Gesellschaft & Politik
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epa04266287 (FILE) A file picture dated 11 March 2009 shows the oil refinery in Baiji, Iraq. According to news reports on 19 June 2014, Sunni militants from the Islamic State in Iraq and the Levant (ISIL) continued to attack the oil refinery some 200 km north of Baghdad. The insurgents reportedly captured large parts of Iraq's largest oil refinery, after an onslaught that started a day earlier.  EPA/STR *** Local Caption *** 01977384

Um die Raffinerie in Baidschi wird seit Mitte Juni gekämpft. Bild: STR/EPA/KEYSTONE

Extremisten-Vormarsch im Irak

Neue Kämpfe um wichtige Ölraffinerie – ISIS zerstört Moscheen – Hinrichtungen in kurdischem Dorf



Die irakische Armee hat einen Angriff der sunnitischen Terrorgruppe ISIS auf die strategisch wichtige Ölraffinerie in dem Ort Baidschi abgewehrt. Bei stundenlangen Schusswechseln kamen zwölf ISIS-Kämpfer ums Leben. Dies hiess es am Samstag aus irakischen Sicherheitskreisen. Zu Opfern auf Seiten des Militärs gab es keine Angaben. 

ISIS-Milizen attackieren den Ort Baidschi rund 200 Kilometer nördlich von Bagdad seit Mitte Juni immer wieder. Dort liegen eine der wichtigsten Ölraffinerien des Landes und ein Kraftwerk, das Bagdad versorgt.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (ISIS) beherrscht im Irak und im benachbarten Bürgerkriegsland Syrien bereits mehrere wichtige Ölfelder. Nach ihrem Vormarsch im Norden und Westen im Irak sowie Geländegewinnen in Syrien hatte die Gruppe am vergangenen Sonntag einen grenzüberschreitenden islamischen Gottesstaat ausgerufen.

Kalifat verstösst gegen Scharia

Nach Einschätzung eines einflussreichen sunnitischen Geistlichen verstösst diese Ausrufung gegen das islamische Recht. Die Einführung eines grenzüberschreitenden Gottesstaats sei zwar wünschenswert, das Vorgehen der Extremisten sei aber nicht vereinbar mit der Scharia, erklärte der in Katar ansässige Prediger Jussef al-Karadawi am Samstag.

Der in Ägypten geborene Kleriker, der als graue Eminenz der dortigen Muslimbruderschaft gilt, warnte vor den «gefährlichen Folgen für die Sunniten im Irak und den Aufstand in Syrien».

In einer Erklärung der von al-Karadawi angeführten Union muslimischer Gelehrter hiess es, das Handeln der «Gruppe, die für ihre Gräueltaten und radikalen Ansichten bekannt ist, schadet dem islamischen Projekt». Einem Kalifat müsse die Gesamtheit der Muslime zustimmen. Der Titel könne nicht von einer einzigen Gruppierung beansprucht werden.

ISIS zerstört Moscheen und besetzt Kirchen

Im Norden des Iraks hat ISIS mehrere Moscheen und andere religiöse Einrichtungen von Schiiten und andersgläubigen Sunniten zerstört. ISIS stellte Fotos der Aktionen am Samstag ins Internet. Die Bilder zeigten unter anderem, wie ISIS-Kämpfer in der Stadt Mossul mindestens fünf Gebetsstätten und Grabmäler in die Luft sprengen oder mit Bulldozern dem Erdboden gleich machen.

A fighter of the Islamic State of Iraq and the Levant (ISIL) holds an ISIL flag and a weapon on a street in the city of Mosul in this June 23, 2014 file photo. To match Special Report IRAQ-SECURITY/MALIKI     REUTERS/Stringer/Files  (IRAQ - Tags: CIVIL UNREST POLITICS)

Ein ISIS-Kämpfer in Mossul. Bild: STRINGER/REUTERS

Anwohner bestätigten die Zerstörung. Nach ihren Angaben wurden zwei Kirchen von den Extremisten besetzt. «Wir sind sehr traurig über die Zerstörung dieser Schreine, die wir von unseren Vätern und Grossvätern geerbt haben», sagte Ahmed, ein 51-jähriger Bewohner von Mossul. 

Ein Mitarbeiter der chaldäischen Kirche von Mossul sagte, seine Kirche sowie die syrisch-orthodoxe Kirche seien von ISIS-Kämpfern besetzt worden, nachdem sie die Kirchen leer vorgefunden hätten. Die Islamisten hätten die Kreuze entfernt und durch ihre schwarze Flagge ersetzt.

Im Ort Tel Afar zerstörten sie mindestens vier Moscheen und ein Grabmal. Die ISIS-Kämpfer hätten die religiösen Stätten als «heidnische Tempel» bezeichnet, berichtete das irakische Nachrichtenportal «Al-Mada».

Exekutionen in kurdischem Dorf

Bei ihrem Vormarsch gehen die ISIS-Milizen weiter mit brutaler Härte vor. Im mehrheitlich von Kurden bewohnten Ort Zur Maghar richteten sie zehn Stammesführer und ältere Autoritäten hin. Die Opfer wurden erschossen oder aufhängt. Dies meldete die kurdische Nachrichtenagentur Bas News unter Berufung auf Augenzeugen. Drei der Opfer seien an einer Kreuzung an Pfählen hängen gelassen worden, um die Bevölkerung einzuschüchtern. (pbl/kub/ sda/dpa/afp)

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