Gesundheit
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Hauterkrankung Mundrose: Der rätselhafte Make-up-Ausschlag

Die übermässige Anwendung von Kosmetika kann Mundrose auslösen. Die Hautkrankheit ist kaum bekannt, Frauen reagieren bei ersten Symptomen oft falsch. Dabei ist die Behandlung ganz einfach.

28.04.16, 20:29 29.04.16, 08:20


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Als Carolin Weigel* morgens in den Spiegel schaut, ist da plötzlich diese rote Stelle – ein bisschen sieht sie aus wie ein Pickel. Zuerst dachte sie sich nichts dabei und machte weiter wie jeden Tag: nach dem Aufstehen eine Reinigungslotion fürs Gesicht, eine Tagescreme und Make-up. Und abends schminkte sie das Ganze wieder ab – mit einer Seifenlösung und anschliessend mit einer Feuchtigkeitscreme. «Doch die Haut um den Mund spannte und juckte immer mehr», erzählt die 27-jährige Studentin.

Zum Themendienst-Bericht von Martin Faber vom 27. April 2016: Die genauen Ursachen einer Mundrose sind noch unklar. Als wesentlicher Auslöser gilt die übermäßige Anwendung von Hautpflege-Produkten. 
(Archivbild vom 15.04.2016/Nur zur redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher im Zusammenhang mit dem genannten Text.) 
Foto: Christin Klose

Kosmetik-Nutzerin.
Bild: dpa-tmn

Innerhalb weniger Wochen hatten sich die Rötungen bis zum Kinn ausgebreitet und begannen zu schuppen. Weigel trug ihr Make-up immer dicker auf. Doch das war ein Fehler, denn auch der Ausschlag wurde immer stärker, irgendwann konnte sie ihn nicht mehr verdecken. Schliesslich ging sie zum Hautarzt. Diagnose: periorale Dermatitis, auch Mundrose genannt.

Es handle sich um eine Intoleranzreaktion der Gesichtshaut, der eine wiederkehrende Irritation zugrunde liege, erklärt Andreas Wollenberg, Oberarzt an der Hautklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Die genauen Ursachen der Erkrankung sind noch unklar. Als wesentlicher Auslöser gilt jedoch die übermässige Anwendung von Hautpflegeprodukten. Vor allem Frauen zwischen 20 und 40 Jahren sind betroffen. «Durch eine Überpflegung leidet die natürliche Barrierefunktion der Haut, die Hornschicht quillt auf, und es kommt zu einem erhöhten Wasserverlust.»

Der mysteriöse Streifen um die Lippen

In der Folge trocknet die Gesichtshaut aus, sie spannt und brennt. Vor allem in der Mundregion bilden sich Hautrötungen mit kleinen Knötchen und Bläschen, aber auch die Stirn, Wangen und Augenlider sowie das Kinn können betroffen sein. Ein schmaler Streifen um die Lippen herum ist hingegen nicht vom Ausschlag befallen. «Das ist ein typisches Merkmal der Erkrankung», sagt Wollenberg.

Das Spannen und Jucken der Haut verleitet viele Betroffene zu einer noch intensiveren Hautpflege, sodass ein Teufelskreis entsteht. «Oft verwenden sie Kosmetika, die nicht zu ihrem Hauttyp passen», sagt Ulrich Klein vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) und Hautarzt im Dermacenter Witten. Die Fettgehalte der Pflegeprodukte und des eigenen Hauttyps sollten sich nicht sehr unterscheiden.

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Baltimore Ravens cheerleader Olivia applies lipstick prior to the Ravens NFL football game in Baltimore, Maryland October 2, 2011.  Cheerleader talent is strong along the east coast and candidates drive to Baltimore for team tryouts each March hoping to join the squad. Hundreds of competitors face three intense days of sudden-death eliminations against returning team members expecting to make the squad.  Picture taken October 2, 2011.   REUTERS/Larry Downing  (UNITED STATES - Tags: SPORT) - RTR2UDLC

Teufelskreis der Hautpflege.
Bild: REUTERS

Pflegemilchprodukte haben am wenigsten Fett, Salben das meiste. Dazwischen liegen Pflegecremes. «Zum Beispiel leiden die Abwehrkräfte einer trockenen Haut, wenn man stark fetthaltige Salben verwendet», erläutert Klein. «Der Barrierefilm einer normal gefetteten Haut kann hingegen beschädigt werden, indem man die Haut zunächst mit Reinigungsalkohol austrocknet und ihr anschliessend zu wenig Fett, etwa in Form einer Pflegemilch, zuführt.»

Hilfe durch Nulltherapie

Solche falschen Pflegeroutinen haben Betroffene oft tagtäglich über Jahre angewendet. Umso schwerer fällt ihnen häufig der erste Behandlungsschritt: Rund sechs Wochen lang sollen sie auf alle Hautpflegeprodukte und Kosmetika verzichten. «Das heisst: Man reinigt und pflegt sein Gesicht einzig und allein mit klarem Wasser», erläutert Dermatologe Thomas Bieber von der Deutschen Haut- und Allergiehilfe (DHA). Ziehen die Betroffenen diese sogenannte Nulltherapie durch, klingt die Mundrose in der Regel vollständig ohne Narben ab.

«In den ersten zwei Wochen verschlimmern sich die Beschwerden aber meistens wieder», sagt Bieber. Gerade dann ist die Versuchung gross, sich wieder einzucremen. «Ist man nur einmal inkonsequent, fällt man wieder auf Tag eins der Nulltherapie zurück.» Vor allem Kortisoncremes scheinen eine schnelle Lösung zu versprechen. «Doch sie lindern die Symptome nur kurzfristig, und nach Absetzen der Creme kommen die Beschwerden stärker zurück als vorher.»

Eine Möglichkeit, die Nulltherapie einfacher durchzustehen, bieten Schwarzteeumschläge. «Schwarztee enthält Gerbstoffe, die entzündungshemmend wirken und das Spannungsgefühl abmildern», erklärt Klein. «Kühlen Sie den Schwarztee hierfür ab und legen Sie die Teeumschläge ein bis zwei Mal täglich für etwa zehn Minuten auf die betroffenen Hautstellen.»

Trotz Schwarzteeumschlägen können oder wollen einige Betroffene die wochenlange Nulltherapie nicht durchhalten. Dann helfen unter Umständen dünnflüssige, fettarme und feuchtigkeitsspendende Cremes ohne Duft- und Konservierungsstoffe.

Ist die periorale Dermatitis stark ausgeprägt, müssen in seltenen Fällen auch Antibiotika zum Einsatz kommen. «Durch eine geringe Dosierung von Antibiotika können wir deren antientzündliche Wirkung ausnutzen und so das Immunsystem der Haut beruhigen», erklärt Bieber.

Carolin Weigel hat inzwischen wieder eine gesunde Haut ohne rote Knötchen und Bläschen. Neben der Nulltherapie hat ihr vor allem eine Hautbilduntersuchung bei ihrem Hautarzt geholfen. «Meine Haut hat einen hohen Wasserverlust und einen geringen Fettgehalt», sagt sie. Deshalb wäscht sie ihr Gesicht heute immer ohne Seife und benutzt hauchdünnes Make-up für sensible Haut.

* Name von der Redaktion geändert

Von Martin Faber, dpa/joe

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7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Homes8 29.04.2016 18:32
    Highlight Bei Hautentzündungen nehme ich Ringelblumensalbe. Die hilft schnell.
    0 0 Melden
  • Dysto 28.04.2016 23:35
    Highlight Hm, ich hab schon einige Jahre lang zwischendurch so 2-3 gerötete Punkte unter stets demselben Mundwinkel und das obwohl ich kaum Make Up und Cremes benutze. Kommt etwa alle 4-6 Wochen vor. Und natürlich ist die Versuchung gross, eben genau diese Rötungen abdecken zu wollen, obwohl man weiss, dass es so nur schlimmer wird. Fieser Teufelskreis. Mal sehen, ob ich es irgendmal ganz los werde.
    1 0 Melden
  • fabi1990 28.04.2016 23:34
    Highlight Mir haben die Naturprodukte von "Dado Sens" sehr geholfen, die man in der Drogerie Müller findet. Sie haben eine Kosmetik Linie, die "ProBalance", die gegen die Periorale Dermatitis hilft. Ich hatte lange damit zu kämpfen und hatte lange nach einem Pflegeprodukt gesucht, da es für mich sehr schwer war die Nulltherapie durchzuhalten. Kann ich nur weiterempfehlen!!
    3 0 Melden
  • Floatingsissy 28.04.2016 22:28
    Highlight Dieser Artikel kommt wie gerufen. Das habe ich seit etwa einem Monat. Da ich aber nicht wirklich Hautpflegeprodukte benutze und nur Mascara für die Wimpern, bin ich gerade etwas ratlos.
    Aber abwarten wird wohl helfen. :)
    1 0 Melden
    • sagwas 29.04.2016 00:52
      Highlight Bei mir war der Auslöser stark Fluorhaltige Zahnpflegeprodukte (Elmex Gel und Co.) welche ich auf Anweisung meines Zahnarztes benutzen sollte, fast 6 Monate habe ich mich mit den Knötchen und Rötungen rumgeschlagen. Nach der 0-Diät für meine Haut und dem Absetzen der stark fluorhaltigen Produkte ging es meiner Haut wieder gut.
      Weitere 6 Monate später hatte ich einen erneuten "Ausbruch" nachdem ich in den Ferien eine billige Sonnencreme benutzt habe.
      Wenn man es mal hatte können die Auslöser vielfältig sein...
      2 0 Melden
  • mia g. 28.04.2016 20:58
    Highlight Auch die regelmässige Anwendung von Cortisoncremes kann periorale dermatitis auslösen. Viele Ärzte verschreiben gerne solche Cremes bei jeglichen Hautausschlägen. Auch ganz leichte, rezeptfreie Cortisoncremes können periorale Dermatitis auslösen.
    5 1 Melden
  • bangawow 28.04.2016 20:41
    Highlight Make Up ist auch purer Quatsch, Natürlichkeit ist schön – und erst noch gesünder.

    Aber welcher kosmetikgeschwängerten Welt erzähle ich das?

    Es ist zum Eyeliner weinen.
    22 6 Melden

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