Gesellschaft & Politik
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Harsche Kritik am Promo-Video

Wie soll für eine Frauen-Initiative des Vatikan geworben werden? Vielleicht nicht mit einer sexy Blondine 

In this image taken from a Pontifical Council for Culture promotional video and made available Monday, Feb. 2, 2015, Italian actress Nancy Brilli describes a call for viewpoints of women's priorities for Vatican Assembly on

Die Schauspielerin Nancy Brilli im Videoclip für «Women's Cultures: Equality and Difference», die Initiative des Kulturministeriums des Vatikan.  Bild: AP/Pontifical Council for Culture

Eine vom vatikanischen Kulturministerium lancierte Frauen-Initiative gerät unter Beschuss: Ist es richtig, mit einer sexy Blondine für die Belange der Frauen zu werben?



Das Kulturministerium des Vatikan unter der Führung von Kurienkardinal Gianfranco Ravasi hatte zu Weihnachten eine Fraueninitiative mit dem Namen «Women's Cultures: Equality and Difference» gestartet: Frauen aus aller Welt wurden dazu aufgerufen, ein 60-Sekunden-Video über ihr Leben mit dem Hashtag #lifeofwomen per Mail ans Ministerium zu senden. Die ausgewählten Clips sollten dann im Februar am päpstlichen Rat für Kultur in Rom gezeigt werden. 

In this March 4, 2013 file photo Italian Cardinal Gianfranco Ravasi waves to reporters as he arrives for a meeting, at the Vatican. A new Vatican initiative to actually listen to women hit a sour note before it even got off the ground when an Internet promotional video featuring a sexy blonde was so ridiculed that it was quickly taken down. But the initiative is going ahead, and an inaugural meeting this week will study women's issues in ways that are utterly new for the Holy See. The latest initiative comes courtesy of Cardinal Gianfranco Ravasi, an academic who quotes Nietzsche as easily as Amy Winehouse and has no fear of courting controversy as he raises the Vatican profile in sport, art and even atheist circles at the helm of the Vatican's culture ministry. (AP Photo/Andrew Medichini, file)

Kurienkardinal Gianfranco Ravasi. Bild: Andrew Medichini/AP/KEYSTONE

Schön und gut, das klingt ja alles sehr progressiv. Die katholische Kirche will den Frauen die Möglichkeit geben, ihre Rolle in der heutigen Gesellschaft selbst und ohne Referenz auf den Mann zu definieren. 

Harsche Kritik an der «heissen Blondine»

Das Promotionsvideo für die vatikanische Fraueninitiative gefiel allerdings nicht allen. Vor allem im englischsprachigen Raum wurde über das Filmchen mit der italienischen Schauspielerin Nancy Brilli gelacht. 

Animiertes GIF GIF abspielen

gif: watson

Brilli wirft ihr blondes Haar in den Nacken, und dann fragt sie mit gespitztem Mündchen und Schlafzimmerblick ihre Zuschauer, ob sie sich auch schon Gedanken darüber gemacht hätten, wer sie eigentlich sind. 

Unter dem Titel «Was denken die sich im Vatikan?» schrieb der National Catholic Reporter empört: «Das veraltete Klischee der sexy Sprecherin zu unterstreichen, ist wohl nicht der richtige Weg, die Frauen dazu zu bewegen, Inputs zu liefern.» 

Neben den falschen Signalen, die die Person Brilli nach Ansicht der Kritiker aussandte, ist die Botschaft des Videos nicht minder strittig. Wie viele Frauen stellen sich die im Clip aufgeworfenen Identitätsfragen überhaupt? Denn sie verlangen sicherlich einen gewissen Lebensstandard, einen selbst gewählten Lebensentwurf, den sich nicht jede Frau leisten kann:

Hier geht's zum ganzen Video:

abspielen

video: youtube/sptv

Dazu kommt die technische Vernetzung, die die Initiative verlangt: Frauen, die Opfer von Armut, von Gewalt und Krieg seien, würden von dieser Initiative nichts hören, weil sie schlicht kein Smartphone zur Verfügung hätten, um mal schnell ihre Meinung über das Frausein ans vatikanische Ministerium zu mailen, äusserten sich andere Stimmen. 

Ravasi entfernt das Video, während Brilli es verteidigt

Kardinal Ravasi sah sich nach dem Aufruhr gezwungen, die englische Version des Videos von der Website zu entfernen. Der rechte sowie der linke Flügel der Kirche reagierte mit Ablehnung: Den einen sei das Video nicht feministisch genug gewesen, den anderen war es zu liberal, und damit «wertlos für eine Kircheninitiative». 

From left, journalist Monica Maggioni, Anna Maria Tarantola, president of RAI Italian state television, Cardinal Gianfranco Ravasi, president of the Pontifical Council for Culture, father Ciro Benedettini, Vatican press office deputy director, LUMSA university professor Consuelo Corradi and Italian actress Nancy Brilli attend a press conference, in the Vatican newsroom,  Monday, Feb. 2, 2015. The Vatican's culture minister has acknowledged that his office must expand its horizons beyond

Nancy Brilli (rechts) An der Pressekonferenz vom 2. Februar 2015. Bild: Andrew Medichini/AP/KEYSTONE

«Wenn wir eine hässliche Frau genommen hätten, hätte das die Botschaft verändert? Ich glaube nicht.»

Consulea Corradi

Brilli verteidigte das Video an einer Pressekonforenz vom Montag und Consuela Corradi, Soziologin an der Katholischen Universität Lumsa in Rom, tat es ihr gleich: «Wenn wir eine hässliche Frau genommen hätten, hätte das die Botschaft verändert? Ich glaube nicht.» Ausserdem betonte sie, dass hinter dem Video die Frauenberaterinnen des Vatikan standen, und sie hätten das Video ohne Eingriff des Ministeriums konzipiert. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 03.02.2015 08:31
    Highlight Highlight Wenn nicht mal Frau für die Frau werben darf....
    Interessant, wie unreflektiert Promokampagnen freigeschaltet werden. Man hätte sich bei der Konzeption über die Wirkung der Kampagne bereits einig sein sollen. Dann gibt es noch Pretest mit relevanten Peergroupes und den internen Stakeholdern.

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