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Gesellschaft & Politik
USA

Michelle ist nicht Micheline – warum die First Lady in Saudi-Arabien kein Kopftuch trug

Michelle und Barack Obama mit dem neuen König Salman.
Michelle und Barack Obama mit dem neuen König Salman.Bild: Carolyn Kaster/AP/KEYSTONE
Schleier oder nicht Schleier?

Michelle ist nicht Micheline – warum die First Lady in Saudi-Arabien kein Kopftuch trug

29.01.2015, 11:3730.01.2015, 12:12

Die damalige Aussenministerin Micheline Calmy-Rey sorgte im März 2008 bei einem Besuch in Teheran für Wirbel. Als sie den umstrittenen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad traf, trug sie ein weisses Kopftuch. Das kam in der Heimat nicht gut an: CVP-Sprecherin Marianne Binder kritisierte Calmy-Reys «peinlichen Kniefall» vor dem Holocaust-Leugner. «Es ist unnötig, ein Kopftuch zu tragen», meinte die Aargauer FDP-Ständerätin Christine Egerszegi.

Micheline Calmy-Rey im März 2008 mit Mahmud Ahmadinedschad.
Micheline Calmy-Rey im März 2008 mit Mahmud Ahmadinedschad.Bild: AP

Nun haben auch die USA ihre «Kopftuch-Affäre»: Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle reisten am Dienstag nach Saudi-Arabien, um nach dem Tod von König Abdullah dem neuen König Salman ihr Beileid auszusprechen. Beim Empfang in der Hauptstadt Riad trug Michelle Obama keinen Schleier. Saudische Twitterer kritisierten, die First Lady habe in anderen Fällen ein Kopftuch getragen, etwa bei einem Moscheebesuch in Indonesien.

Die US-Medien kommentierten das fehlende Kopftuch unterschiedlich. Für die einen setzte Michelle Obama ein mutiges Zeichen für die Rechte der Frauen, die in dem ultrakonservativen Königreich nicht einmal Auto fahren dürfen. Andere klagten, die First Lady habe einen wichtigen amerikanischen Verbündeten beleidigt. Beide Sichtweisen sind weit enfernt von der Realität oder sogar rassistisch, wie das Onlineportal Vox aufzeigt.

Ohne Kopftuch: Die damalige First Lady Laura Bush 2007 beim Treffen mit König Abdullah.
Ohne Kopftuch: Die damalige First Lady Laura Bush 2007 beim Treffen mit König Abdullah.Bild: AP

Demnach hat Michelle Obama nur das normale Protokoll befolgt. Saudi-Arabien verlangt von weiblichen Staatsgästen kein Kopftuch. Die früheren First Ladys Laura Bush und Hillary Clinton trugen keines, ebenso die ehemalige Aussenministerin Condoleezza Rice. Und so konservativ die Ölmonarchie nach innen ist, so offen gibt sie sich gegen aussen. Unverschleierte westliche Frauen seien für die Saudis alles andere als ein ungewohntes Bild, so Vox.

In Saudi-Arabien müsse eine Ausländerin ihr Haar nicht bedecken, hielt auch die NZZ vor sieben Jahren in einem Beitrag zur Calmy-Rey-Kontroverse fest. Im Iran hingegen wurde nach der islamischen Revolution 1979 verfügt, dass jede Frau einen Kopfschleier tragen muss. Die Vorschrift wurde mit den Jahren gelockert, gilt aber nach wie vor. «Calmy-Rey wusste, worauf sie sich einliess», schrieb die NZZ. Die Bundesrätin gab sich gewohnt unbeeindruckt: Sie habe «das Kopftuch als stolze Schweizerin getragen».

Obama zu Besuch beim König von Saudi Arabien

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Obama zu Besuch beim König von Saudi Arabien
quelle: ap/ap / carolyn kaster
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16 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Inti
29.01.2015 16:07registriert November 2014
Die völlig irrelevante Frage ob Frau Obama ein Kopftuch trägt oder nicht wird in den Medien lang und breit diskutiert und interessiert anscheinend am meisten. Lieber sollten wir uns Gedanken darüber machen, warum die westlichen Staaten, allen voran die USA, immer wieder in Saudi-Arabien auf Schleimtour sind und an die Beerdigung eines Königs gehen, in dessen Land sehr ähnliche Gesetze gelten wie in den vom IS besetzten Gebieten. Andere Länder bombardiert man angeblich um dieselbige Ideologie zu Fall zu bringen, in Saudi-Arabien geht man freundschaftlich und lächelnd zur Händeschütteltour. Aber ja, dort winkt auch das dicke Geschäft! Menschenrechte hin oder her! Die heuchlerische Haltung der US-Regierung, welcher es immer ums Geld und niemals um die Menschenrechte geht, wie es uns immer so schön vorgegaukelt wird...
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Bruno Wüthrich
29.01.2015 11:47registriert August 2014
Das Theater, das in der Schweiz um Kopftücher gemacht wird, ist unbeschreiblich. So lange das Gesicht erkennbar und identifizierbar ist, sollte bei uns alles erlaubt sein.
Damit gäbe es eine Methode, die Angelegenheit ohne jeden religösen Einschlag zu regeln: Ein Vermummungs-Verbot für alle.
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