Gesellschaft & Politik
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Turkish President Recep Tayyip Erdogan speaks during a news conference with Afghanistan's President Ashraf Ghani Ahmadzai, at the presidential palace in Kabul, Afghanistan, Saturday, Oct. 18, 2014.  (AP Photo/Massoud Hossaini)

Türkischer Präsident Erdogan: «Muslimische Seeleute erreichten schon 1178 Amerika.» Bild: Massoud Hossaini/AP/KEYSTONE

Geschichtsunterricht bei Erdogan

«Muslime entdeckten Amerika, nicht Kolumbus»

Kolumbus soll Amerika entdeckt haben? Ach was, wagemutige Muslime waren schon im Jahr 1178 da, erklärte der türkische Präsident Erdogan im Fernsehen, dafür gebe es eindeutige Beweise – im Logbuch des Kolumbus.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Im Jahr 1492 wollte der italienische Seefahrer Christoph Kolumbus, der für Spanien zur See fuhr, mit seiner Flotte einen westlichen Seeweg von Europa nach Indien finden. Dabei entdeckte er zufällig: Amerika. So steht es in Geschichtsbüchern weltweit, Historiker sind sich über diese Begebenheit einig.

santa maria kolumbus briefmarke

Die «Santa Maria», das Schiff, mit dem Kolumbus Amerika entdeckte, auf einer Briefmarke. Bild: zvg

«Kontakte zwischen Lateinamerika und dem Islam lassen sich bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen.» 

Recep Tayyip Erdogan, türkischer Präsident

Doch jetzt trat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan vor die Fernsehkameras – und präsentierte sein eigenes Geschichtsverständnis: Demnach hat nicht Kolumbus den amerikanischen Kontinent entdeckt, sondern Muslime.

«Muslimische Seeleute erreichten schon 1178 Amerika.»

Recep Tayyip Erdogan, türkischer Präsident

«Kontakte zwischen Lateinamerika und dem Islam lassen sich bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen», sagte Erdogan am Samstag während eines Gipfeltreffens mit lateinamerikanischen Muslimen in Istanbul; die Rede wurde vom Fernsehen übertragen.

Erdogan will eine Moschee bauen

«Muslimische Seeleute erreichten schon 1178 Amerika», liess Erdogan die Zuhörer wissen. «Kolumbus selbst erwähnte eine Moschee auf einem Hügel an der Küste Kubas.» Erdogan erklärte sich sogar bereit, an der erwähnten Stelle eine Moschee zu erbauen.

«Kolumbus selbst erwähnte eine Moschee auf einem Hügel an der Küste Kubas.»

Recep Tayyip Erdogan, türkischer Präsident

Die Idee der Moschee hatte der Historiker Youssef Mroueh bereits 1996 in einem umstrittenen Artikel kundgetan. Seine Kollegen weltweit interpretieren den Tagebucheintrag von Kolumbus jedoch anders – nach ihrer Auffassung nutzte Kolumbus die Moschee nur als bildhaften Vergleich zur Beschreibung einer Hügelkette auf Kuba. Kolumbus stiess zunächst auf die Karibischen Inseln.

Kolumbus war tatsächlich nicht der erste

Die Vorfahren der amerikanischen Ureinwohner sollen bereits vor rund 15'000 Jahren den Kontinent betreten und besiedelt haben. Allerdings gehen die meisten Forscher mittlerweile davon aus, dass Kolumbus danach tatsächlich nicht der Allererste war: Schon um das Jahr 1000 sollen skandinavische Siedler ihre Füsse auf den amerikanischen Kontinent gesetzt haben.

Dennoch war Kolumbus' Entdeckung in der Neuzeit die entscheidende: Die Nachricht von der Existenz und der darauffolgenden Erkundung und Eroberung einer «Neuen Welt» wurde zu einem Wendepunkt der Weltgeschichte.

(lgr/AFP)

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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 16.11.2014 13:18
    Highlight Highlight Wer R. Erdogans Politik verfolgt, der kann sehen, dass es ihm nur um ein neues Reich geht. Das könnte die alte Ordnung in der gesamten Region grundlegend verändern. Wie Russland und die USA auf diese Strategie R. Erdogans reagieren, bleibt abzuwarten.
    Aus Sicht Westeuropas rückt damit eine engere Beziehung mit Russland wieder in den Fokus. Denn eine starke Nation aus Islamisten wäre auf Dauer auch eine Gefahr für Europa. Insbesondere, da R. Erdogan bisher wenig Berührungsängste zur IS zeigte.

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