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The bodies of a passengers aboard the Sewol, a South Korean ferry which sank in the water off the southern coast, are carried by rescue workers upon its arrival at a port in Jindo, South Korea, Monday, April 21, 2014. Divers continued the work of recovering bodies from inside the sunken South Korean ferry Monday, as a newly released transcript showed the ship was crippled by confusion and indecision well after it began listing. The transcript suggests that the chaos may have added to a death toll that could eventually exceed 300. (AP Photo/Ahn Young-joon)

Mehrere Leichen wurden am Montag aus der gesunkenen «Sewol» geborgen und an Land gebracht. Bild: AP/AP

Fahrlässig wie Francesco Schettino

Kapitän Lee führte Fähre «Sewol» in die Katastrophe 



Lee Jung Seok hat 40 Jahre Erfahrung als Seemann. Doch vor dem Untergang der Fähre «Sewol» soll der Kapitän verheerende Fehler gemacht haben. Jetzt tauchen frühere Interview-Äusserungen von ihm auf – für die Angehörigen der Opfer müssen sie heute wie Hohn klingen. 

Der Vergleich mit Francesco Schettino liegt nahe: Wie beim Unglückskapitän der havarierten «Costa Concordia» stellt sich jetzt auch im Fall der untergegangenen südkoreanischen Fähre «Sewol» die Frage nach der Schuld des Schiffsführers. Auch Lee Jung Seok hat sein Schiff verlassen, obwohl die meisten Passagiere längst noch nicht in Sicherheit waren. 

Alle Menschen an Bord des Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia hätten überleben können, wenn im Januar 2012 vor der italienischen Insel Giglio die richtigen Entscheidungen getroffen worden wären – so lautet das Ergebnis der Ermittler. Von 4229 Menschen starben 32. Auch bei der «Sewol» deuten die ersten Untersuchungen darauf hin, dass kostbare Zeit nach der Havarie verging. 

In Südkorea wird befürchtet, dass die meisten der ursprünglich 476 Menschen an Bord im Inneren der Fähre eingeschlossen wurden, als das Schiff am vergangenen Mittwoch vor der Südwestküste Südkoreas kenterte und schliesslich sank. Am Montag galten noch weit mehr als 200 Menschen als vermisst. Nur 174 Menschen wurden gerettet, darunter Kapitän Lee und die meisten anderen der 28 Besatzungsmitglieder. 

Park: «Mörderisches Verhalten» 

Es gilt als Regel, dass der Kapitän das sinkende Schiff zuletzt verlässt. Handelte Lee in Panik, wie einige Kommentatoren spekulierten? Zwar laufen noch die Ermittlungen, doch Staatspräsidentin Park Geun Hye wirft dem Kapitän und einigen Besatzungsmitgliedern «mörderisches Verhalten» vor

Dem seit Samstag inhaftierten Kapitän droht jetzt eine Anklage wegen Fahrlässigkeit und Verstössen gegen die Dienstpflichten. Dabei ist der 68 Jahre alte Lee ein Seemann mit 40-jähriger Berufserfahrung. Bekannt ist, dass er an dem verhängnisvollen Tag des Untergangs für den eigentlichen Kapitän der «Sewol» eingesprungen war. Den gefährlichen Streckenabschnitt, auf dem sich das Unglück ereignete, soll er aber schon mehrmals befahren haben. 

Den Angehörigen der Opfer müssen die Worte Lees nachträglich wie Hohn vorkommen. Er hatte vor vier Jahren in einem Interview des Kabelsenders OBS TV gesagt: «Denen, die auf der Strecke zwischen Inchon und Cheju reisen, wünsche ich zu sagen: Wenn sie den Anweisungen der Crew folgen, so sind Seereisen sicherer als andere Transportmittel.» 

Unentschlossenheit auf Brücke 

Genau auf dieser Strecke kenterte die Fähre – den Passagieren wurde per Lautsprecher befohlen, sich ruhig zu verhalten und sich nicht zu rühren. Das geht aus Smartphone-Videos von Überlebenden hervor. Die meisten hielten sich daran. Der letzte Funkkontakt zwischen der «Sewol» und einer Überwachungsstelle legt offen, wie gross die Unentschlossenheit auf der Kommandobrücke war. Es ist nicht einmal klar, wo sich der Kapitän wann aufhielt. 

Lee selbst rechtfertigte sich nach dem Unfall. Nach einer Vorführung vor Gericht sagte er, er habe angesichts der starken Strömung die Evakuierungsanordnung hinausgezögert. Die Verantwortung für die Katastrophe übernahm er nicht. 

In einem weiteren Interview beschrieb Lee auch seine Ängste. «Ich hatte schon auf Schiffen gearbeitet, als ich Mitte 20 war», sagte er vor vier Jahren in einem Interview, das jetzt eine Zeitung ausgegraben hat. Nach jedem Sturm habe er ans Aufhören gedacht, sagte er demnach. Doch jedes Mal habe er sich wieder aufs Wasser getraut. (sda/dpa) 

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