Gesellschaft & Politik
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Switzerland's Paulo Balicha cheers after winning his WFC world championship bout (in the K1 fight category up to 70kg) against Vassili Sish from Belarus, in Basel, Switzerland, Saturday, December15, 2007. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Der Basler Paulo Balicha feiert 2007 in Basel seinen Thaibox-Weltmeistertitel nach Version WFC gegen den Weissrussen Vassili Sish. Bild: KEYSTONE

Fight-Nights

Ausweitung der Kampfzone

Die Zahl der Kampfsport-Galas in der Schweiz nimmt stetig zu. Die Veranstalter der Events buhlen um Mitglieder für ihre Martial-Arts-Schulen. Und damit um ihre wirtschaftliche Existenz. 

05.03.14, 15:00 15.07.14, 16:09

Am 25. Januar lud Shemsi Beqiri zur Thaibox-Gala in Riehen (BS). Am 1. Februar gab's K-1, Thaiboxen und Boxen in Glattbrugg (ZH). Am 15. Februar stieg eine Thaibox-Gala in Wünnewil (FR). Am 2. März stiegen Kämpfer der Mixed Martial Arts (MMA) in Basel in den Käfig. Und tags zuvor hätte Paulo Balichas «Swiss Las Vegas» im Casino Basel mit Thaibox- und MMA-Kämpfen steigen sollen. Hätte, sässe Balicha nicht derzeit wegen seines mutmasslichen Überfalls auf das Gym seines Konkurrenten Shemsi Beqiri in U-Haft. 

Shemsi Beqiri bedankt sich nach einem Kampf an seiner Superpro-Gala bei seinen Zuschauern.  Superpro Sportcenter

Bald jedes Wochenende findet irgendwo in der Schweiz eine Kampfsport-Gala statt. Meist messen sich Thaibox-Amateure kosovarischer Herkunft an kleinen, von ihren Clubs organisierten Events. Die Vertreter der kosovarischen Secondo-Generation bilden die Basis eines beispiellosen Schweizer Kampfsport-Booms. Sie stellen nicht nur zu einem grossen Teil die Kämpfer, sondern auch das zahlende Publikum der zahllosen Schweizer Fight-Nights. Auf rund 1200 schätzt Patrick Hofmanninger, Präsident des Schweizer Muay-Thai-Verbandes (SMTV), die Zahl der aktiven Thaiboxer, die regelmässig Amateur-Wettkämpfe bestreiten. 

Amateur-Thaiboxer wehrt sich gegen eine Linke an der Argovian Fighting Challenge 2013 in Aarau. Bild: Fotostudio Müller/Aarau

Während das Amateur-Thaiboxen ein weitgehend brotloses Geschäft ist, in dem der SMTV die Turniere organisiert und die Meisterschaftsgürtel verteilt, versuchen sich andere Veranstalter auch in Profi-Fight-Nights. Abseits der kleinen Keller- und Hinterhofveranstaltungen buhlen seit rund fünf Jahren je länger je mehr auch professionell organisierte und kommerziell orientierte Fight-Nights mit 1000 und mehr Zuschauern um Kämpfer, Aufmerksamkeit und Publikum (für Details siehe Imagewall ganz unten). Viele dieser Galas zeigen längst auch MMA-Kämpfe, teils durchgeführt in Käfigen, bei denen auch Bodenkampf, Hebel- und Würgegriffe bis zur Aufgabe des Gegners erlaubt sind. 



Thaiboxen 

Kein Fernsehen, kein Geschäft

Diese Kämpfe sind in den USA ein Bombengeschäft. Die Serie Ultimate Fighting Championship (UFC) hat dort in den vergangenen zehn Jahren den Boxsport aus dem Pay-TV-Geschäft nahezu verdrängt und ist hinter American Football bereits die zweitmeist gesehene Sportart. Mit Umsatzrenditen zwischen 20 und 30 Prozent und Vorsteuergewinnen zwischen 100 und 160 Millionen US-Dollar jährlich hat die UFC die Aktionäre um den ehemaligen MMA-Kämpfer Dana White reich gemacht. 

«Ohne Fernsehübertragung kann man mit Galas kein Geld verdienen.»

Beni Aebischer, Profi-Promoter.

Die Schweizer Fight-Night-Veranstalter, darunter der Basler Promoter Beni Aebischer, wollten dem Trend folgen und von der Schweiz aus in Deutschland einen ähnlich lukrativen Markt erobern. Schweizer Galas hätten auf deutschen TV-Sendern übertragen und dank Sponsoring und Werbung zu einem guten Geschäft werden sollen. Doch die Träume vom grossen Reibach lösten sich in Luft auf, als die Bayerische Landeszentrale für Neue Medien die TV-Übertragung von MMA-Events im Jahr 2010 verbot. «Die Schweiz war ein guter Testmarkt, aber beim Schweizer Fernsehen ist nichts zu machen und ohne Fernsehübertragung in Deutschland kann man mit Galas kein Geld verdienen», sagt Aebischer, der international und in der Schweiz in Zürich, Montreux, Baden und Basel «Casino-Fights» durchführt. 

Paulo Balicha bei einem Kampf 2008 in Basel gegen Marijo Cvitanovic aus Kroatien. Bild: KEYSTONE

Mixed Martial Arts (MMA) / Shooto

Zwar sendet hin und wieder ein Sender die Galas live in den Kosovo, doch - so drückt es Aebischer aus - «gibt es weltweit nur wenige, noch schlechter kommerzialisierbare TV-Märkte als diesen». So müssen die Veranstalter mit knappen Margen leben. Aebischer rechnet vor, dass ein mittelgrosser Anlass mit einem Budget von rund 60'000 Franken allenfalls 10'000 Franken Gewinn machen könne, wenn alles gut läuft. Was es meist aber nicht tue. 

Die teils spektakulären MMA-Kämpfe ziehen längst nicht mehr die TV-Kameras an, sondern sollen den Kreis der Kampfsportler vergrössern, die ihren Anhang an die Galas mitbringen. Immer weniger Veranstalter verzichten auf diese Kämpfe, denn laut MMA-Trainer Rafael Perlungher verdoppelt sich die Zahl derjenigen, die die Sportart betreiben, in der Schweiz jährlich. Mittlerweile dürften rund 1000 Leute die Sportart trainieren und um die 50 auch wettkampfmässig betreiben, sagt Perlungher. 

Sebastian Mendez-Harms, Thaibox-Weltmeister nach Version WMC betritt mit martialischer Maske den Ring der Argovian Fighting Challenge 2013 in Aarau.  Bild: Fotostudio Müller/Aarau

«Und jährlich kommen immer noch drei bis vier neue Thaibox-Clubs dazu.»

Rafael Perlungher, MMA-Trainer.

Beqiri, Balicha und all die anderen Veranstalter organisieren ihre Events also nicht wie einst erhofft für ein Millionen-Publikum am TV und hohe Renditen. Sie machen eine Mischrechnung und nutzen die Anlässe als Plattformen für ihre Kämpfer und Werbevehikel für ihre eigenen Kampfsportschulen. 

Auch unter denen wächst die Konkurrenz. Beim SMTV alleine sind rund 25 Thaibox-Schulen vereinigt, wie viele Anbieter es schweizweit gibt, weiss niemand genau. Perlungher, einer der Doyens der Kampfsportszene, geht von mittlerweile über 100 Schweizer Thai- und Kickbox-Gyms aus. «Und jährlich kommen immer noch drei bis vier neue Clubs dazu», sagt Perlungher, der selbst ein Gym betreibt und die MMA-Gala «Monster Max» in Luzern veranstaltet. 

Der Zürcher Thaibox-Trainer Natthapong bereitet einen Schützling auf seinen Amateurkampf an der Argovian Fighting Challenge 2013 in Aarau vor.  Bild: Fotostudio Müller/Aarau 

Doch der Thaibox-Nachwuchs wächst seit dem Verebben der Immigrationswelle aus Kosovo und den Ländern Ex-Jugoslawiens weniger schnell als die Zahl der Kampfsport-Schulen. Die jüngst eskalierten persönlichen Animositäten zwischen Shemsi Beqiri und seinem ehemaligen Mentor Paulo Balicha sind nicht zuletzt in diesem Dilemma begründet. 

Beide betreiben in der Region Basel ein grosses Gym mit hohen Fixkosten. Balicha war mit seinem Diamond Gym lange der Platzhirsch und gut ausgelastet. Seit Beqiri und seine Brüder Balicha mit dem 2011 gegründeten Superpro Sportcenter zur Konkurrenz wurden, kann Balicha seine Existenz nicht mehr so gemütlich sichern. Mit seinem Versuch, Konkurrent Beqiri in einem überfallartigen Direktkampf auszuschalten, hat er sie sich vermutlich komplett vernichtet. 

Die 13 grössten Schweizer Fight-Nights

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Amanaparts 05.03.2014 16:30
    Highlight Go YOGAKA! Sportsgeist, Respekt, flexible Trainingszeiten und ein breites Angebot machen ein gutes Gym aus. Viele verstehen nicht, dass man keine Krieger ausbildet, sondern Sportler und solche die einfach mal gern "rutzen".
    1 0 Melden

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