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Iranian President Hassan Rouhani speaks during a panel session on the second day of the 44th Annual Meeting of the World Economic Forum, WEF, in Davos, Switzerland, Thursday, January 23, 2014. The overarching theme of the Meeting, which take place from 22 to 25 January, is

Hassan Ruhani am Rednerpult in Davos. Bild: KEYSTONE

Irans Präsident am WEF

Ruhani will «gesunde Beziehungen mit der ganzen Welt»

Der iranische Präsident Hassan Ruhani hat am WEF eine viel beachtete Rede gehalten. Er sprach sich für ein besseres Verhältnis zum Westen aus - auch zum Erzfeind USA.



Irans Präsident Hassan Ruhani glaubt nach einem vorläufigen Abkommen über das iranische Atomprogramm an eine Verbesserung des Verhältnisses zum Westen. Der Staatschef stellte am WEF in Davos aber auch Forderungen an die europäischen Mächte und die USA.

«Nach zehn Jahren des Hin- und Her» habe der Westen auf aus iranischer Sicht «unlogische» Forderungen verzichtet. Die Beziehungen zu Europa würden sich verbessern. «Auch die Beziehungen zu den USA sind in eine neue Phase getreten», sagte Ruhani. Er bezeichnete dies als eine wichtige Entwicklung seit der islamischen Revolution Ende der 70er Jahre. Die US-Amerikaner müssten aber die «Realität des Iran» nicht nur in Worten, sondern auch in Taten berücksichtigen.

Als ein Signal der Entspannung sei auch die Wiedereröffnung der US-Botschaft in Teheran nach mehr als 30 Jahren nicht ausgeschlossen, erklärte Ruhani am Mittwoch in einem Interview mit dem Westschweizer Fernsehen RTS.

«Ich bin hergekommen, um die Botschaft meines Volkes zu überbringen: Freundschaft, Zusammenarbeit und Koexistenz», sagte Ruhani am Donnerstagmorgen in Davos. Vorsichtige Mässigung, eine Lehre aus dem Islam, sei «ein wichtiges Merkmal der iranischen Menschen und ein Geheimnis ihres Erfolgs». 

Syrien in einer «furchtbaren Katastrophe»

Alle Länder, die Iran anerkannten, würden als mögliche Partner gesehen, sagte Ruhani. «Wir wollen gesunde Beziehungen mit der ganzen Welt».   Iran werde aber auch eine aktive Aussenpolitik betreiben, auch um wirtschaftliche Ziele zu erreichen. Er wolle mit allen Nachbarländern Kontakt aufzunehmen. Einen direkten Kommentar über den Erzfeind Israel machte Ruhani nicht.

«Die beste Lösung ist es, freie Wahlen in Syrien zu organisieren.»

Hassan Ruhani zur Krise in Syrien

Zu seinem Programm gehörten auch die Unterstützung der Palästinenser und eine Beendigung der Krise in Syrien. «Syrien ist seit einiger Zeit in einer furchtbaren Katastrophe», sagte Ruhani. Er bezeichnete einen Teil der Kämpfer als «Terroristen», wie es auch das syrische Regime tut. Der Iran steht Präsident Baschar al-Assad traditionell nahe. «Die beste Lösung ist es, freie Wahlen in Syrien zu organisieren», sagte Ruhani. 

Iran als grosse Volkswirtschaft 

Mit Ruhani kam seit rund einem Jahrzehnt zum ersten Mal ein hoher iranischer Politiker ans WEF. Im Publikum sassen zahlreiche Besucher aus Israel. Ruhani will am WEF auch Wirtschaftskontakte knüpfen, zumal der Fortgang der Atomgespräche Hoffnungen auf eine Lockerung der gegen das Land verhängen Sanktionen nährt.

Mit dem Abkommen vom vergangenen November verpflichtete sich Iran, sein Atomprogramm für vorerst sechs Monate herunterzufahren und UNO-Kontrollen zuzulassen. Im Gegenzug wurde Teheran versprochen, einige Sanktionen auszusetzen und keine neuen zu verhängen.

Der Iran habe das Potenzial, in den nächsten Jahren zu den grössten Volkswirtschaften der Welt zu gehören, erklärte der Präsident. «Ich werde versuchen, alle wirtschaftlichen Hindernisse auf dem Weg dazu auszuräumen.» Dazu brauche es ein konstruktives Engagement mit dem Rest der Welt. (pbl/sda)

«Eine grosse Chance verpasst»

Der israelische Präsident Shimon Peres hat in Davos die Rede von Hassan Ruhani kritisiert. «Er hat keine Unterstützung für einen Frieden im Nahen Osten zum Ausdruck gebracht», so Peres. Iran schicke weiter Waffen an die Hisbollah im Libanon, mit denen Israelis getötet würden, sagte das israelische Staatsoberhaupt vor Journalisten. Er sehe auch nicht ein, warum Iran atomare Raketen entwickle, wenn das Atomprogramm nur friedlichen Zwecken dienen solle. «Eine grosse Chance wurde verpasst», sagte Peres. Irans Präsident hatte eine halbe Stunde zuvor seine Rede beendet. Eine direkte Attacke auf den Erzfeind Israel machte Ruhani nicht, womit er sich stark von der Kriegsrhetorik seines Vorgängers Mahmud Ahmadinedschad abhob. Für Präsident Peres geht dies nicht weit genug. «Iran ist das Zentrum des Terrors in unserer Zeit», sagte er.

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