Gesellschaft & Politik
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A display of t-shirts are seen for sale in a Scottish memorabilia shop in Edinburgh, Scotland Friday, Jan. 13, 2012. This week Scottish authorities announced they will hold a referendum on independence in 2014, firing the starting pistol on a contest that could end in the breakup of Britain. Scotland's history has been entwined with that of its more populous southern neighbor for millennia, and since 1707 Scotland and England have been part of a single country, Great Britain, sharing a monarch, a currency and a London-based government. But for centuries before that, Scotland was an independent kingdom, warding off English invaders in a series of bloody battles. Now a more peaceful modern independence movement thinks its goal of regaining that autonomy is finally in sight.  (AP Photo/Scott Heppell)

Schottland stimmt im September 2014 über seine Unabhängigkeit ab. Bild: AP

Schotten wollen Unabhängigkeit

Das Beispiel Schottland zeigt: Es gibt auch einen linken Nationalismus

Die Schotten wollen sich von den Engländern trennen. Sie sind ihnen zu EU-feindlich und zu neoliberal.



Nationalismus ist in Europa wieder im Trend: In Frankreich erzielt Marine le Pen vom Front National Siege an den Urnen und Spitzenwerte in Meinungsumfragen. Geert Wilders hat mit EU-feindlichen Parolen die niederländische Politik aufgemischt, Nigel Farage die britische. In der Schweiz hält derweil Blocher mit seiner SVP Bundesbern auf Trab. All diesen Nationalisten gemeinsam ist: Sie stehen weit rechts. 

Ganz anders sieht es in Schottland aus. Dort werden die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger am 18. September darüber abstimmen können, ob sie die 307 Jahre alte Ehe mit England auflösen und einen eigenen Staat bilden können. Die Chancen stehen nicht schlecht: Gemäss «Financial Times» zeigen Meinungsumfragen, dass bereits 45 Prozent der Schotten die Trennung von England befürworten, Tendenz weiter steigend.

Die schottischen Nationalisten wollen in der EU bleiben

epa04342675 Scotland's First Minister Alex Salmond (L), broadcaster Bernard Ponsonby (C) and Britain's former chancellor Alistair Darling (R) during a televised debate, six weeks before Scotland's independence referendum, in Glasgow, Britain, 05 August 2014. Watched by a studio audience at the Royal Conservatoire of Scotland in Glasgow, Salmond argued that the country was economically and politically capable of running its own affairs, and should no longer be ruled by politicians in London.  EPA/PETER DEVLIN   EDITORIAL USE ONLY/NO SALES/NO ARCHIVES

In Schottland herrscht seit Anfang August der Abstimmungskampf über die Loslösung von Grossbritannien. Am 5. August fand die erste TV-Debatte über das Referendum statt. Bild: EPA/PETER DEVLIN LTD

Die schottischen Nationalisten haben jedoch nichts mit den rechten Nationalisten auf dem Kontinent am Hut. Sie wenden sich gegen ein Grossbritannien, dass ihrer Meinung nach immer noch imperialistische Grossmachtsträume hat, einen unsinnigen Rüstungswettlauf mitmacht und eine neoliberale Wirtschaftspolitik betreibt. 

Anders als Le Pen & Co. sind die schottischen Nationalisten europafreundlich. Ein wichtiger Grund, sich von London loszusagen ist die Angst, dass die europhoben englischen Konservativen im Begriff sind, Grossbritannien aus der EU zu prügeln. 

Linke Intellektuelle wollen weg von London

Angeführt wird die Unabhängigkeitsbewegung von der Scottish National Party (SNP) mit ihrem Parteichef Alex Salmond an der Spitze. Dieser betont im jetzt auf vollen Touren laufenden Abstimmungskampf die sozialen Wurzeln seiner Partei und will Schottland nach dem Vorbild der Skandinavier in ein nordisches Modell umwandeln. 

Alex Salmond, leader of the pro-independence Scottish National Party, and Alistair Darling (unseen), head of the

Alex Salmond, Führer der SNP. AlexBild: HANDOUT/REUTERS

Die Opposition gegen die Abspaltung wird zwar vom ehemaligen Labour-Minister Alistair Darling angeführt. Aber auch bei vielen linken Intellektuellen ist die Trennung beliebt. Für sie wäre ein eigenständiges Schottland eine Chance, die imperialistische Vergangenheit des Vereinigten Königreichs endgültig zu begraben. 

Margaret Thatcher war im Norden verhasst

Für David Greig, den bekanntesten Schriftsteller des Landes wäre es der Schlussstrich unter einen «Staat, der für ein Imperium» gebaut worden war. Die SNP-Aktivistin Annie Dana erklärt in der «Financial Times»: «Bei den Linken findet ein Umdenken statt. In den traditionellen Arbeitersiedlungen wächst die Unterstützung für die Unabhängigkeit. Die Menschen wollen einen Wechsel, sie wollen keine konservative Regierung, die sie nicht gewählt haben.» 

Tatsächlich sind die Tories in Schottland unbeliebt. Gewählt wird entweder Labour oder SNP. Margaret Thatcher war im hohen Norden besonders verhasst. Dazu kommt die traditionelle Feindschaft zu den Engländern: Königin Elizabeth I liess bekanntlich einst ihre Cousine, Mary, die Königin der Schotten, hinrichten. 1745 verlor der aufständische Bonnie Prince Charlie die Entscheidungsschlacht gegen die englischen Truppen, wie das der schottische Nationaldichter Sir Walter Scott in seinem Roman «Waverley» beschreibt. 

Mit Braveheart gegen die Engländer

Seit der Verfilmung mit Mel Gibson in der Hauptrolle ist jedoch «Braveheart» die Kultfigur des schottischen Widerstandes gegen die Engländer geworden. Der Film schildert die Geschichte des Freiheitskämpfers William Wallace – eine Art schottischer Wilhelm Tell – der heroisch die Interessen seiner Landsleute verteidigt, dabei verraten und am Schluss hingerichtet wird. Jedes Mal, wenn die schottische Fussballnationalmannschaft auf die englische trifft, lebt Braveheart bei den Fans wieder auf. 

Actor Mel Gibson leads a charge as he stars in the motion picture

Mel Gibson im Heldenepos «Braveheart». Bild: AP

Linker Nationalismus ist kein Privileg der Schotten. Auch die Katalanen träumen von einem eigenen Staat und wollen sich vom übrigen Spanien loslösen. Barcelona war das Zentrum des Widerstandes gegen den faschistischen Diktator Franco, und auch der katalanische Wunsch nach Eigenständigkeit ist stark links geprägt. 

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Abel Emini 13.08.2014 15:11
    Highlight Highlight Free Scotland!
  • wjd 13.08.2014 14:51
    Highlight Highlight 1745 "Entscheidungsschlacht"? Wohl kaum, die Rebellion dazu mal waren chancenlos und eigentlich schon erschlagen.
    Was hier in Artikel nicht erwähnt wurde ist die wahrscheinlich wichtigste "Riss" durch die Wählerschaft: jung vs alt.
    Ältere sind eher für ein verbleib, sie haben Angst um Renten und Besitz, während jüngere eher für ein Reboot sind. Da wir Schotten schon seit mindestens 50 Jahren das Thema diskutieren, erwarte ich kein grossen Umschwung bis 20. September.
  • Kabenge 13.08.2014 12:27
    Highlight Highlight Ist laut dem FInancial Times Poll Tracker die Mehrheit GEGEN einen Austritt?

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