DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Schauderhafte Überschrift: Eingang zum Lager in Auschwitz.
Schauderhafte Überschrift: Eingang zum Lager in Auschwitz.Bild: Uncredited/AP/KEYSTONE
«Ungarn-Aktion»

Mutmasslicher NS-Verbrecher: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen 93-Jährigen

Durch seine Arbeit soll er das systematische Morden unterstützt haben: Gegen einen 93-Jährigen mutmasslichen Freiwilligen der Waffen-SS wurde Anklage erhoben. Zwischen Mai und Juli 1944 soll er in Auschwitz beschäftigt gewesen sein. 
16.09.2014, 01:41
Ein Artikel von
Spiegel Online

Er soll im Jahr 1944 im Vernichtungslager Auschwitz zurückgelassenes Gepäck angekommener Häftlinge weggeschafft haben. Dabei muss ihm laut Staatsanwaltschaft Hannover bewusst gewesen sein, dass die als nicht arbeitsfähig eingestuften, überwiegend jüdischen Häftlinge nach der Ankunft in den Gaskammern ermordet wurden.

Nun ist der 93-jährige mutmassliche ehemalige Freiwillige der Waffen-SS wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 300'000 Fällen angeklagt worden. Durch seine Arbeit habe er das systematische Morden unterstützt.

Über die Eröffnung des Verfahrens muss nun die zuständige Schwurgerichtskammer des Landgerichts Lüneburg entscheiden. Bei der Staatsanwaltschaft Hannover, die in Niedersachsen für die Verfolgung von NS-Verbrechen zuständig ist, waren insgesamt vier Ermittlungsverfahren gegen SS-Angehörige aus dem Lager Auschwitz anhängig. Drei seien wegen Todes oder dauerhafter Verhandlungsunfähigkeit der Verdächtigen eingestellt worden.

Arbeit an der Bahnrampe

In dem aktuellen Fall lägen bereits 16 Anträge von Überlebenden und Angehörigen der Opfer der sogenannten «Ungarn-Aktion» vor. Weitere seien angekündigt. Der angeklagte 93-Jährige soll zwischen Mai und Juli 1944 während der «Ungarn-Aktion» in Auschwitz an der Bahnrampe im Lagerabschnitt Birkenau beschäftigt gewesen sein.

«Der Angeklagte soll nicht nur das Gepäck weggeschafft und damit Spuren für nachfolgende Häftlinge verwischt haben, sondern auch dem Gepäck entnommenes Geld an die zuständige SS-Behörde in Berlin weitergeleitet haben.»

Die Anklage sei wegen der Rechts- und Beweislage auf diesen Zeitraum eingeschränkt worden. Zwischen dem 16. Mai und dem 11. Juli 1944 trafen in Auschwitz-Birkenau 137 Eisenbahntransporte mit rund 425'000 Menschen aus Ungarn ein. Der Anklage zufolge wurden mindestens 300'000 von ihnen in den Gaskammern getötet. Der Angeklagte soll nicht nur das Gepäck weggeschafft und damit Spuren für nachfolgende Häftlinge verwischt haben, sondern auch dem Gepäck entnommenes Geld an die zuständige SS-Behörde in Berlin weitergeleitet haben.

Neue Beweise

Frühere Ermittlungen gegen den Mann hatte die Staatsanwaltschaft Frankfurt 1985 wegen Mangel an Beweisen eingestellt. Das neue Verfahren beruht auf Vorermittlungen der Zentralstelle für NS-Verbrechen in Ludwigsburg bei Stuttgart. Diese hatten im Februar bundesweit zu zahlreichen Durchsuchungen von Wohnungen ehemaliger SS-Angehöriger geführt. Mehrere Ermittlungsverfahren mussten jedoch eingestellt werden, weil die Beschuldigten nicht mehr verhandlungsfähig sind. (kad/dpa)

Jetzt auf
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Stempelsteuer, hä? – Wir erklären dir die Abstimmung in 150 Sekunden
Die Abstimmung im Februar 2022 braucht viel Fachwissen: Bei der Abschaffung der Emissionsabgabe auf Eigenkapital gehts um komplexe Dinge. Unser Erklärvideo fasst das Wichtigste zusammen.

Am 13. Februar 2022 findet in der Schweiz die erste Abstimmung des Jahres statt. Dabei muss sich das Stimmvolk unter anderem auch mit der Stempelsteuer oder der Stempelabgabe befassen. Ein kompliziertes Thema mit einem komplizierten Namen: Wir sagen dir deshalb im Erklärvideo, worum es wirklich geht.

Zur Story