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Atlantis-Baustelle
quelle: unia / unia
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Hotel Atlantis

Ungarische Arbeiter bauen Luxus-Hotel in Zürich zu Dumping-Löhnen

Am Mittwochmorgen liess die Unia die Baustelle des Hotel Atlantis in Zürich für zwei Stunden sperren. Gemäss der Gewerkschaft handelt es sich um einen typischen Fall von Lohn-Dumping. 



Die bewegte Geschichte des Hotel Atlantis ist seit heute um ein Kapitel reicher. Auf der Baustelle des 1970 eröffneten und später eingegangenen 5-Sterne-Hotels schuften Ungarn gemäss der Gewerkschaft Unia bis zu 60 Stunden pro Woche zu Löhnen zwischen 3000 und 3500 Franken im Monat. Die Atlantis AG, die dem Emir von Katar gehört, will dem Zürcher Luxus-Hotel mit einem Aus- und Umbau bis im Sommer neues Leben einhauchen. Die Arbeitsbedingungen der Bauarbeiter sind aber alles andere als luxuriös. 

«Es handelt sich bei der Atlantis-Baustelle leider um einen typischen Fall vom Lohndumping», sagt Unia-Sprecher Lorenz Keller gegenüber watson. «Um konkretere Daten aufzunehmen, sind wir heute um 6 Uhr morgens bei der Baustelle eingefahren», bestätigt er eine Meldung von 20 Minuten. Dabei bestätigte sich: Ein Subunternehmen trickst. Die meisten Fachleute werden vertraglich als Hilfsarbeiter eingestuft. Damit berücksichtigt das betroffene Schweizer Subunternehmen zwar den geltenden Gesamtarbeitsvertrag, kann aber dennoch die Löhne drücken.

«In vielen Fällen weiss nicht einmal der Arbeiter, von wem er genau angestellt ist»

Das ist aber noch nicht alles. Bei den Betroffenen handelt es sich vorwiegend um Ungarn, die teilweise zwischen 50 und 60 Stunden pro Woche schuften, aber nur 40 Stunden ausbezahlt erhalten. An den meisten Samstagen wird ohne Zuschläge durchgearbeitet. Auch in anderen Bereichen gibt es gemäss Unia-Sprecher Keller Ungereimtheiten: Bei der Ausbezahlung von Spesen, Abzügen für die Unterbringung und den Kinderzulagen. 

Verantwortlich für die Vergabe der Aufträge an Subunternehmen ist die Generalbauunternehmung Priora. Sie will die Unia in die Pflicht nehmen: «Es ist wichtig, dass Priora die Verantwortung übernimmt. Solche Lohn-Dumping-Konstrukte sind darauf ausgelegt, undurchsichtig zu sein. In vielen Fällen weiss nicht einmal der Arbeiter, von wem er genau angestellt ist», sagt Keller. Er hat die Priora schriftlich dazu aufgefordert, mit der Unia Kontakt aufzunehmen. 

Bei der Priora hat man von dem Vorfall Kenntnis genommen: «Wir sind daran, den Verdacht zu prüfen und werden mit der Unia Kontakt aufnehmen», sagt Sprecherin Claudia Aepli auf Anfrage.

Das Hotel Atlantis wurde 2004 geschlossen. Dazwischen bewohnten zunächst Studenten, dann Asylbewerber das leer stehende Hotel. Nun will es die Atlantis AG wieder eröffnen. (rar)

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