickelte sich in Polen nach dem 2. Weltkrieg eine einzigartige Film-Plakat-Kultur. Der polnische Kunstmarkt war praktisch zusammengebrochen und so war für viele Künstler das Zeichnen und Gestalten von Plakaten eine der wenigen Möglichkeiten, in ihrem Beruf tätig zu sein. Plakate waren nicht mehr nur Werbeträger, sondern Kunst. Einerseits stützte der Staat die heimische Plakatproduktion, andererseits musste jederzeit mit einer Zensur gerechnet werden. Bei westlichen Filmen konnten sich die Künstler meist nur auf Filmtitel und spärliche Inhaltsangaben stützen. Fotomaterial war meist keines vorhanden oder wegen der fehlenden technischen Mittel nur bedingt verwendbar. Doch die Künstler machten aus der Not eine Tugend. Mit Farben und Symbolen wurden metaphorische Darstellungen geschaffen, welche vor allem die emotionalen Aspekte des Filmes erfassten. Bei www.movieart.ch in Zürich gibts eine wunderbare Sammlung an Original polnischen Filmplakaten.
    • Mati 09.05.2015 16:03
      Highlight Highlight Als Pole habe ich gerade etwas Neues über mein Heimatland gelernt. Sehr interessant, danke!
  • Christian Wolf 01.07.2014 08:03
    Highlight Highlight Die Zusammenstellung sieht toll aus und man kann sich ein Lächeln nicht verkneifen. Trotzdem sollte hier erwähnt sein, dass die Filmbranche eine riesige Marketingmaschinerie ist und ein Plakat hat noch weniger "Zeit", einen Zuschauer zu überzeugen. Nicht nur dass: Man muss sofort Genre erkennen und anhand dieser Plakat-"Philosophie" ist dies möglich.
  • Zeit_Genosse 01.07.2014 07:38
    Highlight Highlight Und jetzt sollte man noch die Profile der Kinogänger dieser Filme auf Ähnlichkeiten untersuchen und die Studie medial begleiten. Danach liessen sich Autoinserate farblich sortieren und auch aufteilen nach, Auto von links und Auto von rechts.
  • juba 01.07.2014 07:30
    Highlight Highlight google > bilder > foto ins suchfeld rüberziehen = ähnliche bilder....

Ranking: ALLE Bondfilme – von grottenschlecht bis hammergeil

Wir sagen euch, welches die besten – und die schlechtesten James-Bond-Streifen ever sind. Und da ihr wohl nicht gänzlich einverstanden sein werdet, gibt's ein Duell gleich dazu!

Der Trailer zum nächsten Bondfilm ist da! YAY!

«No Time to Die» soll im April 2020 in die Kinos kommen. Zeit genug, um über das bisherige 007-Opus zu sinnieren. Jenes nämlich ist inzwischen gehörig. «No Time to Die» ist der sage und schreibe 25. offizielle Bondfilm. Der erste, «Dr. No», flimmerte bereits 1962 über die Leinwände.

Dazu folgende Bemerkungen:

– Wir lassen die Filme, die nicht aus der offiziellen Produktionsstätte EON Films stammen, weg. Ergo den 1967er Klamauk «Casino Royale», ...

... …

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