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Menschenrechte in Saudi Arabien

Auspeitschung, Hinrichtungen und ein Testspiel von Bayern München: Saudi Arabien hat ein klitzekleines Imageproblem



epa04545123 A picture made available 02 January 2015 and dated 22 June 2008 shows  the Saudi King Abdullah bin Abdul Aziz during the opening of Jeddah Energy Meeting in Jeddah, Saudi Arabia. Saudi King Abdullah bin Abdul Aziz, who was admitted to a hospital in Riyadh earlier this week, has been diagnosed with pneumonia, the royal court said on 02 January 2015.  EPA/ALI HAIDER

Der Saudische König Abdullah bin Abdul Aziz in einer Aufnahme von 2008.  Bild: EPA

Saudi Arabien weht ein harter Wind entgegen. Die selbsternannte arabische Grossmacht hat sich in den letzten Tagen mit der Auspeitschung des Bloggers Raif Badawi und der Hinrichtung einer Burmesin nicht nur bei Menschenrechtsbeobachtern weiter ins Abseits manövriert, sondern auch auf dem politischen Parkett für rote Köpfe gesorgt. 

Gleichzeitig hat sich auch der FC Bayern ein ernsthaftes Imageproblem eingebrockt. Wie das zusammenhängt? Nach einem Trainingslager in Katar und einem Freundschaftsspiel in Saudi Arabien hat ein Vereinsmitglied des deutschen Rekordmeisters eine wütende Anklage gegen den Vorstand verfasst und im Netz veröffentlicht. 

Testspiele in einem Land, in dem Menschenrechte eklatant missachtet werden, stünden dem FCB als Vorzeigeklub nicht gut zu Gesicht, so der anonyme Blogger. Ein gefundenes Fressen für die Presse.

Die Auspeitschung des Bloggers Raif Badawi

epa04561124 Amnesty International stages a protest demanding the immediate release of Saudi blogger, Raif Badawi, in front of the Saudi Embassy, The Hague, The Netherlands, 15  January 2015. According to media reports Badawi was arrested, charged and received a 226'000 Euro fine, ten years in jail and one thousand lashes for creating the website Free Saudi Liberals and allegedly inisulting Islam, receiving his first 50 lashes, 13 January 2015.  EPA/MARTIJN BEEKMAN

Demonstration gegen das Urteil gegen den Blogger und Menschenrechtsaktivisten Raif Hadawi vor der Saudi Arabischen Botschaft in Den Haag. Bild: EPA/ANP

Der Blogger und Aktivist Raif Badawi wurde 2012 wegen Verunglimpfung des Islams zu einer Haftstrafe von zehn Jahren, einer Busse von umgerechnet 200'000 Franken und zu 1000 Peitschenhieben, verteilt auf 20 Wochen, verurteilt. Vor zwei Wochen führten die Behörden die öffentliche Auspeitschung erstmals durch. Gemäss Medienberichten wurde Badawi dabei schwer verwundet.

Saudi Arabien und die Menschenrechte

Dass die autoritär regierende saudische Herrscherfamilie Menschenrechte mit Füssen tritt, ist nichts neues. Frauen werden unter dem ultraorthodoxen und von der Scharia inspirierten Rechtssystem ebenso konsequent ausgegrenzt und drangsaliert wie ausländische Arbeiter, kritische Journalisten, Oppositionelle und Menschenrechtsaktivisten. 
Die Appelle der Aktivisten verhallen jedoch meistens ungehört. Sowohl die USA, als auch die europäische Union pflegen seit Jahrzehnten gute Beziehungen zum saudischen Königshaus. Wirtschaftliche Interessen sowie sicherheitspolitische Überlegungen wiegen für die westlichen Demokratien schwerer, als Menschenrechtsverletzungen. 

Die zweite Tranche der Strafe war für den 16. Januar angesetzt. Nach einer vorangehenden Inspektion gaben Ärzte bekannt: Aus «gesundheitlichen Gründen» sei eine weitere Auspeitschung nicht möglich, das Risiko einer tödlichen Verletzung zu hoch. Gleichzeitig sickerte durch, dass der Saudische Herrscher König Abdullah persönlich den Fall Badawi ans Oberste Gericht weitergeleitet hat. Wie es mit Badawi weitergeht ist unklar. Eigentlich wäre für den kommendenn Freitag der nächste Termin seiner öffentlichen Auspeitschung angesetzt.

Derweil ebbt die Solidaritätswelle für den 31-Jährigen nicht ab: Auf Demonstrationen und in sozialen Medien protestieren Zehntausende gegen die menschenrechtswidrige Behandlung Badawis.

Twitter

Hinrichtung einer Burmesin

Vergangene Woche hat die öffentliche Hinrichtung einer Burmesin für einen internationalen Aufschrei gesorgt. Layla bint Abdul Mutaleb Bassim wurde in Mekka wegen der angeblichen Tötung ihrer sechsjährigen Tochter geköpft. Trotz internationalen Protesten und der Beteuerung von Bassim, unschuldig zu sein, vollstreckten die Saudi-Arabischen Behörden das Todesurteil.

Im Land selber erhoben sich nach der Hinrichtung zahlreiche kritische Stimmen – allerdings nicht, weil das Todesurteil als solches angezweifelt worden wäre, sondern weil Videoaufnahmen der Enthauptung im Internet kursierten. Aufnahmen der in der Öffentlichkeit stattfindenden Hinrichtungen sind strengstens untersagt. 

Saudi Arabien hat eine der höchsten Hinrichtungsraten weltweit. 2014 wurden 87 Todesurteile vollzogen, im Jahr zuvor 78. Im laufenden Jahr sind bereits zehn Menschen durch die Hand des Staates getötet worden.

Members of Magic Movement, a group of young Bangladeshis, stage a mock execution scene in protest of Saudi Arabia beheading of eight Bangladeshi workers in front of National Museum in Dhaka October 15, 2011. Eight Bangladeshi migrants have been beheaded in the Saudi Arabian capital Riyadh in public on October 7, as they were sentenced to death for the alleged murder of an Egyptian man in April 2007, an interior ministry of Saudua Arabia statement said. REUTERS/Andrew Biraj (BANGLADESH - Tags: POLITICS CRIME LAW) - RTXXS1J

Saudi Arabien hat hinter Iran und Irak die dritthöchste Hinrichtungsrate weltweit – Protestaktion gegen die Hinrichtung von acht Arbeitern aus Bagladesh im Jahr 2011. Bild: © Andrew Biraj / Reuters/REUTERS

Bayern München setzt sich mit einem Testspiel in die Nesseln

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In der Winterpause zieht es die grossen Klubs traditionell in sonnige Gefilde. Der deutsche Rekordmeister Bayern München hat sich heuer für einen Abstecher nach Saudi Arabien entschieden. Eine Entscheidung, die die Vereinsoberen wohl bald bereuen dürften.

Vergangenen Samstag postete ein Vereinsmitglied einen offenen Brief auf Twitter. Darin wirft er dem Vorstand vor, mit der Anwesenheit des Vereins zwecks eines Freundschaftsspiel «die Politik Saudi Arabiens zumindest zu legitimieren.» 

twitter

Falls der FC Bayern nicht in einer Stellungnahme zeige, «dass der Verein sich seiner konkreten moralischen Verpflichtung zu diesen Themen bewusst ist», werde er, so der anonyme Urheber des Briefes seine Vereinsmitgliedschaft kündigen.

Der Brief hat es mittlerweile bis in die Spalten der «Zeit» geschafft. Eine Antwort seitens des Vorstands steht zu diesem Zeitpunkt noch aus. (wst)

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