Gesellschaft & Politik
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epa04597778 A handout image made available by Swiss Air-Rescue Rega (REGA) of rescue helicopters and rescue workers on duty after an avalanche accident at the Piz Vilan Mountain, eastern Switzerland, Saturday, 31 January 2014. An avalanche at the Piz Vilan mountain swept away seven members of a nine-strong group of ski hikers. Rescuers recovered three bodies and four seriously injured people, who were flown to hospitals in St. Gallen, Zurich and Chur. Police say a fourth person later died at a hospital.  EPA/REGA / HANDOUT MANDATORY CREDIT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Drei Helikopter der Rega und einer der Heli Bernina im Einsatz nach einem Lawinenunglück am Vilan. Bild: EPA/KEYSTONE/REGA

Lawinenunglück

SAC Lägern trauert um Tote: Touren in den nächsten Wochen abgesagt

Am Wochenende starben fünf Mitglieder des SAC Lägern bei einem Unglück am Vilan. Das wühlt die ganze Berggänger-Szene im Kanton auf. Der betroffene SAC Lägern hat in den nächsten beiden Wochen alle Touren abgesagt.

Mario Fuchs / Aargauer Zeitung



Ein Artikel der

Worte zu finden, das Unfassbare zu begreifen: Das fällt Lukas Zehnder auch gestern, zwei Tage nach dem tragischen Lawinenunglück im Bündnerland, schwer. Zehnder ist Präsident der Sektion Lägern des Schweizer Alpen-Clubs (SAC). Am Samstag ist eine neunköpfige Gruppe seiner Sektion am 2376 Meter hohen Vilan unterwegs. Der Berg oberhalb des Prättigauer Dorfes Seewis ist beliebt bei Tourenskifahrern. Er ist gut zugänglich und bietet eine spektakuläre Aussicht auf das Rheintal und die umliegenden Gebirgszüge.  

Doch am letzten Januartag verwandelt sich das weisse Idyll in eine weisse Hölle: Während der Abfahrt löst sich an der Ostflanke eine Lawine. In ihr finden fünf Mitglieder des SAC Lägern den Tod, zwei werden verletzt. Ein Tourenskifahrer kann sich selbst aus den Schneemassen befreien, einzig der Tourenleiter, der offenbar als Erster den Hang hinunter fuhr, wird nicht verschüttet. Gegen ihn ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft des Kantons Graubünden wegen Verdachts auf fahrlässige Tötung. Dies bestätigt Mediensprecher Claudio Riedi am Montag auf Anfrage.  

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Lukas Zehnder, Präsident des SAC Längern, ist erschüttert. Bild: Tele M1

«Wir klären ab, ob jemand – insbesondere der Tourenleiter – strafrechtlich verantwortlich ist für das Unglück, mitunter für den Tod der fünf Personen», sagt Riedi. Auf einen am Sonntag verbreiteten Zeugenaufruf hätten sich mehrere Personen gemeldet. Den zwei Verletzten geht es inzwischen besser: Eine Person konnte das Spital bereits verlassen, der zweiten steht die Entlassung bevor. 

Sämtliche Touren in den nächsten zwei Wochen abgesagt

Lukas Zehnder vom SAC Lägern kennt den Vilan – und ist selbst als Tourenleiter unterwegs. Er weiss: «Das Gefälle an der Unglücksstelle beträgt bis zu 35 Grad. Das ist eine kritische Hangneigung.» Am Samstag herrschte im Gebiet «erhebliche Lawinengefahr». Eine akribische Vorbereitung mit Lawinenbulletin, Wetterbericht und Karte sei das eine. Aber die Entscheidung, ob der Hang befahren werden könne oder nicht, müsse der Tourenleiter vor Ort fällen: «Da spielen x Faktoren mit.» Vieles kann sich seit der Planung geändert haben. Etwa: mehr Neuschnee, mehr Wind oder weniger vorhandene Spuren als erwartet. «In einem solchen Moment hilft dir nur noch eins: deine Erfahrung.» Diese hatte der gut qualifizierte Tourenleiter, der am Vilan die Gruppe anführte. Umso unerklärlicher scheint deshalb das Unglück, umso tragischer der Tod der Clubkameraden.  

Der Schock sitzt tief. Sämtliche Touren und Weiterbildungen in den nächsten zwei Wochen wurden abgesagt. Mit einer Ausnahme: Immer am ersten Donnerstag im Monat findet der SAC-Mittagstisch in Baden statt. In der Beschreibung heisst es: «Sich mal wiedersehen und beim gemeinsamen Mittagessen schöne Erinnerungen aufleben lassen.» Diesmal werden es traurige Erinnerungen sein. Man habe bewusst am Stammtisch dieser Woche festgehalten, erklärt Präsident Zehnder: «Wir möchten eine Möglichkeit zum Austausch bieten. Es ist wichtig, dass wir miteinander darüber reden können.» Der Vorstand treffe sich momentan täglich. Im Vordergrund stehe die Betreuung der Direktbetroffenen und ihrer Angehörigen. 

Es gibt kein  Nullrisiko

Die Trauer über die verlorenen Kameraden ist auch in Aarau gross. Ein Lawinenunglück wie jenes vom Samstag sei «scheusslich», sagt Beat Blattner, Präsident der dortigen SAC-Sektion. Jedem Alpinisten sei aber klar, dass es kein Nullrisiko gebe. Der SAC habe klare Vorschriften. Und wer Touren leite, werde professionell aus- und weitergebildet. Wenn diese Vorschriften befolgt werden, so Blattner, könne man von einem «möglichst grossen Risikoausschluss» ausgehen. «Aber ein Risiko haben Sie auch, wenn Sie aus dem Büro gehen, zu Fuss, mit dem Velo oder im Auto.» 

Blattner weiss, dass es plötzlich brenzlig werden kann. «Ich war alleine auf einer Tour. Plötzlich begann der Schnee unter mir zu brechen. Ich konnte zwar meine Route ändern und mich in Sicherheit bringen. Aber da wird es einem ziemlich mulmig.» Ob die Sektion Aarau nach dem Unglück ebenfalls Touren absagen werde, sei noch nicht klar. Ein Blick auf das Tourenprogramm zeigt: Für den nächsten Samstag haben die Aarauer just eine Tour auf den Vilan ausgeschrieben. «Ich werde mich mit den Leuten besprechen. Wahrscheinlich werden wir diese Tour nicht durchführen», sagt Blattner. «Und zwar nicht, weil wir das Gefühl haben, dass da oben etwas falsch gelaufen ist. Sondern weil da Leute ums Leben gekommen sind. Das geht einem nahe.» 

Auch Beat Weber vom SAC Zofingen haben die Ereignisse vom Wochenende beschäftigt. «Das ist ein Tragödie. Mir tut es sehr leid für alle Betroffenen», sagt er. Erst letztes Jahr hatte die Sektion Zofingen sich für einen solchen Fall gerüstet. «Wir haben uns die Abläufe zurechtgelegt, wie wir während eines möglichen schwerwiegenden Unfalls agieren würden.» Der SAC empfiehlt allen Sektionen, ein solches Krisenmanagement aufzubauen, Zofingen war Vorreiter. Dabei werden die wichtigsten Fragen vorab beantwortet, damit im Ernstfall kein Chaos ausbricht. Etwa: Wie werden die Angehörigen unterstützt? Wer wird informiert? Wie kann man der Gruppe vor Ort helfen? Der SAC Lägern verfügt laut Präsident Zehnder ebenfalls über solche Strukturen. Er sagt: «Das Krisenmanagement kommt zum Zug, ja, aber auf so etwas kann man sich nicht vorbereiten.» 

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