Gesellschaft & Politik
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Premierminister Abbott: «Fehler im System» 

Der Geiselnehmer von Sydney hatte einen Waffenschein 



In Australien wächst die Empörung über den laxen Umgang der Behörden mit dem als Extremist bekannten Geiselnehmer Man Haron Monis. «Das System ist mit diesem Mann nicht richtig umgegangen», räumte Regierungschef Tony Abbott in einem Interview ein. 

So hat sich unter anderem herausgestellt, dass der getötete Geiselnehmer von Sydney einen Waffenschein besessen hat, obwohl er mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war und extremistisches Gedankengut äusserte. 

Der Geiselnehmer von Sydney

Abbott zeigte sich auch ratlos über weitere Details, die seit dem blutigen Ende der Geiselnahme über Monis bekannt geworden sind: So erhielt der einstige Asylbewerber aus dem Iran eine permanente Niederlassungsbewilligung in Australien und bezog Sozialhilfe

Der Geiselnehmer war der Polizei des Staates New South Wales sowie der Bundespolizei und den Sicherheitsdiensten bekannt, stand aber trotzdem nicht unter konkreter Beobachtung. «Wir möchten wissen, weshalb er nicht beobachtet wurde», sagte Abbott über den 50-jährigen Bewaffneten. 

Fehler im System

Der Regierungschef bestätigte auch, dass eine der Forderung des Mannes war, mit ihm zu sprechen. Er habe sich auf den Rat der Polizei verlassen und auf einen Kontakt verzichtet, sagte Abbott. 

Das Sicherheitssystem sei mit dem Mann ganz offenbar nicht «angemessen umgegangen». Daran bestehe kein Zweifel und das sei der Grund dafür, weshalb Lehren aus der Geiselnahme gezogen werden müssten.

«Die Tragödie dieser Gräueltat ist, dass zwei Menschen tot sind, dass Leute verletzt sind, dass andere traumatisiert sind, weil dieser Verrückte frei auf unseren Strassen herumlaufen konnte.»

Der der Polizei bekannte Iraner hatte am Montag das Lindt-Café in Sydney überfallen und 17 Geiseln stundenlang in seiner Gewalt. Die Polizei stürmte das Café nach 16 Stunden. Zwei Geiseln und der Geiselnehmer kamen um.

Geiseln, denen die Flucht gelang, berichten

Als erstes war es einem 83-jährigen Mann gelungen, aus dem Café zu entkommen. Er hatte eine Unaufmerksamkeit des Geiselnehmers zur Flucht genutzt. John O'Brien berichtete am Mittwoch über die Stunden in der Gewalt des Geiselnehmers. Man Haron Monis habe ihn auf den Boden geordert, aber er habe sich unter Verweis auf sein Alter geweigert, sagte O'Brien.

Nach sechs Stunden habe er einen Moment genutzt, als der Geiselnehmer mit anderen Gefangenen beschäftigt war: Er drückte einen Knopf auf dem Boden, der die Tür des Cafés entriegelte, und rannte hinaus. «Ich war in meinem Leben noch nie so erleichtert wie in dem Moment, als ich um die Ecke lief und die Polizei sah», berichtete er.

Auch ein zweiter Mann nutzte die Fluchtchance. Während der Geiselnehmer zur Tür rannte, um sie wieder abzuriegeln, schaffte es eine dritte Geisel aus dem Hintereingang des Cafés. Zwei weiteren Geiseln gelang kurz darauf die Flucht.

15. Dezember 2014: Geiselnahme in Sydney

Sicherheitsvorkehrungen in Sydney verstärkt

Nach dem Geiseldrama wurden in Sydney die Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Mehrere hundert zusätzliche Polizisten hielten sich am Mittwoch auf den Strassen der Stadt auf, besonders an öffentlichen Plätzen und im Nahverkehr. Einsatzleiter Michael Fuller sagte dazu, es gehe darum, dass die Bevölkerung sich in diesen «schwierigen Zeiten» sicher fühle und die Polizei in der Nähe wisse.

Es gehe den Beamten vor allem um eine «sichtbare» starke Polizeipräsenz. Derzeit sind wegen der anstehenden Weihnachtsfeiertage und der berühmten Silvester-Feierlichkeiten zahlreiche Touristen in der Stadt.

Fuller sagte weiter, es gebe keinen Grund anzunehmen, dass sich solch eine Tragödie wie die Geiselnahme in einem Lindt-Café am Martin Place wiederhole. «Aber wir alle haben die Gesichter der Menschen am Martin Place gesehen und sie haben Angst.» (feb/sda/dpa/afp)

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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 17.12.2014 15:20
    Highlight Highlight Während der Keating/Hawke Ära wurden ganze Dörfer aus dem Libanon nach Australien umgezogen. Während der Rudd/Gillard Ära wurden die Grenzkontrollen praktisch aufgegeben, nach europäischem Vorbild. Und Tony Abbott, der die Grenzkontrollen wieder eingeführt hat, wird die nächste Wahl vermutlich nicht gewinnen. So viel besser als in Europa ist das gesamte Einwanderungschaos in Australien auch nicht. Vor allem gibt niemand zu, dass die Muslime, wie immer, die mit Abstand am schlechtesten integrierte Einwanderergruppe stellen. Ohne Diskussion zu diesen Tatsachen wird es auch keine Lösungen geben!
  • Georg Kaiser 17.12.2014 10:20
    Highlight Highlight Typische Situation! Was nutzen Gesetze, wenn sie nicht durchgesetzt werden. Australien hat eines der schärfsten Waffengesetze der Welt und wird ja oft als Vorbild genommen, siehe http://www.srf.ch/news/international/wie-australien-die-amoklaeufe-gestoppt-hat und trotzdem passiert sowas!
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