Gesellschaft & Politik
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
People pray at the graves of the victims of mine accident in Soma, Turkey, Saturday, May 17, 2014. Turkey's Energy Minister Taner Yildiz said Saturday that crews had found more bodies overnight, raising the death toll to 301. An explosion and fire at a coal mine in Soma, some 250 kilometers (155 miles) south of Istanbul, killed hundreds of workers in one of the worst mining disasters in Turkish history. (AP Photo/Emre Tazegul)

Trauer um die Opfer des Grubenunglücks in Soma. Bild: AP

Grubenunglück in der Türkei

Suche nach Opfern in Soma beendet – 301 Tote geborgen



Vier Tage nach dem Grubenunglück in Soma hat die türkische Regierung die Suche nach Opfern für beendet erklärt. Die Leichen der letzten beiden Vermissten wurden an die Oberfläche gebracht.

«Es gibt keine Vermissten mehr», sagte Energieminister Taner Yildiz am Samstagabend. Die Zahl der Toten liege bei 301. 485 Kumpel hätten die Katastrophe vom Dienstag überlebt. Die Suche nach Überlebenden sei «ein Rennen gegen die Zeit» gewesen, so Yildiz.

Den Angehörigen der Opfer sagte er Hilfe zu. Die Ursache des Unglücks werde weiter untersucht. Das Grubenunglück ist das schwerste in der Geschichte der Türkei und das schwerste weltweit seit fast 40 Jahren.

Aufruf zu Protesten in Istanbul

Das Grubenunglück hat wütende Proteste gegen die Regierung ausgelöst, welcher Kritiker eine Mitschuld an der Katastrophe geben. Nach den Zusammenstössen zwischen Demonstranten und der Polizei am Freitag in Soma dauerten die Spannungen dort am Samstag an.

Anti-government protesters rally near the monument for the town's miners in Soma, Turkey where the mine accident took place, Friday, May 16, 2014. Hundreds of protesters took part in the march against the government and there were clashes with the police forces. An explosion and fire at a coal mine in Soma, some 250 kilometers (155 miles) south of Istanbul, killed hundreds of workers, authorities said, in one of the worst mining disasters in Turkish history. (AP Photo/Lefteris Pitarakis)

Auch am Samstag kam es in Soma zu Demonstrationen. Bild: AP

Augenzeugen berichteten, zwischen 50 und 100 Menschen hätten sich geweigert, Aufforderungen der Polizei Folge zu leisten und ihre Versammlung aufzulösen. Nach einem Wortgefecht hätten Polizisten einige Menschen geschlagen und mehrere festgenommen. Am Freitag war die Polizei mit Wasserwerfern, Tränengas und Gummigeschossen gegen Demonstranten vorgegangen.

Regierungsgegner riefen für Samstagabend in Istanbul zu Protesten auf. Auch in der Millionenmetropole sowie in Izmir kam es zu Zusammenstössen. Demonstranten forderten den Rücktritt der Regierung. Ihr wird unter anderem vorgeworfen, schärfere Sicherheitskontrollen verhindert zu haben.

Ohrfeige von Erdogan?

Für zusätzliche Brisanz sorgten Vorwürfe, Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan habe bei einem Besuch in Soma am Mittwoch einen Mann geohrfeigt, der ihn ausgebuht habe.

Das von Regierungskritikern als Beleg für den Vorfall gewertete Video ist in der entscheidenden Sequenz allerdings so verwackelt, dass Erdogans Verhalten nicht klar zu erkennen ist. Erdogans Partei AKP wies die Vorwürfe zurück.

Erdogan war bei seinem Besuch in Soma am Mittwoch von einer Menschenmenge ausgebuht und ausgepfiffen worden. Der Ministerpräsident hatte unter anderem die schlechte Sicherheitsbilanz der Kohlebergwerke in der Türkei heruntergespielt und gesagt: «Solche Unfälle passieren ständig.»

Für Empörung hatte auch Erdogan-Berater Yusuf Yerkel gesorgt, der bei dem Besuch auf einen am Boden liegenden Demonstranten eintrat.

US-Präsident Barack Obama bot der Türkei Hilfe an. In einem Telefonat mit dem türkischen Präsidenten Abdullah Gül drückte Obama sein Beileid aus. Welche Hilfe genau er dem Land zukommen lassen wollte, blieb in einer Mitteilung des Weissen Hauses zunächst unklar. (pbl/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Bosniens Flüchtlingsmisere: Hat Europas Politik versagt?

Die Lage für Hunderte Migranten und Flüchtlinge im Nordwesten Bosniens wird immer unhaltbarer. In improvisierten Behausungen campieren sie vor dem abgebrannten Camp Lipa, 25 Kilometer südöstlich der Stadt Bihac. Drinnen, im Camp, errichteten Soldaten der bosnischen Armee die ersten Militärzelte. Bezugsfertig waren sie am Sonntagmittag nicht, der Anschluss an Strom und Wasser und die Beheizung waren nicht gewährleistet.

Das bosnische Rote Kreuz und internationale Hilfsorganisationen wie SOS …

Artikel lesen
Link zum Artikel