Gesellschaft & Politik
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epa04198577 Nigerian students from the University of Ibadan protest over the government's failure to rescue the abducted Chibok school girls, in Ibadan, Nigeria 09 May 2014. A total of 276 girls were abducted from their school in Nigeria last month by the terror group Boko Haram. None of the girls have been found to date. Nigeria's security forces ignored warnings of a planned raid on the state-run boarding school from which more than 200 girls were abducted by Islamist extremist sect Boko Haram, Amnesty International said 09 May. The teenage girls were abducted on April 14 from a boarding school in the town of Chibok, about 130 kilometres from Borno state capital Maiduguri.  EPA/STR

Bild: EPA/EPA

Blutige Anschläge

Viertelmillion Menschen in Nigeria auf der Flucht vor Gewalt 

Angst vor Gewalt vertreibt laut Uno-Angaben Hundertausende Menschen in Nordnigeria aus ihren Häusern. Die Islamisten von Boko Haram führen dort einen blutigen Feldzug und haben Hunderte Mädchen entführt. Doch auch gegen die Regierung werden schwere Vorwürfe erhoben.

Ein Artikel von

Spiegel Online

Der blutige Konflikt im Norden Nigerias fordert immer neue Opfer. Mutmaßliche Mitglieder der islamistischen Extremistengruppe Boko Haram haben laut einem Zeitungsbericht eine Brücke gesprengt und mindestens 30 Menschen getötet. Der Anschlag ereignete sich in dem Dorf Gamboru Ngala an der Grenze zu Kamerun, wie die Zeitung "Punch" berichtet. Dort hatte Boko Haram erst vor wenigen Tagen mehr als 300 Menschen ermordet und elf Mädchen entführt.

Nach Angaben des Uno-Flüchtlingshilfwerks (UNHCR) sind in den drei nordnigerianischen Bundesstaaten 250.000 Menschen auf der Flucht vor Gewalt. Rund 61.000 weitere hätten sich in die Nachbarländer Kamerun, Tschad und Niger begeben, teilte die Uno unter Berufung auf nigerianische Behördenangaben mit. Die Binnenflüchtlinge und die Vertriebenen berichteten demnach von extremer Gewalt und Brutalität.

Schon seit einem Jahr gilt in den drei muslimisch geprägten Bundesstaaten der Ausnahmezustand. Unter anderem kämpft dort die Boko Haram für einen Gottesstaat auf Grundlage der Scharia. Die Armee des Landes hatte im vergangenen Mai eine Offensive gegen die Gruppe in den Bundesstaaten Yobe, Borno und Adamawa gestartet. Unter Kontrolle haben die Truppen die Region aber nicht gebracht.

Der Uno-Sicherheitsrat verurteilte am Freitag das blutige Vorgehen der Boko Haram als Gefahr für die Stabilität in West- und Zentralafrika. Besonderes Aufsehen hatte vor einigen Wochen die Entführung von mehr als 300 Schülerinnen in Chibok im Staat Borno erregt. 53 von ihnen konnten mittlerweile entkommen, doch 276 sollen sich immer noch in Gefangenschaft der Extremisten befinden. In einem Bekennervideo hieß es, sie sollten als Sklavinnen verkauft werden.

Karte: Nigeria

«Barack und ich sehen in ihnen unsere eigenen Töchter »

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erhebt in diesem Fall schwere Vorwürfe gegen das nigerianische Militär. Die Sicherheitskräfte seien bereits Stunden vor dem Überfall auf die Schule vor der bevorstehenden Attacke gewarnt worden und hätten die Entführung der Mädchen womöglich verhindern können.

Die Experten von Amnesty berufen sich auf Informationen aus mehreren Interviews mit Militärs, die unabhängig geprüft worden seien. Demnach hätten beispielsweise Zivilpatrouillen im Nachbarort Gagilam Alarm geschlagen, als eine große Gruppe bewaffneter Männer auf Motorrädern durch ihr Dorf kam und angab, sie wären unterwegs nach Chibok. Trotzdem habe niemand der Polizei in Chibok und den dort stationierten 17 Soldaten Verstärkung geschickt, teilte die Menschenrechtsorganisation mit.

US-Präsidentengattin Michelle Obama zeigt sich derweil schockiert über die Entführung der Schülerinnen. "Barack und ich sehen in diesen Mädchen unsere eigenen Töchter", sagte die Frau von Barack Obama in einer Botschaft zum Muttertag. Dazu nutzte sie die wöchentliche Rundfunkansprache, die ansonsten stets ihr Mann hält. "Wir sehen ihre Hoffnungen, ihre Träume - und wir können uns die Qualen vorstellen, die ihre Eltern jetzt durchmachen", sagte die Präsidentengattin, die zuvor schon auf Twitter gegen die Entführungen protestiert hatte.

Das Verbrechen hätten Terroristen begangen, die den Mädchen Schulbildung verweigern wollten, sagte Obama. Viele Eltern in Nigeria zögerten, ihre Kinder zur Schule zu schicken, weil sie Angst hätten, dass ihnen etwas zustoße. Was in Nigeria geschehe, sei aber kein Einzelfall. Weltweit gingen 65 Millionen Mädchen nicht in die Schule, sagte die First Lady. Ihr Ehemann habe der Regierung in Nigeria jede Hilfe angeboten, um die Mädchen zu finden und nach Hause zu bringen. (stk/dpa)



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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 11.05.2014 11:33
    Highlight Highlight "One child, one teacher, one pen and one book can change the world"
    So der Abschlusssatz von Malala Yousafzai bei der Rede vor der UN, in der sie sich für Bildung einsetzt. Neun Monate zuvor haben ihr die Taliban eine Kugel in den Kopf gejagt mit dem Versuch, sie zum Schweigen zu bringen. Terrororganisationen haben Angst vor Büchern und Stiften. Die Macht der Bildung ängstigt sie!
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