Gesellschaft & Politik
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epa04098849 (FILE) A file picture dated 10 Februatry  2014 shows a masked Kenyan supporter of the LGBT community holds a condom as he joins others in protest against Uganda's anti-gay bill in front of the Ugandan High Commission in Nairobi, Kenya. Uganda’s President Yoweri Museveni signed into law on 24 February 2014 anti-gay legislation that allows homosexuals to be punished with up to life in prison. The law has come under strong criticism abroad, with US President Barack Obama warning that it could 'complicate' Uganda’s relations with one of its biggest aid donors.  EPA/DAI KUROKAWA *** Local Caption *** 51221749

Anhänger der LGBT-Community protestieren gegen Ugandas Anti-Homosexuellen Gesetz. Bild: EPA/EPA FILE

«Top-Homo»-Listen kursieren

Öffentliche Hetzjagd auf Homosexuelle in Uganda

Seit Präsident Yoweri Museveni vor einer Woche ein neues Gesetz gegen Schwule und Lesben verabschiedet hat, herrscht in Uganda eine regelrechte Jagd auf Homosexuelle. Betroffene werden öffentlich vorgeführt und gedemütigt. 



Homosexuelle hatten in Uganda noch nie ein leichtes Leben. Illegal ist gleichgeschlechtlicher Sex dort bereits seit der Kolonialzeit. Aber was sich in dem ostafrikanischen Land abspielt, seit Präsident Yoweri Museveni vor einer Woche ein neues Gesetz gegen Schwule und Lesben verabschiedet hat, gleicht einer Hexenjagd in Zeiten der Inquisition. 

Betroffene werden nicht nur bedroht und diskriminiert, sondern öffentlich vorgeführt und wie Schwerkriminelle behandelt. «Ich werde seither belästigt und beschimpft, und auch meine Freunde wurden schon von der Polizei und von Bürgern verfolgt», sagt der Aktivist Sam Ganafa.

Zeitung veröffentlicht Liste mit Ugandas «Top-Homos»

Mehrere Boulevardzeitungen hatten zuvor die Namen von «bekannten Homosexuellen» veröffentlicht. Das Blatt «The Red Pepper» titelte: «Enttarnt! Die Namen von Ugandas 200 Top-Homos» und schreckte auch nicht davor zurück, Fotos zu publizieren. 

«Hausbesitzer werden mittlerweile schon dazu aufgefordert, ‹Verdächtige› aus ihren Wohnungen zu werfen.»

Aktivist Julian Pepe Onziema

«Seither nehmen die Menschen in Uganda das Gesetz selbst in die Hand und attackieren mögliche Schwule in allen grösseren Städten des Landes», sagt der Aktivist Julian Pepe Onziema, der sich bei der Organisation «Sexuelle Minderheiten Uganda» engagiert. «Hausbesitzer werden mittlerweile schon dazu aufgefordert, ‹Verdächtige› aus ihren Wohnungen zu werfen.» Auch hätten drei seiner Bekannten bereits ihre Jobs verloren, während andere offen bedroht würden. «Viele halten sich versteckt und haben ihre Telefonnummern geändert.» 

epa04087523 (FILE) A file photograph dated 09 November 2008 showing Zimbabwean President Robert Mugabe attending the Southern African Development Community (SADC) Extraordinary Summit of Heads of State and Government at the Sandton Convention Centre in Johannesburg, South Africa. President Mugabe will turn 90 on 21 February 2014.  EPA/JON HRUSA *** Local Caption *** 00000401545752

«Benutzt Eure Organe anständig!», ruft der greise Robert Mugabe seinen Anhängern zu.  Bild: EPA/EPA FILE

 «Benutzt Eure Organe anständig!»

Schwerste Diskriminierung von homosexuellen Menschen ist kein ugandisches Phänomen. In den meisten der 54 afrikanischen Länder ist gleichgeschlechtlicher Sex verboten.

Der greise Robert Mugabe, der Simbabwe seit 35 Jahren mit eiserner Hand führt, wetterte kürzlich bei einer Feier zu seinem 90. Geburtstag: «Wir wurden geschaffen als Männer und Frauen, so dass wir Kinder haben können.» Tausenden Anhängern rief er zu: «Benutzt Eure Organe anständig!» 

Bis zu 14 Jahre Haft für gleichgeschlechtlichen Ehevertrag

Jedoch gibt es nur in wenigen Staaten solch drakonische Strafen wie in Uganda, dem kleinen Land am Victoriasee. Nur das westafrikanische Nigeria – das bevölkerungsreichste Land des Kontinents – hatte im Januar ähnlich scharfe Regelungen eingeführt.

Demnach können Nigerianer, die «einen gleichgeschlechtlichen Ehevertrag oder eine eingetragene Partnerschaft eingehen», zu 14 Jahren Haft verurteilt werden. Wer hingegen «seine Liebesbeziehung zu einem Menschen des gleichen Geschlechts direkt oder indirekt öffentlich zeigt», könnte bis zu zehn Jahre im Gefängnis verbringen. 

Bürger denunzieren willkürlich Verdächtige

In Uganda droht Homosexuellen bei gleichgeschlechtlichem Sex mit einem Minderjährigen oder einem HIV-positiven Partner ab sofort gar eine lebenslange Gefängnisstrafe. Wer Homosexuelle unterstützt oder homosexuelles Verhalten von Freunden und Bekannten nicht anzeigt, riskiert ebenfalls ein Gerichtsverfahren. 

«Manche Leute rufen jetzt einfach die Polizei an und fordern die Ordnungskräfte auf, Verdächtige festzunehmen, obwohl diese gar nicht homosexuell sind.»

Aktivist Julian Pepe Onziema

Mit dieser Klausel hat Museveni Denunzierungen und haltlosen Anschuldigungen Tür und Tor geöffnet. «Manche Leute rufen jetzt einfach die Polizei an und fordern die Ordnungskräfte auf, Verdächtige festzunehmen, obwohl diese gar nicht homosexuell sind», sagt Pepe Onziema. «Immer mehr Menschen fliehen aus Angst in die Nachbarländer.»

Skandinavien setzt Hilfsgelder für Uganda aus

Viele westliche Staaten hatten versucht, Druck auf Museveni auszuüben, um ihn von dem Erlass abzubringen – vergeblich. Immerhin gab es prompt Reaktionen: Norwegen, Dänemark und Schweden setzten ihre Hilfsgelder für Uganda aus, und die Weltbank legte ein 90 Millionen Dollar schweres Darlehen für ein Gesundheitsprogramm auf Eis. 

Auch US-Präsident Barack Obama warnte, dass das Gesetz die Beziehungen beider Länder erschweren könnte. Ein Grossteil der rund 35 Millionen Einwohner aber unterstützt das Gesetz. Sie glauben, dass Jugendliche «rekrutiert» werden, «um sie zu Homosexuellen zu machen», wie es Präsident Museveni jüngst ausdrückte. Er wolle die Kultur seines Landes verteidigen, sagte er. 

«Museveni hat das zu Recht unterzeichnet», meint auch der 59-jährige Sam Ssemmere aus Kampala. «Normalerweise denken wir ja, dass Menschen aus dem Westen weiter entwickelt sind und zivilisierter leben als wir Afrikaner. Aber wenn ich höre, dass sie Homosexuelle unterstützen, dann finde ich die Weissen einfach nur dumm.» (rar/sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • saukaibli 06.03.2014 14:09
    Highlight Highlight Moderne Hexenverbrennung nennt man das wohl. Obwohl ich eigentlich ein Freund Afrikas bin, muss ich leider feststellen, dass viele Menschen dort noch im tiefsten Mittelalter leben. Mangel an Bildung und Information führten bereits in Europa zur Verfolgung von Hexen, Juden und sonstigen Minderheiten, mit ähnlich dummen Argumenten wie jetzt in Uganda. Verschlimmernd dazu kommt noch, dass die Religionen dort leider noch über viel zu grossen Einfluss verfügen.

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