Gesellschaft & Politik
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Flüchtlingsstrom

Über den Grenzzaun nach Melilla – 500 Afrikaner stürmen spanische Exklave in Marokko 

Laut den spanischen Behörden warten in Marokko und Mauretanien etwa 80'000 Afrikaner, auf eine Gelegenheit nach Spanien zu gelangen.  Bild: KEYSTONE

Fast täglich versuchen Afrikaner, die Grenzanlagen der spanischen Stadt Melilla zu überwinden. Die Exklave erlebte in den letzten Tagen den grössten Ansturm von Flüchtlingen seit fast zehn Jahren.



Beim grössten Massenansturm auf Melilla sind etwa 500 afrikanische Flüchtlinge in die spanische Nordafrika-Exklave gelangt. Nach Schätzungen der Behörden hatten insgesamt 1'000 Afrikaner am Dienstag versucht, von Marokko die Grenzanlagen zu überwinden. Die Flüchtlinge nutzten den dichten Nebel, der über der Stadt an der nordafrikanischen Mittelmeerküste lag und den Polizeibeamten auf beiden Seiten der Grenze die Sicht nahm.

Die Story in Bildern

Nach dem Erreichen spanischen Gebiets zogen die – überwiegend aus Mali stammenden – Afrikaner mit Triumphgesängen zum Aufnahmelager.    Bild: KEYSTONE

In den ersten zweieinhalb Monaten dieses Jahres überwanden mehr als 1'000 Flüchtlinge aus Ländern südlich der Sahara die Grenzzäune von Melilla. Bild: KEYSTONE

Die an Marokko grenzenden spanischen Mittelmeer-Exklaven Melilla und Ceuta erleben seit Wochen Massenanstürme, nachdem Spaniens Regierung ihren Sicherheitskräften den Einsatz von Gummigeschossen verboten hatte. Bild: KEYSTONE

Bei der mehrfach versuchten Stürmung der Grenzanlage seien seit Montag 30 Menschen verletzt und mehr als 250 Migranten festgenommen worden, teilte das marokkanische Innenministerium mit.  Bild: KEYSTONE

Spanischen Medienberichten zufolge handelte es sich um den grössten Ansturm von afrikanischen Flüchtlingen seit mehreren Jahren. Bild: KEYSTONE

Offiziellen Angaben zufolge mussten 28 Flüchtlinge anschliessend wegen Verletzungen behandelt werden, die sie vom Stacheldraht davongetragen hatten.  Bild: KEYSTONE

Das für weniger als 500 Flüchtlinge angelegte Camp beherbergt nach Angaben der Behörden nun etwa 1900 Menschen.  Bild: KEYSTONE

Bei der mehrfach versuchten Stürmung der Grenzanlage seien seit Montag 30 Menschen verletzt und mehr als 250 Migranten festgenommen worden, teilte das marokkanische Innenministerium mit. Bild: KEYSTONE

Kampf gegen illegale Immigration

Nach dem jüngsten Ansturm kündigte Madrid eine Verstärkung der Polizeikräfte in Melilla an. Innenminister Jorge Fernández Díaz forderte die EU auf, sich verstärkt am Kampf gegen die illegale Immigration zu beteiligen. Spanien könne das Problem, das auf die grossen Unterschiede im Lebensstandard zwischen Afrika und Europa zurückgehe, nicht allein bewältigen.

Nach Informationen des Ministers warten in Marokko und Mauretanien etwa 80'000 Afrikaner auf eine Gelegenheit, nach Spanien zu gelangen. Hilfsorganisationen bezeichneten diese Zahl als übertrieben.

Der Präfekt von Melilla, Abdelmalik El Barkani, hielt den Flüchtlingen vor, sehr gewaltsam gegen die Grenzbeamten vorgegangen zu sein. Auf beiden Seiten der Grenze habe es Verletzte gegeben. Etwa 30 Flüchtlinge wurden vom Roten Kreuz wegen Schnittverletzungen behandelt, die sie beim Überklettern der Grenzzäune erlitten hatten.

«Das kann nicht so weitergehen»

Grösster Ansturm 2005

Der bislang grösste Flüchtlingsansturm auf Melilla war im Oktober 2005 registriert worden. Damals waren 350 Afrikaner in die Stadt gelangt. Spanien liess damals die Befestigungen an der Grenze zu Marokko ausbauen und die Grenzzäune erhöhen. (sza)

Nach dem Erreichen spanischen Gebiets zogen die – überwiegend aus Mali stammenden – Afrikaner mit Triumphgesängen zum Aufnahmelager. Das für weniger als 500 Flüchtlinge angelegte Camp beherbergt nach Angaben der Behörden nun etwa 1900 Menschen. Zur Unterbringung der Neuankömmlinge wurden Zelte aufgestellt.

«Das kann nicht so weitergehen», sagte der Chef der Stadtregierung von Melilla, Juan José Imbroda. Es müssen drastische Entscheidungen getroffen werden. Beim Anblick der einströmenden Afrikaner hatte man den Eindruck, eine Armee ziehe in die Stadt ein.»

Die Massenanstürme auf die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla hatten in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. In den ersten zweieinhalb Monaten dieses Jahres überwanden mehr als 1000 Flüchtlinge aus Ländern südlich der Sahara die Grenzzäune von Melilla. Das sind nach Erhebungen der Zeitung «El País» etwa ebenso viele wie im gesamten Jahr 2013. (sza/sda)

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