Frankreich
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epa04148803 (FILE) A file picture dated 29 January 2014 shows French then Interior Minister Manuel Valls gesturing as he leaves the weekly cabinet meeting at the Elysee Palace in Paris, France. French President Francois Hollande on 31 March 2014 appoints popular interior minister Manuel Valls as premier, replacing Jean-Marc Ayrault who resigned over the Socialists' losses in municipal elections.  EPA/IAN LANGSDON *** Local Caption *** 51201519

Manuel Valls: Frankreichs neuer Premier. Bild: EPA

Manuel Valls

Frankreichs neuer Premier ist der Sarkozy der Linken 



Er ist populär, fotogen und gilt als durchsetzungsstark: Manuel Valls soll als künftiger Premierminister Frankreichs Sozialisten nach der schweren Wahlschlappe bei den Gemeindewahlen aus dem Tal der Tränen führen.

Präsident Francois Hollande hievt mit dem jugendlich wirkenden 51-Jährigen einen Politiker-Typus auf den Chefsessel des Kabinetts, der den Franzosen bekannt vorkommen dürfte. Wie der frühere Staatschef Nicolas Sarkozy mit ungarischen Wurzeln hat auch der in Spanien geborene Valls einen Migrationshintergrund und gilt als extrem ehrgeizig.

Wie sein konservativer Widerpart hat er sich als Innenminister den Ruf als Hardliner erworben, der kompromisslos gegen Extremisten, Kleinkriminelle und Sans-Papiers vorgeht. Den Linken in seiner eigenen Partei gilt Valls daher als rotes Tuch, auch weil er die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik Hollandes mitträgt und selbst sozialistische Errungenschaften wie die 35-Stunden-Woche in Frage stellt. 

Kritiker haben sich damit auf den neuen Hoffnungsträger der Partei eingeschossen: Sie halten ihn für zu rechts und damit ungeeignet für die Aufgabe, die schwer angeschlagene Partei nach der Schlappe bei den Gemeindewahlen wieder aufzurichten. 

French Interior Minister Manuel Valls (L) and Former French President Nicolas Sarkozy (R) attend the French Ligue 1 soccer match between Paris Saint-Germain and Olympique Marseille at the Parc des Princes stadium in Paris, March 2, 2014. REUTERS/Philippe Wojazer (FRANCE - Tags: SPORT SOCCER)

Viele Parallelen? Manuel Valls und Ex-Präsident Nicolas Sarkozy (rechts). Bild: Reuters

Beste Umfragewerte

Dem politischen Senkrechtstarter dürfte aber zugutekommen, dass er regelmässig die besten Umfragewerte unter den französischen Politikern aufweist. Dabei hat der in Barcelona geborene Sohn eines spanischen Einwanderers erst im Alter von 19 Jahren die Staatsbürgerschaft der «Grande Nation» angenommen. 

Wie Sarkozy hat sich Valls seine politischen Sporen als Bürgermeister in einem Vorort von Paris erworben. Anders als der 2012 abgewählte konservative Staatspräsident amtierte er jedoch nicht in einem Rathaus eines schicken Villen-Viertels, sondern in Evry - einem der vielen tristen Wohnstädte rund um die französische Hauptstadt. 

Doch die Karrierewege ähneln sich: Auf den Bürgermeisterposten folgte später das Amt des Innenministers und dann der Sprung auf den Chefposten der Regierung. 

Schachzug Hollandes?

Auch im Privatleben gibt es Parallelen: Wie Sarkozy hat Valls vier Kinder und ist mit einer Musikerin verheiratet - der Geigerin Anne Gravoin. Ob hier die Parallelen enden, wird sich noch herausstellen. 

Nach Ansicht der Valls-Biografen Jacques Hennen und Gilles Verdez hegt Valls seit langem Ambitionen auf den Chefsessel im Elysée-Palast. Damit könnte er Hollande bei dessen für 2017 angestrebten Wiederwahl ins Gehege kommen. 

epa04148840 French President Francois Hollande gestures after he recorded a speech to be broadcast on French television at the Elysee Palace in Paris, France, 31 March 2014. French President Francois Hollande on 31 March 2014 appoints popular interior minister Manuel Valls as premier, replacing Jean-Marc Ayrault who resigned over the Socialists' losses in municipal elections.  EPA/PHILIPPE WOJAZER / POOL MAXPPP OUT

Präsident Hollande gibt die Ernennung von Valls als Premier bekannt. Bild: EPA/REUTERS

Manche Beobachter interpretieren die Personalentscheidung Hollandes daher als Schachzug, sich einen potenziellen Rivalen vom Hals zu halten, indem er ihn als Regierungschef in die Kabinettsdisziplin einbindet und den Mühen der politische Ebene aussetzt. 

Mit der unbequemen Reformpolitik hat Hollande bereits in nicht einmal zwei Amtsjahren einen Regierungschef «verschlissen»: Der stets sehr seriös, bedächtig und zurückhaltend auftretende Jean-Marc Ayrault musste seinen Hut nehmen, auch weil er als «oberster Verkäufer» der unpopulären Reformpolitik keinen durchschlagenden Erfolg hatte. 

Harte Kante gegen Hassprediger

Valls ist hingegen aus ganz anderem Holz geschnitzt: Als Innenminister liess er medienwirksam die Bereitschaftspolizei in Marseille ausrücken, um die in der Hafenstadt grassierende Bandenkriminalität einzudämmen.

Hart zeigt er sich auch gegen islamische Hass-Prediger. Und obwohl sich Valls von der harten Linie Sarkozys als Innenminister distanzierte, lässt er ähnlich kompromisslos Lager von eingewanderten Roma räumen. 

Valls ist wendig

Doch Valls gilt auch als wendig: in den sozialistischen Vorwahlen um die Präsidentschaftswahlen verlor er 2011 gegen Hollande, um sich wenig später auf dessen Seite zu schlagen. Als Hollandes Kommunikationschef galt er als einer der Väter des sozialistischen Wahlsiegs im Jahr 2012.

Dabei hatte es 2005 noch nicht so ausgesehen, als ob Hollande und Valls «ziemlich beste Freunde» werden würden. Vor dem Referendum über die EU-Verfassung hatte Hollande für ein Ja geworben, Valls hingegen das Lager der Nein-Sager unterstützt.

Mit der anstehenden Europawahl im Mai hat Valls nun die erste grosse Aufgabe vor sich: Es gilt, den Absturz der Sozialisten zu verhindern und den bei den Gemeindewahlen wieder erstarkten Rechtsextremen Front National auf Distanz zu halten. (tvr/sda/reu)

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