Frankreich
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epa06034737 French President Emmanuel Macron (L) casting his vote in the second round of the French legislative elections at the City Hall in Le Touquet, France, 18 June 2017. France holds the second round of parliamentary elections on 18 June 2017, just under two months after Emmanuel Macron took office as French President.  EPA/CHRISTOPHE ARCHAMBAULT / POOL MAXPPP OUT

Macron wählte am Sonntagmorgen im nordfranzösischen Badeort Le Touquet. Bild: EPA/AFP POOL

Franzosen bleiben Parlamentswahl massiv fern



In Frankreich hat am Sonntagmorgen die zweite Runde der Parlamentswahl begonnen. Dabei steuert der sozialliberale Staatschef Emmanuel Macron auf einen Triumph zu. Die letzten Wahllokale schliessen um 20.00 Uhr. Unmittelbar danach wird mit ersten Ergebnissen gerechnet.

Nach einem historischen Tief in der ersten Runde der französischen Parlamentswahl ist die Beteiligung im zweiten Wahlgang weiter abgesackt.

35,3 Prozent Wahlbeteiligung

Am frühen Sonntagabend zeichnete sich eine historisch niedrige Beteiligung ab. Bis um 17.00 Uhr gaben rund 35,3 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, wie das Innenministerium in Paris mitteilte. Das waren gut fünf Prozentpunkte weniger als in der ersten Runde vor einer Woche zur gleichen Uhrzeit und sogar elf Prozentpunkte weniger als bei der zweiten Runde der Parlamentswahl vor fünf Jahren.

Letzten Umfragen zufolge dürfte Macrons Partei La République en Marche zusammen mit der verbündeten Zentrumspartei MoDem mehr als 400 der 577 Abgeordnetenmandate gewinnen. Das liegt weit über den für eine absolute Mehrheit notwendigen 289 Sitzen. Zwei Institute hielten sogar bis zu 470 Sitze für möglich. Alles deutet somit darauf hin, dass Frankreichs Präsident Macron einen Triumph einfährt, der einen bitteren Beigeschmack hat.

Geringe Wahlbeteiligung

Mit einer absoluten Mehrheit hätte Macron freie Fahrt für seinen Reformkurs, mit der er der französischen Wirtschaft neuen Schwung verschaffen will. Der vor einem Monat gewählte Staatschef plant unter anderem im Kampf gegen die hohe Arbeitslosigkeit eine umstrittene Lockerung des Arbeitsrechts.

Bereits in der ersten Wahlrunde vor einer Woche hatte sich ein haushoher Sieg für Macron abgezeichnet. Getrübt wurde das starke Votum für ihn allerdings durch eine geringe Wahlbeteiligung. Sie lag bei knapp 49 Prozent und dürfte in der Stichwahl Erhebungen zufolge noch um einige Punkte abrutschen.

Schlappe für etablierte Parteien erwartet

Die etablierten Parteien werden nun vermutlich eine erneute Schlappe kassieren. Die Republikaner könnten laut einer Berechnung des Instituts Harris Interactive auf 60 bis 80 Sitze kommen. Allerdings gibt es in ihren Reihen verschiedene Lager: Manche stehen einer Zusammenarbeit mit Macron offen, während andere auf eine klare Abgrenzung setzen.

Die Sozialisten von Macrons Vorgänger François Hollande waren schon im ersten Wahlgang dramatisch abgestürzt. Umfrageinstitute sahen die moderate Linke und die Grünen zuletzt zusammen bei höchstens 35 Sitzen. Unklar ist noch, ob die radikale Linke um Jean-Luc Mélenchon eine Fraktion bilden kann. Dazu sind 15 Abgeordnete nötig.

Der Front National von Rechtspopulistin Marine Le Pen dürfte laut Meinungsforschern weiterhin keine grosse Rolle im Parlament spielen - allerdings hat Le Pen selbst Chancen, in ihrem Wahlkreis in Nordfrankreich erstmals in die Nationalversammlung gewählt zu werden.

Wahlrecht benachteiligt Kleine

Im zweiten Wahlgang treten in den 577 Wahlkreisen jeweils die beiden Bestplatzierten der ersten Runde gegeneinander an. Anders als im ersten Wahlgang reicht jetzt eine relative Mehrheit für einen Sieg. Das reine Mehrheitswahlrecht macht es für kleine Parteien schwer, Mandate zu gewinnen.

Nur vier Sitze wurden bereits in der ersten Runde vor einer Woche vergeben, im Rest der Wahlkreise waren Stichwahlen nötig. In mehreren französischen Überseegebieten wurde wegen der Zeitverschiebung bereits am Samstag gewählt.

Rund 50'000 Polizisten sollen die Abstimmung schützen. Nach einer Reihe von Terroranschlägen in den vergangenen Jahren gilt in Frankreich weiterhin der Ausnahmezustand. (sda/dpa/afp/reu)

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