Gesellschaft & Politik
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Pakistani volunteers carry a student injured in the shootout at a school under attack by Taliban gunmen, at a local hospital in Peshawar, Pakistan,Tuesday, Dec. 16, 2014. Taliban gunmen stormed a military school in the northwestern Pakistani city, killing and wounding dozens, officials said, in the latest militant violence to hit the already troubled region. (AP Photo/Mohammad Sajjad)

Zivile Hilfskräfte bringen einen verwundeten Schüler in Sicherheit. Bild: Mohammad Sajjad/AP/KEYSTONE

Angriff auf Schule in Nordpakistan

Pakistanische Polizei erklärt Taliban-Attacke für beendet – mehr als 130 Tote

Kämpfer der Taliban haben eine Schule in Pakistan gestürmt. Bei einem Schusswechsel wurden mindestens 130 Menschen getötet, darunter 84 Kinder und alle Attentäter. Hunderte Schüler und Lehrer befanden sich während mehrere Stunden in der Gewalt der Terroristen. 

Ein Artikel von

Spiegel Online

Überblick über die Ereignisse:

Pakistan wurde am Dienstag von einem der verheerendsten Terroranschläge seit Jahren erschüttert. Talibankämpfer haben in der Stadt Peschawar eine Schule gestürmt. Bei dem Angriff und Gefechten mit Sicherheitskräften wurden nach Angaben der Regierung mindestens 126 Menschen getötet. Unter den Opfern seien 84 Kinder, sagte Pervez Khattak, Chef der Provinzregierung in Peschawar. 

Über die Zahl der Angreifer herrschte Unklarheit. Zunächst wurde von sechs Taliban gesprochen, später gingen die Behörden von acht bis zehn Extremisten aus.

Die Terroristen sollen den Teil der Schule gestürmt haben, in dem Grundschüler von der ersten bis zur sechsten Klasse unterrichtet werden, hiess es aus Sicherheitskreisen in Peschawar. Zum Zeitpunkt des Angriffs sollen Prüfungen in der Aula stattgefunden haben. «Sie haben sofort angefangen, mit automatischen Waffen zu schiessen», sagte ein Schüler, der fliehen konnte. 

Die Gruppe Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) hat die Verantwortung für den Angriff übernommen. «Wir haben Scharfschützen und Selbstmordattentäter in dem Gebäude», sagte TTP-Sprecher Muhammad Khorasani. «Es ist eine Armeeschule, und die pakistanische Armee steckt mit unseren Feinden unter einer Decke», sagte er Spiegel Online am Telefon. 

«Alle sind bereit, im Kampf zu sterben»

erklärte er und deutete an, dass einige von ihnen Sprengstoffwesten trügen. «Sie haben den Auftrag, nur auf die älteren Schüler zu schiessen, nicht auf die Kinder

Das pakistanische Militär führt seit Juni im Bundesstaat Nord-Waziristan eine Offensive gegen die Taliban aus. Es wird vermutet, dass der Angriff auf die Schule eine Vergeltungsmassnahme der Taliban darstellt.



Mehrere Explosionen

Augenzeugen berichteten, dass die Männer am Vormittag mit Gewehren im Anschlag über einen Friedhof auf der Rückseite der Schule in das Gebäude gestürmt seien. «Sie haben ein Auto in Brand gesteckt und sofort das Feuer eröffnet», sagte ein Beobachter im pakistanischen Fernsehen. «Dabei haben sie, soweit ich das sehen konnte, mehrere Kinder verletzt.» Andere berichten von zwei Explosionen. 

Taliban-Attacke Pakistan

Kinder von Armeeangehörigen

Das pakistanische Militär betreibt die Schule in der nordwestpakistanischen Stadt. Die meisten Schüler sind Kinder von Armeeangehörigen. Offenbar wählten die Taliban deshalb dieses Ziel. Auch das Datum hat für Pakistan eine besondere Bedeutung: Am 16. Dezember 1971 kapitulierte die Armee, das Rückgrat des Staates, im Bangladesch-Krieg mit Indien

epa03034552 A picture made available on 15 December 2011 shows masked Pakistani Taliban militants during exercises in lawless Pakistan-Afghanistan border area of Laddah in South Wazirsitan tribal agency, Pakistan, 11 December 2011. Reports state that Pakistan is under intense pressure to eliminate sanctuaries of Taliban and al-Qaeda fighters in its tribal region, as militants respond by intensifying attacks on security and government installations across the country.  EPA/SAOOD REHMAN

Taliban-Kämpfer (Archivbild). Bild: EPA

Soldaten haben das Gelände umstellt. Einige Kinder konnten aus dem Schulgebäude fliehen. «Als wir nach draussen rannten, sahen wir die Leichen unserer Schulkameraden auf den Fluren liegen», sagte ein Augenzeuge der pakistanischen Zeitung «Dawn». Pakistans Ministerpräsident Nawaz Sharif verurteilte den Anschlag. Die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen, sagte der Regierungschef.

Der Angriff begann laut Al-Jazeera um 11 Uhr Ortszeit. 

Peschawar, Pakistan google maps

(syd/AFP/Reuters)

Update folgt

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5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Squalli 16.12.2014 15:42
    Highlight Highlight Ernest Hemingway hat mal geschrieben: "Die Welt ist so schön und wert, dass man um sie kämpft."
    Dem zweiten Teil stimme ich zu... :(
    0 0 Melden
  • 足利 義明 Oyumi Kubo 16.12.2014 12:47
    Highlight Highlight Wie geistig und seelisch verwahrlost muss jemand sein, solchen Wahnsinn zu machen und dann noch stolz darauf sein?

    26 0 Melden
    • stiberium 16.12.2014 13:58
      Highlight Highlight Die Taten von Extremisten erfüllen Zwecke. Da spielen Gefühle keine Rolle. Die Kämpfer wissen ja bereits dass sie sterben werden. Mit der Aussicht auf ein Leben nach dem Tod im Paradies und dem Gedanken als Märtyrer von seinen Leuten gefeiert zu werden kann ich mir vorstellen, dass diese Individuen sogar sehr stolz sind.

      Mein Beileid den Opfern und deren Angehörigen. Leider werden wir uns an solche Meldungen gewöhnen müssen.

      Dennoch dürfen wir den Glauben an das Gute nicht verlieren denn sonst begeben wir uns auf deren Niveau.

      Fröhliche Weihnachten.
      10 2 Melden
    • 足利 義明 Oyumi Kubo 16.12.2014 15:57
      Highlight Highlight Danke Stiberium! Weise Worte.
      3 0 Melden
    • smoe 16.12.2014 21:13
      Highlight Highlight Ich denke es geht tiefer, als nur die Erfüllung eines Zwecks und dass Gefühle keine Rolle spielen. Klar, im Krieg stumpfen Menschen ab, aber diese Kämpfer glauben wohl aufrichtig daran für das Gute einzustehen, das Richtige zu tun. Ich könnte mir gut vorstellen, dass ihnen gesagt wurde, sie würden die Kinder von ihren sündigen Eltern befreien.

      Klingt abwegig, aber z.B. der amerikanische Theologe William Craig rechtfertigt genau so den im alten Testament beschriebenen Genozid an den Kanaanitern: Die Kinder kamen für ewig ins Paradies – die Bemitleidenswerten seien die Soldaten, die sie im Namen Gottes töten mussten.

      Deshalb glaube ich auch nicht an den Glauben an das Gute. Solange Kindern überall auf der Welt bestimmte Doktrine und Ehrfurcht vor Autoritäten, die diese auslegen, eingetrichtert wird, wird sie die Menschheit nicht weiterentwickeln können.
      1 0 Melden

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