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Peschmerga-Kämpfer in Dohuk: «Werden unseren eigenen Krieg führen»
Peschmerga-Kämpfer in Dohuk: «Werden unseren eigenen Krieg führen»Bild: STRINGER/IRAQ/REUTERS
Kampf gegen «Islamischer Staat»

Kurden bitten um Waffen

Unter der Deckung von US-Luftangriffen auf die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) verstärken kurdische Soldaten und Milizen ihre Angriffe auf die Dschihadisten. Die Autonomieregion Kurdistan im Nordirak bat die Welt am Sonntag um Waffenlieferungen.
10.08.2014, 21:3112.08.2014, 08:13

«Wir bitten unsere Freunde, uns zu unterstützen und die notwendigen Waffen zur Verfügung zu stellen, um diese terroristischen Gruppen zu besiegen», zitiert das kurdische Nachrichtenportal Rudaw den Kurdenpräsidenten Massud Barsani am Sonntag in Erbil. Barsani betonte, dass die Verbündeten nicht für die Kurden kämpfen müssten. «Wir werden unseren eigenen Krieg führen.»

Der einflussreiche republikanische US-Senator John McCain unterstützte die Forderung der Kurden. In einem Interview des Senders CNN forderte er ausserdem Luftangriffe auf die IS-Terrormiliz nicht nur im Irak, sondern auch in Syrien.

US-Präsident Barack Obama warf er vor, ein «Vakuum amerikanischer Führerschaft» verursacht und damit zu der schlechten Entwicklung in der Region beigetragen zu haben.

Massaker an Jesiden

Im Irak hatte sich die Lage nach dem Vormarsch der IS-Extremisten in Gebieten nördlich und westlich der Stadt Mossul – wo zahlreiche Vertreter religiöser Minderheiten leben – vor einer Woche verschärft. Nach UNO-Angaben sind dort allein seit dem vergangenen Montag rund 200'000 Menschen vor den vordringenden IS-Kämpfern geflohen. Die meisten stammten aus christlichen und jesidischen Dörfern.

Die irakische Regierung warf den IS-Milizen am Sonntag Massenmord an den Jesiden im Norden des Landes vor. Der Minister für Menschenrechte, Mohammed Schia Al-Sudani, erklärte, die Extremisten hätten Angehörige der religiösen Minderheit lebendig in Massengräbern begraben, darunter auch Kinder.

Mindestens 500 Jesiden seien zudem getötet sowie etwa 300 Frauen versklavt worden, sagte Sudani der Nachrichtenagentur Reuters. Die Jesiden sind eine alte monotheistische Glaubensgemeinschaft, der vor allem Kurden angehören.

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Vornehmlich jesidische Familien waren noch am Sonntag bei Temperaturen von mehr als 40 Grad Celsius im Sindschar-Gebirge eingeschlossen. Die UNO-Mission im Irak schätzte deren Zahl am Samstag auf 15'000 bis 55'000. Seit Freitag gibt es nach kurdischen Angaben aber auch Rettungseinsätze.

Nach Informationen des kurdischen Nachrichtenportals Rudaw gelangten Tausende am Wochenende über einen zehn Kilometer langen Schutzkorridor über Syrien in die kurdische Autonomieregion – Aktivisten gingen von etwa 10'000 aus. Am Freitag konnten Peschmerga-Soldaten ebenfalls 10'000 Angehörige dieser monotheistischen Minderheit durch einen solchen Korridor retten.

Luftangriffe und Hilfslieferungen der USA

Die USA flogen am Samstag zum Schutz der Jesiden in der Sindschar-Region vier Luftangriffe. Am Sonntag folgten dann fünf weitere Schläge bei Erbil, bei denen Kampfjets und Drohnen eingesetzt wurden. 

Dem US-Zentralkommando zufolge verliefen alle Einsätze erfolgreich. US-Flugzeuge versorgten auch die in das Sindschar-Gebirge geflohenen Menschen mit Wasser und Lebensmitteln.

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Der «Washington Post» und «New York Times» zufolge eroberten kurdische Kräfte am Sonntag die etwa 35 Kilometer von Erbil entfernten Grenzstädte Al Kwair und Machmur zurück. 

Die Zeitungen beriefen sich dabei auf kurdische Beamte. «Es ist den Luftschlägen zu verdanken, dass wir zu Fortschritten fähig gewesen sind», zitierte die «Washington Post» Mahmud Hadschi, einen Beamten aus dem kurdischen Innenministerium.

Obama: Keine Bodentruppen

Obama bekräftigte am Wochenende, dass der Militäreinsatz der USA begrenzt sei und keine Bodentruppen in den Irak zurückkehren würden. Er mahnte die Iraker, dass die USA auch mit ihren militärischen Mitteln die Irakkrise letztlich nicht lösen könnten.

Nötig sei die Bildung einer Regierung, die die religiöse und gesellschaftliche Vielfalt im Irak widerspiegele. Er glaube nicht, «dass wir dieses Problem innerhalb von Wochen lösen können», sagte Obama mit Blick auf die IS-Miliz. «Es ist wird ein Langzeit-Projekt sein.» (mbu/sda/dpa/afp/reu)

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