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Gesellschaft & Politik
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Writer Zoe Jenny at the hotel

Fühlte sich den Behörden ausgeliefert: Zoë Jenny (Archiv). Bild: KEYSTONE

Kritik an die KESB

Bestsellerautorin Zoë Jenny: «Die KESB hat viel zu viel Spielraum» 

Mit ihrem Debüt «Das Blütenstaubzimmer» über die Erlebnisse als Scheidungskind erlangte sie Berühmtheit. Nun bläst Zoë Jenny zum ausserliterarischen Kampf gegen Sozialbehörden.

Daniel Fuchs / aargauer zeitung



Ein Artikel der

Wer mit Zoë Jenny über den Kindsdoppelmord von Flaach ZH spricht, hört ihr den Zorn und die Trauer an. Für die Basler Schriftstellerin («Das Blütenstaubzimmer», «Der Ruf des Muschelhorns») und 40-jährige Mutter eines Mädchens ist klar, wer die Schuld an der Tragödie vom Neujahrstag trägt: die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB). «Hätte man diese Mutter mit ihren Kindern in Ruhe gelassen, sie würden jetzt noch leben», sagte sie zur «Schweiz am Sonntag». 

Tatsächlich aber ist noch ungeklärt, weshalb die beiden 2- und 5-jährigen Kinder der 27-jährigen Frau sterben mussten. Für Zoë Jenny ist indes klar: Die Machenschaften der KESB haben die Mutter so weit ins Elend stürzen lassen, dass diese keinen anderen Ausweg mehr sah, als den Leben ihrer Kinder und sich selber ein Ende zu setzen. Denn: «Kinder nimmt man nicht einfach so einer Mutter weg. Sie sind etwas Existenzielles», sagt Jenny zur «Nordwestschweiz». Was eine Mutter allerdings dazu bringen kann, zur Tat zu Schreiten und die Existenz ein für alle mal eigenhändig auszulöschen, darauf hat auch Zoë Jenny keine Antwort. 

Der Streit um die eigene Tochter 

Jennys Kampf gegen die KESB währt schon länger und hat nun einen Höhepunkt erreicht. In zwei Artikeln, die sie zuerst unter Pseudonym verfasste, teilte sie ihre Erlebnisse diesen Herbst mit den Lesern der «Weltwoche». Ihre Botschaft: Mit der Professionalisierung der Vormundschaftsbehörden vor zwei Jahren wurde längst nicht alles besser. Im Gegenteil: Jenny selber fühlt sich als Opfer der KESB, wurde sie doch zu einem Gespräch aufgeboten. 

Für ihr Empfinden glich dieses jedoch mehr einem Kreuzverhör, bei dem ihr die Sozialarbeiter kaugummikauend die Tochter für Wochenendbesuche streitig machten. Auf Initiative ihres Ex-Mannes hin. Zoë Jennys Eindruck: Die Behörde kümmerte sich um ein Luxusproblem, eingefädelt von einem reichen Vater, der in der Südsee das Leben genoss, während sie das «reale soziale Elend» aus Bequemlichkeit ruhen liess. 

Die Bilder aus ihrer Kindheit 

Zoë Jenny selber ist Scheidungskind. Sie wuchs bei ihrem Vater auf, dem Basler Buchhändler und Autoren Matthyas Jenny. «Mein Vater war einer der Ersten, der seine Kinder alleine aufzog. Bei uns ging es zum Teil chaotisch zu und her. Das war unkonventionell und vielleicht etwas unschweizerisch. Aber es war gut so», sagt Jenny. Hausbesuche der Vormundschaftsbehörde, die 2013 von der KESB abgelöst worden ist, kennt sie aus eigener Erfahrung. Ihre Erlebnisse hat Jenny in ihrem ersten Buch «Das Blütenstaubzimmer» verarbeitet, das sie 1997 zur gefeierten Star-Autorin machte. 

Und heute? An vergangene literarische Erfolge konnte Zoë Jenny bislang nicht anknüpfen. Aus der Schriftstellerin wurde eine engagierte Verfechterin des Kindswohls. Sie ist überzeugt, eine KESB hätte schon damals eingegriffen und sie und ihren Bruder ins Heim gesteckt. «Die KESB hat viel zu viel Spielraum, sich ins Leben der Menschen einzumischen», sagt Jenny. 

«Das gibt es sonst nur in totalitären Staaten. Das ist eine Schande für die Schweiz.» 

Zoë Jenny

In Flaach durften die Kinder über Weihnachten zu ihrer Mutter nach Hause. Für Zoë Jenny der Gipfel der Ignoranz: «Wären die Kinder wirklich gefährdet gewesen, so hätten sie über die Festtage nicht zu ihrer Mutter zurückgehen dürfen», sagt sie. Für Jenny ist klar: Erst das Eingreifen der KESB hat überhaupt zur Tragödie geführt. 

Befindet sich Zoë Jenny auf einem Kreuzzug gegen die KESB? Eine angekündigte Volksinitiative liegt auf Eis. Die Politiker sollen handeln. Laut eigenen Angaben hat Zoë Jenny über ihre eigens für den Kampf gegen die KESB eingerichtete Website 800 Zuschriften Betroffener erhalten. Alle fühlten sie sich von der KESB schikaniert und verfolgt. «Was in Flaach geschehen ist, hat mich nicht erstaunt. Bei all den Zuschriften befürchte ich weitere Tragödien», sagt sie. 

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