Gesellschaft & Politik
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Motorbikers arrive for the traditional blessings given by evangelical priest and president of Gospelriders Thom Haeschler, on the Simplon pass in Southwestern Switzerland, Sunday, May 1, 2011. About 4000 motorcyclists received the blessings this Sunday from Thom Haeschler for the 25th edition, on the Simplon pass, one of the favored passes to drive over by motorcyclists. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Ein Biker wartet 2011 auf dem Simplon-Pass auf die jährliche Töff-Messe inklusive Segnung. Bild: KEYSTONE

Töfflärm

Heute entscheidet der Nationalrat, ob Sie Ihren Töff verschrotten müssen oder nicht

Die Töffbranche umgeht mit findigen Tricks die Lärmgrenzen, die Motorräder in der Schweiz erreichen dürfen. Nun ist ein Streit darüber entbrannt, ob eine strenge EU-Richtlinie rückwirkend auf alte Schweizer Töffs angewendet werden soll.  

06.05.14, 09:53 06.05.14, 10:59


Ein Motorrad darf in der Schweiz 80 Dezibel laut sein. Das ist etwa so laut wie ein vorbeibrausender Lastwagen. Viele Motorräder sind aber deutlich lauter. Und das ganz legal, weil die Schweiz seit 1999 die Lärmvorschriften der EU übernimmt. Und diese erlauben es den Herstellern, auf Schleichwegen die Lärmvorschriften zu umgehen und die Töffs weit lauter dröhnen zu lassen, als erlaubt.  

Damit soll nun Schluss sein, denn Karl Vogler, Nationalrat der CSP Obwalden, stört sich seit geraumer Zeit an Lärmexzessen von Auspuff-getunten Töffs auf seinem Heimpass, dem Brünig. Deshalb will er die neuen, strengeren EU-Lärm-Vorschriften (Euro4), die 2016 in Kraft treten, rückwirkend auf sämtliche Motorräder anwenden lassen, die sich bereits jetzt im Schweizer Strassenverkehr befinden. Die zuständige Kommission des Nationalrates für Umwelt, Raumplanung und Energie (Urek-N) hat er bereits dazu gebracht, seinem Vorstoss zuzustimmen, wenn auch nur knapp. Und heute Nachmittag befindet der Nationalrat darüber.

Besucher des Grossen Preises von Assen in Holland hält sich die Ohren zu, während ein Motorradbesitzer den Motor aufheulen lässt, um seinen Hinterreifen in einem Akt des Burnout komplett zu ruinieren.  Bild: KEYSTONE

Motorräder werden beim Lärmtest automatisch leiser

Konkret unterbindet das neue Vorschriftspaket Euro4 die effizientesten Tricks, welche der Motorrad- und Zubehörbranche derzeit zur Verfügung stehen, um die Lärmvorschriften auf legalem Weg auszuhebeln. Dazu gehört etwa Motoren-Elektronik, die die Bedingungen erkennt, unter denen die Töffs nach EU- und damit auch Schweizer Standards auf Lärmemissionen geprüft werden. Sobald der Töff mit der entsprechend normierten Geschwindigkeit und Beschleunigung in den Prüfstand gestellt wird, schliesst das Motorrad eine Klappe im Auspuff und hält die Lärmgrenzwerte somit ein. Bewegt sich das Motorrad dann wieder im Strassenverkehr zu normalen Bedingungen, dann öffnet sich die Dämpfklappe und der Grenzwert wird massiv überschritten. 

Laut eines Berichtes des Bundesamtes für Strassen (Astra) sind insbesondere diese Klappenauspuffe mittlerweile bei einem Grossteil der Motorräder mit einem Hubraum von über 500 Kubikzentimeter eingebaut. Ein weiteres Mittel sind sogenannte Dezibel-Killer in den Auspüffen. Diese sind standardmässig eingebaut, was den Auspuff nach EU-Norm legal macht, lassen sich jedoch jederzeit einfach entfernen und wieder einsetzen. Jeweils vor der Vorführung setzen die Motorradfahrer die Dezibelkiller ein, fahren ansonsten aber ohne. 

Ein Motorrad, so laut wie 24 Motorräder

Mag laute Töffs: Roland Müntener, Präsident des Motorrad-Importeurverbandes Motosuisse. moto-net.com

Weil die Messwerte stark von Reifen und Strassenbelag abhängen, können die Lärmwerte der Töffs nur im Prüfstand abgenommen werden, Kontrollen mit validen Ergebnissen auf der Strasse sind nicht möglich. Die Zürcher Kantonspolizei hat 2012 in einem eigenen Test fünf legal ausgerüstete Motorräder auf Dezibel-Werte im Vorbeifahren geprüft. Die Motorräder waren teils doppelt so laut wie erlaubt. Bei einem Modell stellten die Kantonspolizisten sogar einen Dezibelwert fest, der so hoch war, wie wenn 24 Motorräder in der erlaubten Lautstärke gleichzeitig vorbeigefahren wären. 

Der Obwaldner CSP/CVP Politiker Karl Vogler freut sich, nachdem er als Nationalrat gewaehlt worden ist anlaesslich der Eidgenoessischen Wahlen am Sonntag, 23. Oktober 2011, in Sarnen im Kanton Obwalden. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Mag keine lauten Motorräder: Der Obwaldner CSP-Mann Karl Vogler kurz nach seiner Wahl in den Nationalrat 2011. Bild: KEYSTONE

«Dann müssen wir zwei Drittel verschrotten»

Für Roland Müntener, Präsident des Motorrad-Importeur-Verbandes Motosuisse, geht es nicht an, die neuen Vorschriften rückwirkend auf alle Motorräder anzuwenden. «Da geht die Rechtsstaatlichkeit verloren, wenn Tausende ihre früher in rechtlich einwandfreiem Zustand gekauften Töffs für viel Geld umbauen müssen, sofern dies überhaupt möglich ist», sagt Müntener. Die von Vogler angestrengte Kommissionsmotion gehöre deshalb abgelehnt. «Wenn auf Motorräder von heute die EU-Normen von 2016 angewandt werden müssen, dann können wir zwei Drittel der Motorräder in der Schweiz verschrotten, und das ist noch vorsichtig geschätzt», sagt Müntener. 

«Exzesse verhindern»

Vogler lässt diese Argumente Münteners nicht gelten. «Die Rechtsstaatlichkeit wird ja schon von den Importeuren geritzt, die genau wissen, dass ihre Motorräder ausserhalb des Prüfstandes viel lauter sind, als es das Gesetz zulässt», sagt Vogler. Ausserdem gehe es nicht darum, flächendeckend alle Töffbesitzer zu Umrüstungen oder der Verschrottung ihres Motorrades zu zwingen, sondern der Polizei eine Handhabe zu geben, besonders ruchlose Auspuff-Tuner aus dem Verkehr zu ziehen. «Es geht darum, Exzesse zu verhindern, nicht um eine Kollektivstrafe an der Motorradgemeinde zu vollziehen», sagt Vogler. Diese Behauptungen Münteners seien schlichte Stimmungsmache und unnötige Angstmacherei, denn die Kommission Urek-N verfolge ganz sicher nicht das Ziel, zwei Drittel der Schweizer Motorräder zu verschrotten. 

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Neptun 06.05.2014 15:59
    Highlight Da holt man mal wieder den regulatorischen Zweihänder aus der Besenkammer! Ich bin Motorradfahrer und wohne selber auch an einer stark befahrenen Strasse und muss ganz ehrlich sagen, dass die Motorräder weitaus weniger Lärm machen als die, sorry für den Ausdruck, Schwanzverlängerungen à la Ferrari, Lamborghini und Co.

    Zudem wird ja niemand gezwungen DIREKT an einer viel befahrenen Strasse zu wohnen... Für mich eine ähnliche Situation wie bei Auto- und Eisenbahn, resp. Flughafen. Die Leute kaufen günstigen Wohnraum in Nähe solcher Infrastruktur und wundern sich dann, wenn diese Lärm verursacht.
    4 3 Melden
  • traugottle 06.05.2014 14:15
    Highlight Ich finde den Klang von einem richtigen Töff nicht störend, auch wenn es laut werden kann.
    Die kleinen Roller, verursachen noch viel mehr Lärm, zumindest für meine Ohren den unangenehmeren.
    3 1 Melden
    • Romeo 06.05.2014 15:15
      Highlight Ja, die Kleinen nerven auch. - mehr als Grosse. Wir nennen sie "Fön".
      2 0 Melden
  • Raphie 06.05.2014 13:58
    Highlight Darfs noch ein bischen spass sein? Alles wird verboten und sich dann wundern wenn alle nur noch depressiv in der gegend herum laufen!
    7 3 Melden
  • Horny 06.05.2014 12:23
    Highlight Witz komm raus, du bist ertappt. Die Klappen haben nichts mit der Lautstärke zu tun, sondern mit der Leistung.
    Diese wirkt bei Grundlast, Halblast und Volllast und regelt die Druckverhältnisse im Auspuff.
    5 1 Melden
  • Romeo 06.05.2014 11:58
    Highlight Hier geht's zur Abstimmung: http://www.pupoll.com/49049057
    1 0 Melden
  • Zeit_Genosse 06.05.2014 10:48
    Highlight Ich denke, dass man mit den heutigen Gesetzen die erwähnten Exzesse ahnden kann. Das mit den Lärmklappen gibt es auch bei den Autos und wird immer beliebter. Der Wunsch nach echtem Motorenlärm, diesem archaischen Geräusch, das Gänsehaut auslöst, weil es an die vorzeitlichen Gefahren durch Raubtiere im Hirn erinnert, wird bei heutigen Autosounddesignern von Ferrari, Lamborghini, Maseratti, Aston Martin, Jaguar und den deutschen Premiummarken, fest an die Marke gekoppelt, damit Fahrzeuge emotionaler werden. Übrigens wirken diese Motorengeräusche (Lärm?) auch stark auf Frauen, die sich nicht nur vom Design, sondern auch vom Sound anregend angezogen fühlen, besagt eine Studie (Frauen werden das bestreiten). Männer fühlen sich auf ihren Töffs sehr männlich und wie (die letzten) Jäger. Diese Geräusche müssten also eigentlich historisch schützenswert gelten. Ein Anachronismus dazu sind E-Mobile, die derart leise sind, dass sie schon fast gefährlich sind. Und die letzte Entwicklung, die ein Kompromis bei Autos sein könnte ist, dass durch die Musikanlage wählbare Motorengeräusche für die Insassen eingespielt werden, um diese Emotionalität in Echtzeit mit der Motorelektronik gekoppelt zu bedienen. Da wird der Hybrid-Vierzilinder zum Saug-V8. So kann man höhere Verkaufspreise realisieren, den Rebell ansprechen und durch die Landschaft und Stadt schnurren. Aber lasst doch die 30% lauteren Töffs noch brummen und dafür nur auf die Exzessiven2-3% losgehen. Etwas Urzeit tut uns gut.
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    • Piti 06.05.2014 11:04
      Highlight Cooler kommentar :)
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    • droelfmalbumst 06.05.2014 11:12
      Highlight Dem ist absolut nichts mehr hinzuzufügen!!
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    • Romeo 06.05.2014 11:19
      Highlight Ich bin selber Töfffahrer und wohne an einer gutbesuchten Hauptstrasse. Wir haben viele DE Töffs und auch Schweizer (Minderzahl) die sehr laut sind. Man versteht das eigene Wort nicht mehr. Watson publizierte kürzlich einen Artikel, dass Lärm krank macht. Also lassen wir bitte das Machogehabe der Urzeit. Danke.
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