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«Foreign Fighters» aus der Schweiz – ohne Kurden und Christen. grafik: ndb

Bruderkrieg auf fremdem Boden

Schweizer gegen Schweizer: Wiederholt sich in Syrien eines der dunkelsten Kapitel unserer Geschichte?



Die Wahrscheinlichkeit ist gering, aber sie besteht: Im syrischen Bürgerkrieg könnten Kämpfer aus der Schweiz aufeinandertreffen. Jene in den Reihen des IS gegen ihre Landsleute im christlich-kurdischen Lager. Bruderkrieg nennt man das.

Der Nachrichtendienst des Bundes geht per Januar 2015 von 23 Dschihadisten mit rotem Pass oder Schweizer Niederlassung aus, die sich in Syrien oder im Irak aufhalten. In dieser Zahl allerdings nicht erfasst sind Personen, die gegen den IS kämpfen. Diese könnten gemäss inoffiziellen Schätzungen sogar in der Überzahl sein.

In diese Kategorie fallen Freiwillige der Kurdenmiliz YPG. Die SonntagsZeitung schätzte ihre Zahl Ende 2014 auf 40 bis 50. Dazu kommen Schweizer aramäischer-assyrischer Abstammung, die im Militärrat der Suryoye (MFS) kämpfen, einem Verbündeten der YPG. 20 Minuti  berichtete 2013 von rund 10 Personen.

Bekannte Schweizer «Foreign Fighters»

Der Tessiner Johan Cosar, Kampfname «Omid» («Hoffnung») ist MFS-Kommandant und in den Medien sehr präsent, zuletzt porträtierte ihn die ARD in einer Reportage. Der frühere Instruktor der Schweizer Armee mit aramäisch-assyrischen Wurzeln reiste 2012 nach Syrien, um bei der Verteidigung der christlichen Minderheit im Nordosten gegen den IS zu helfen. Seither ist er nicht mehr in der Schweiz gewesen.

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Reportage über Johan Cosar. video: youtube/ard

Assyrer, Aramäer, Suryoye

«Assyrer» und «Aramäer» bezeichnen Teile der christlichen Volksgruppen im Nahen Osten, insbesondere in Syrien. Assyrer sind im engeren Sinn die Angehörigen der «Assyrischen Kirche des Ostens», im weiteren Sinn sämtliche Christen syrischer Tradition und im weitesten Sinn jene Christen, die als liturgische Sprache das Aramäische (die Sprache Jesu Christi) verwenden. Die syrischen Christen werden oft auch «Aramäer», «Assyro-Chaldäer» und «Chaldo-Assyrer» genannt. Sie selbst nennen sich «Suryoye» (Syrer).

Auch in den Reihen der Terroristen scheint ein Schweizer Karriere gemacht zu haben. Ein Waadtländer mit dem Kampfnamen «Abu Suleiman al-Suisseri» befehligt laut Le Temps die «Französische Brigade», die aus 20 bis 50 frankophonen Dschihadisten besteht. Im Dezember machte er von sich reden, weil er ein Bild von einem Bombengürtel mit Schweizer Pass twitterte. 

«Foreign Fighters» aus der Schweiz

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«Foreign Fighters» aus der Schweiz
quelle: twitter
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Brudermassaker in Malplaquet

Sollten sich die beiden auf dem Schlachtfeld begegnen – es wäre leider nicht der erste solche Fall in der Geschichte. In der «Blütezeit» der Söldnerheere kämpften Schweizer in praktisch allen europäischen Kriegen, und davon gab es bekanntlich viele. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis Eidgenossen aufeinandertrafen

Es ist kein schlimmerer Krieg als Bruderkrieg.

deutsches sprichwort

Zu einem wahren Brudermassaker kam es während des Spanischen Erbfolgekrieges. In der Schlacht bei Malplaquet zwischen Frankreich und Holland 1709 standen auf beiden Seiten tausende Schweizer Söldner. Am Abend des 11. Septembers waren 8000 von ihnen gefallen. Die Empörung zuhause war enorm und die Tagsatzung beschloss Massnahmen, um ähnliche Tragödien zu verhindern. Bis zur Schlacht von Bailén 1808 zwischen Frankreich und Spanien kämpften Schweizer nicht mehr gegeneinander. 

Auch im 20. Jahrhundert standen sich Schweizer auf fremdem Boden gegenüber. Im Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) schlossen sich rund 800 den Internationalen Brigaden an, welche auf der Seite der Republik kämpften. Weniger bekannt, aber historisch belegt ist, dass auch Dutzende Schweizer in den Reihen Francos dienten. Ob es je zu einem Aufeinandertreffen kam, ist nicht überliefert.

Bundesanwaltschaft verfolgt Heimkehrer

Mit einer strafrechtlichen Verfolgung müssen grundsätzlich alle «Foreign Fighters» rechnen, die in die Schweiz zurückkehren. Artikel 94 des Militärstrafgesetzbuches (MStG) verbietet den Eintritt in fremde Militärdienste. Dschihadisten können zusätzlich wegen Mitgliedschaft in einer verbotenen Organisation (IS, Al-Kaida) belangt werden.

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