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Wie ein Wunder in der Landschaft

Denkmal für Breivik-Opfer: Angehörige wollen nicht täglich an den schlimmsten Tag ihres Lebens erinnert werden

Bild: Keystone



Als Anders Behring Breivik vor knapp vier Jahren im friedlichen Norwegen 77 Menschen tötete, sass der Schock tief. Nun soll im Gedenken an das Massaker auf der Insel Utöya eine Schneise in eine benachbarte Insel geschlagen werden, symbolisch für die Wunde, die der Rechtsextremist den Opfern, ihren Angehörigen und dem Land zufügte. Doch die geplante Gedenkstätte «Memory Wound» sorgt für Ärger. 

«Von Beginn des Verfahrens 2012 an wurden wir, die am meisten betroffen sind, im Dunkeln gelassen. Es ist arrogant, die Namen der Kinder zu benutzen, ohne uns zu fragen. Obwohl sie tot sind, sind sie noch immer unsere Kinder.»

Der schwedische Landschaftskünstler Jonas Dahlberg will einen dreieinhalb Meter tiefen Spalt in eine kleine Landzunge gegenüber der Insel graben, wo Breivik am 22. Juli 2011 69 Menschen erschoss, nachdem er in Oslo acht Menschen mit einer Bombe getötet hatte. 

CORRECTS WHERE THE EXCAVATION WILL BE MADE In this image made available the Jonas Dahlberg Studio on Thursday March 6, 2014  shows an illustration  artwork from Swedish artist Jonas Dahlberg who is the winner of the competition of 22 July Memorial in Norway. Artist  Dahlberg proposes cutting a one thousand cubic meter slice out of the rock, from the mainland at Soerbraaten near Utoya site of the mass killings of  Anders Behring Breivik leaving a permanent scar on the landscape. The rubble collected will then be taken to the site where Breivik detonated a bomb in central Oslo, where it will be used first to build a temporary memorial walk and then later form part a permanent amphitheatre, titled

Bild: Keystone

Inzwischen ist es recht ruhig geworden um Breivik, der in einem Gefängnis bei Oslo eine Haftstrafe von 21 Jahren absitzt. Seine Taten aber beschäftigen noch heute das Land. 

An einer Seite der symbolischen Wunde will Dahlberg die Namen der Opfer eingravieren, auf der anderen Seite eine Besuchergalerie installieren. Die Begeisterung war gross, als der Vorschlag Ende Februar das Rennen machte. Wie «eine Wunde oder ein Schnitt in der Landschaft», symbolisiere dies, «dass etwas weggenommen wurde», hiess es bei der Auswahljury. Doch seither wächst die Kritik. 

Das Recht auf die Namen der Kinder 

«Ich bin nicht gegen die Gedenkstätte als solche», sagt Vanessa Svebakk, Mutter des mit 14 Jahren jüngsten Opfers. «Doch wie es ausgewählt wurde und der Ort sind ein Problem für mich.» Mit anderen Angehörigen fordert sie, das Projekt gründlich zu überarbeiten. 

«Es fällt uns ein bisschen schwer zu akzeptieren, dass wir für den Rest unseres Lebens jeden Tag an den 22. Juli erinnert werden.»

«Von Beginn des Verfahrens Ende 2012 an wurden wir, die am meisten betroffen sind, im Dunkeln gelassen. Es ist arrogant, die Namen der Kinder zu benutzen, ohne uns zu fragen. Obwohl sie tot sind, sind sie noch immer unsere Kinder.» Es komme nicht in Frage, den Namen ihrer Tochter dort anzubringen, ein paar hundert Meter entfernt von der Stelle, wo sie starb, sagt Svebakk.

Auch bei Nachbarn der geplanten Gedenkstätte regt sich Widerstand. «Es fällt uns ein bisschen schwer zu akzeptieren, dass wir für den Rest unseres Lebens jeden Tag an den 22. Juli erinnert werden», sagte Anwohner Ole Morten Jensen dem öffentlichen Sender NRK. «Ich brauche solche Mahnungen nicht. Ich habe auch so schon genug Erinnerungen.» 

epa04112253 An undated handout released by Jonas Dahlberg studio on 06 March 2013 shows a photograph of an illustration of the artwork from Swedish artist Jonas Dahlberg. On 27 February was announced that the artwork project by Jonas Dahlberg won the competition '22 July Memorial sites'. The scar in the nature that can be seen in the illustrations will be excavated on the mainland at Soerbraaten near Utoya where 68 people lost their lives on 22 July 2011.  EPA/JONAS DAHLBERG STUDIO / HANDOUT NORWAY OUT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY

Bild: Keystone

Kontroverse um die Wirkung 

Gegner starteten eine Kampagne auf Facebook, die schon fast 900 Mitglieder zählt. Manche verurteilen das Projekt als «Vergewaltigung der Natur» und «Touristenattraktion», die zudem zur Pilgerstätte für Breivik-Bewunderer werden könnte. Der Geologe Hans Erik Foss Amundsen betonte, das Felsgestein an der gewählten Stelle sei porös und könnte mitsamt den Namen der Opfer ins Meer abbröckeln. 

Die Befürworter des Mahnmals, das am 22. Juli 2015 eingeweiht werden soll, zeigen sich trotzdem zuversichtlich. «Öffentliche Kunst ruft immer eine Vielfalt von unterschiedlichen Sichtweisen hervor, vor allem bei einem Werk, das an ein Drama wie Utöya erinnert», sagte Svein Björkaas, Direktor der norwegischen Organisation für öffentliche Kunst Koro. «Aber die Erfahrung lehrt, dass die Kritik nach einer gewissen Zeit abnimmt.» 

«Unsere Aufgabe ist es, einen Ort der Erinnerung zu schaffen, und nicht einen Ort des Vergessens.»

Technische Störungen im Untergrund

Der Jury-Vorsitzende Jörn Mortensen wies die Vorwürfe zurück: «Der Ort der Gedenkstätte war von Anfang an vom Staat vorgegeben. Der Vize-Vorsitzende der Gruppe der Opferfamilien war Mitglied des Auswahlkomitees.» Die Opfer könnten auch anonym bleiben, betonte er. 

Für Probleme mit porösem Untergrund gebe es «technische Lösungen», sagt Mortensen. «Unsere Aufgabe ist es, einen Ort der Erinnerung zu schaffen, und nicht einen Ort des Vergessens.» (jas/sda/afp) 

Hier lesen Sie mehr zum Denkmal auf Utöya

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