Fitness
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The insoles of Kenya's Eliud Kipchoge's running shoes are seen slipping up to his ankles, after he crosses the finish line to win the men's 42nd Berlin marathon, in Berlin, Germany September 27, 2015. Kenyan favourite Kipchoge shrugged off mid-race footwear problems to win the Berlin marathon on Sunday with a personal best time of two hours, four minutes and one second but missed out on a world record by more than a minute. REUTERS/Hannibal Hanschke TPX IMAGES OF THE DAY

Hoppala! Da machen sich die Einlagen von Berlin-Marathon-Sieger Eliud Kipchoge selbstständig. Bild: HANNIBAL HANSCHKE/REUTERS

Nur ein Trend oder wirklich nützlich – was bringen Einlegesohlen für Laufschuhe?

Auf bequemen Sohlen läuft es sich besser, versprechen die Anbieter von trendigen Komforteinlagen. Ob sich das Tuning für den Laufschuh wirklich lohnt – der Check.

Jörg Römer / spiegel online



Ein Artikel von

Spiegel Online

Als Marathon-Favorit Eliud Kipchoge im September 2015 über den Asphalt des Berlin-Marathons zum Sieg lief, ragten bei dem Kenianer die Einlagen aus den Schuhen. Mit jedem Schritt rutschten die Innensohlen weiter heraus – eine Panne, die den Favoriten einen möglichen Weltrekord gekostet habe, hiess es später.

Üblicherweise sieht man Einlagen bei Spitzensportlern sonst nicht. Dabei wird das Tuning mit speziellen Socklinern, wie sie auch genannt werden, bei Läufern immer beliebter. Zumindest werben inzwischen viele Anbieter um die Läufergunst und wollen den Athleten motivieren, nach den Laufschuhen noch einmal Geld für separate Einlagen auszugeben.

Denn Komfort ist eines der wichtigsten Kriterien beim Kauf von Laufschuhen, das haben Untersuchungen gezeigt. Mit Einlegesohlen werden die Schuhe noch besser, sagen die Hersteller. Früher wurden sie oft aus Kork und Leder gefertigt, die harten Teile standen in der Läuferwelt nicht gerade für Laufdynamik und Spitzenleistungen.

Die Hersteller versprechen viel

Dieses Image wollen Hersteller wie Foot Active, Ironman, Sidas oder Currex, Boot Doc, oder Lunge Gomax nun ändern: Die Einlagen machen einen ähnlichen Wandel durch, wie es das Läuferaccessoire Kompressionsstrumpf vorgemacht hat – plötzlich ist es ein farbiges Trendteil, das nichts mehr mit Omas braunen Beinröhren gemeinsam hat, obwohl es nach demselben Prinzip funktioniert.

kompression strümpfe joggen

Die Kompressionsstrümpfe haben sich bereits durchgesetzt. Bild: shutterstock

Auch für andere Sportarten wie Radfahren, Skifahren oder Fussball gibt es Angebote. Die Preise reichen von etwa 20 Franken bis in den dreistelligen Bereich – etwa bei teuren Carbonsohlen im Radbereich. Doch was bringen die Teile?

Die Hersteller versprechen viel: Die Einlegesohlen sollen vor Verletzungen schützen, den Fuss bei der Kraftübertragung unterstützen, stabilisieren, Laufkomfort bieten oder die Muskulatur stimulieren und die Regenerationszeit verkürzen.

Krankhafte Fehlstellungen oder Verletzungen wie einen Fersensporn können und sollen die Einlagen aber nicht korrigieren, dafür werden Sohlen individuell vom Orthopädietechniker angefertigt. «Es gibt vielleicht fünf Prozent, die orthopädische Problem haben, das ist nicht unser Thema», sagt Sportwissenschaftler Björn Gustafsson, der Entwickler der Currex-Sohlen.

Zudem verweist er darauf, dass die neuen Sohlen deutlich flexibler seien als etwa die Kork-Leder-Produkte aus der Orthopädietechnik. «Nach einer Verletzung konnte ich mit solchen Teilen ganz schlecht laufen. Das war einer der Gründe, warum wir unsere Sohlen entwickelt haben», sagt der ehemalige Triathlon-Juniorenweltmeister.

Doch auch bei den Komfortsohlen gibt es unterschiedliche Konzepte: Einige Anbieter setzen auf Universalsysteme, andere bieten teilindividualisierte Lösungen an (Currex, Sidas, Boot Doc) – sie bestehen etwa aus verschiedenen Modellen, die je nach individuellem Fussgewölbe verwendet werden.

Wie läuft es sich mit den Sohlen?

bafuss wiese

Der Experte vergleicht den Effekt der Sohlen mit dem Barfussstand auf einem Betonboden und auf Gras. Bild: shutterstock

Der Fuss ist eine komplexe Konstruktion aus 28 Knochen, 31 Gelenken und 23 Muskeln. Doch wer schon einmal die serienmässig mitgelieferten Einlagen eines neuen Sportschuhs in der Hand hatte, ahnt: Viel Geld kann die labbrige Sohle nicht gekostet haben, eine anatomische Funktion steckt auch nicht drin – das könnte man sicher besser machen.

Da machen die Komforteinlagen einen anderen Eindruck: Wer sie in seine Laufschuh geschoben hat und mit dem Fuss hineingeschlüpft ist, stellt fest: Das fühlt sich gut an, wie der Fuss gebettet wird. Ein deutlicher Komfortgewinn. Auch auf den ersten Metern auf der Laufstrecke macht sich der Unterschied deutlich bemerkbar.

Mit steigender Kilometerzahl verfliegt aber zumindest der spürbare Effekt. Nach 20 Kilometern fühlen sich die Füsse zumindest subjektiv genauso erschöpft an wie mit Standardeinlagen.

Der Einfluss darf nicht überschätzt werden

Das berichtet auch Gert-Peter Brüggemann vom Institut für Biomechanik und Orthopädie der Sporthochschule Köln. Er hat zu solchen Komforteinlagen verschiedene Untersuchungen durchgeführt. «Die Sohle wird häufig als komfortabel empfunden – vor allem wenn die Schuhe gerade angezogen wurden. Sie vergrössern in der Regel die Kontaktfläche des Fusses zum Schuhboden und damit die Fläche zur Lastübernahme. Dadurch wird der gesamte Druck auf die Fusssohle möglicherweise reduziert, was wiederum als angenehm empfunden wird.»

Brüggemann vergleicht den Effekt der Sohlen mit dem Barfussstand auf einem Betonboden und auf Gras. «Dort passt sich das Gras dem Fuss besser an, vergrössert die Kontaktfläche und erhöht damit den Komfort», sagt er.

Allerdings darf der Einfluss der Sohlen generell nicht überschätzt werden. Die grösste Auswirkung hat die Mittelsohle des Laufschuhs selbst, dort steckt die Technologie drin. «Die Einlage hat gegenüber der Schuhsohle nur einen Minimaleffekt», so der Sportwissenschaftler. Schneller machen sie nicht, genau so wenig schützen sie vor Verletzungen. «Ein systematischer Effekt konnte zumindest bisher nicht nachgewiesen werden. Auch werden durch Einlagen beim Laufen keine Kraftspitzen reduziert.»

Am Ende geht es um den Komfort

Dennoch bewertet der Experte Herstellerkonzepte mit teilindividualisierten Lösungen für verschiedene Fussgewölbetypen positiv. Noch besser sind individuell der Fussform und Fusssteifigkeit angepasste Systeme – das hat natürlich seinen Preis.

«Die Komfortsteigerung ist eines der wichtigsten Argumente für die Sohlen – wir helfen den Leuten, sich besser zu fühlen», sagt Gustafsson. Und das ist gerade im Ausdauersport und besonders für Vielläufer etwas wert. Doch Komfort ist immer subjektiv: Deshalb sollten Sportler ausprobieren und nach und nach verschiedene Einlagen testen. Für eine Kaufentscheidung kann sich schon der Laufbandtest in einem gut ausgerüsteten Sportfachgeschäft lohnen.

Aber Vorsicht: Ohne fachkundige Beratung geht es nicht. Denn greifen Läufer zu den falschen Einlagen, kann es etwa zu Hüft- oder Knieproblemen beim Laufen kommen. Das liegt daran, dass dann die Motorik verändert wurde. In gewohnte Bewegungsabläufe sollte aber besser nicht eingegriffen werden, wenn keine Beschwerden bestehen.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
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    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 27.07.2016 08:35
    Highlight Highlight Hat man nicht wirklich Fehlfusstellungen, die durch einen Qualitätsschuh aufgefangen werden können, machen individuelle Einlagen, die angepasst werden müssen, Sinn. Aber nicht wegen dem Komfort, sondern um Belastungsprobleme zu lösen. Der Rest ist Marketing für Weicheier.

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