Gesellschaft & Politik
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A pro-Russian separatist inspects a car at a check point outside the village of Kreminets near the city of Donetsk, eastern Ukraine September 4, 2014. REUTERS/Maxim Shemetov (UKRAINE - Tags: POLITICS CIVIL UNREST CONFLICT MILITARY TRANSPORT)

Pro-russische Separatisten kontrollieren an einem Checkpoint in Kreminets, in der Nähe von Donetsk, Automobilisten. Bild: MAXIM SHEMETOV/REUTERS

Ukraine-Bericht von Human Rights Watch

Es reicht schon ein Bier auf der Strasse: Separatisten bestrafen Zivilisten mit wochenlanger Zwangsarbeit

Human Rights Watch erhebt schwere Vorwürfe gegen die Separatisten in der Ostukraine. Bürger würden für kleinste Vergehen zu wochenlanger Zwangsarbeit verpflichtet – es reiche schon ein Bier auf der Strasse. 

Ein Artikel von

Spiegel Online

Nach dem Bericht von Human Rights Watch (HRW) zwingen die Separatisten in der Ostukraine Zivilisten zu mehrwöchigen Arbeitseinsätzen. Kleinste Verstösse gegen die öffentliche Ordnung würden als Vorwand genommen, um Zwangsarbeiter einzusetzen, berichtet die Menschenrechtsorganisation. 

Es geht um sogenannte Strafbrigaden. Die dort eingesetzten Bürger würden in manchen Fällen geschlagen und misshandelt. HRW spricht von mehreren Vorkommnissen, in denen solche Zwangsarbeiter an Checkpoints nahe der Front eingesetzt worden seien – wo sie dem Risiko von Beschuss der Regierungstruppen ausgesetzt waren. Hugh Williamson, Regionaldirektor bei HRW, spricht von «schwerwiegenden Verstössen gegen das Kriegsrecht». 

Der Bericht wurde am Freitagmorgen veröffentlicht. Am Nachmittag könnte eine Waffenruhe in der Region in Kraft treten – noch am Donnerstag gab es heftige Kämpfe. Zuletzt erlitten Regierungstruppen schwere Niederlagen. 

Die «New York Times» hatte bereits Anfang August berichtet, dass die Separatisten Strafbrigaden einsetzten. Auch die Uno-Menschenrechtskommission teilte vergangene Woche mit, dass viele Menschen in den umkämpften Gebieten zur Zwangsarbeit herangezogen würden. 

HRW präsentiert nun Details zum System der Zwangsarbeit. Die Organisation interviewte dafür Mitte August in der umkämpften Stadt Donezk mehrere Betroffene, deren Verwandte sowie einen Kämpfer auf Seite der Separatisten. 

Bis zu 30 Tage Strafarbeit für kleinste Vergehen

Sie alle hätten ausgesagt, dass Zivilisten für kleine Verstösse wie Alkoholtrinken in der Öffentlichkeit oder die Missachtung der Ausgangssperre bis zu 30 Tage in Strafbrigaden arbeiten mussten. In zwei Fällen seien Bürger verpflichtet worden, weil sie Bier auf der Strasse getrunken hätten. Ein Separatist gab an, die Bürger würden etwa eingesetzt, um Schützengräben auszuheben, oder Gebäude auf Militärbasen zu reinigen. 

Einige der Fälle, die der Bericht aufzählt: 

HRW betont, dass diese Praxis gegen das humanitäre Völkerrecht verstosse. Zwar sieht das Kriegsrecht die Möglichkeit von Zwangsarbeit vor, allerdings müsse diese entlohnt werden und dürfe weder mit Misshandlung einhergehen noch in direktem Zusammenhang zu Militäroperationen stehen. 



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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 05.09.2014 10:53
    Highlight Highlight Putin und Obama werden sich schon auf eine Teilung des Landes geeinigt haben. Im Westen als auch im Osten des Landes gibt es Fracking-Gas. Beide Länder brauchen Energie und es gibt daher bereits Fördervertäge mit EXXON und einem anderen US-Energieunternehmen.
    Putin hat sich schon geoutet: Neurussland!
    Das war eine Warnung, aber niemand will sie hören oder entsprechend deuten. Also liegt das Ende bereits vor der Türe. Es gibt noch ein paar Wochen Säbelrasseln und dann werden die Grenzen neu gezogen. Russland wird sich nicht aus der Ukraine zurückziehen ohne die Möglichkeit einer Einflussnahme.

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