Gesundheit
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Erste deutsche Krankenkassen zahlen für Schrittzähler, Pulsmesser und Smartwatches. Das ist problematisch

Mit sogenannten Wearables checken gesundheitsbewusste Menschen ihre Fitness. Jetzt bezuschusst die erste Krankenkasse solche Geräte – doch das ist umstritten.

Irene Berres und Nina Weber



Ein Artikel von

Spiegel Online

In den USA unterstützen Arbeitgeber wie der Ölkonzern BP und Versicherer wie die UnitedHealth Group schon länger gesundheitsbewusstes Verhalten, indem sie ihre Angestellten und Versicherten dafür belohnen, ihr Verhalten mit Schrittzählern, Pulsmessern und GPS-Trackern, sogenannten Wearables, zu vermessen. Jetzt ist der Trend auch in Deutschland angekommen.

Die AOK Nordost bestätigte Anfang der Woche, 50 Euro beim Kauf eines Wearables zuzahlen zu wollen. Unter diesen Begriff fallen Fitnessgeräte und Smartwatches, die Herzfrequenz, Streckenlänge, Höhenmeter und andere Daten dokumentieren können. Dazu zählt auch die Apple Watch. Einen Schritt weiter geht das «Vitality-Programm» der Generali-Versicherung, das gesundheitsbewusstes Verhalten mit einer App messen und belohnen soll.

Viele Krankenkassen prüfen aktuell, ob sie ähnliche Angebote einführen sollen (eine Übersicht finden Sie am Ende dieses Textes), die Haltungen gehen weit auseinander. Dabei stellen sich vor allem zwei grundsätzliche Fragen: Was bringt die Technik? Und wie steht es um den Datenschutz?

Fitnesstracker: Vor allem gut für Sportler

Die IKK classic etwa will den Erwerb von Uhren und Fitness-Trackern nicht bezuschussen, da «der blosse Kauf solcher Geräte – ebenso wie der von Turnschuhen – ja allein noch keine Gesundheitsaktivität darstellt».

Auch wenn die Tracker genutzt werden: Es ist fraglich, wie viel sie langfristig zu einem gesünderen Lebensstil beitragen. Klar ist nur, dass Schrittzähler, Pulsmesser und Co. zu einem strengeren Training anspornen können – gerade, wenn anderen die Ergebnisse zugänglich sind.

Die Gründe dafür sind menschlich: Zum einen wecken die Gadgets den Spieltrieb. Durch das Dokumentieren der eigenen Bewegungen beginnt der Träger einen Wettbewerb mit sich selbst. Die eigenen Bestwerte zu knacken, beschert ein Erfolgserlebnis.

Der Punkt, an dem viele Diäten scheitern

Teilt er seine Werte auch noch mit anderen, kommt der soziale Druck hinzu, wie Studien mit Teamsportlern zeigen. Demnach verbessern Gadgets, die etwa die Bewegung überwachen oder messen, wie der Körper auf Anstrengungen reagiert, das Training der Sportler.

Deutlich schwieriger ist es, das Verhalten von Menschen zu beeinflussen, die noch keinen gesunden Lebensstil pflegen. Um etwas zu bewirken, reicht es bekanntlich nicht aus, einmal die Pizza durch einen Salat zu ersetzten. Stattdessen muss sich das gesunde Verhalten in den Alltag integrieren lassen. Eine Tatsache, an der die meisten Diäten scheitern.

Wirken Apps und Wearables nachhaltiger? US-Forscher der University of Pennsylvania sehen das skeptisch. Die Geräte könnten Verhalten nur dauerhaft ändern, «indem sie die externe Motivation durch das Gerät in eine interne verwandeln (was schwierig ist), oder indem sie externe Motivation aufrechterhalten (was schwierig ist)», schreiben die Wissenschaftler um Mitesh Patel in einem Meinungsbeitrag im Fachmagazin «Jama». Ob neue Technik das schaffen kann, ist wissenschaftlich kaum untersucht.

Datenschutz: Der gläserne Versicherte

Zum Streit um den gesundheitlichen Nutzen kommen erhebliche Bedenken aus Datenschutzgründen. Die AOK Plus etwa zahlt im Gegensatz zur AOK Nordost keinen Zuschuss auf Wearables und plant momentan aus Datenschutzgründen nicht, das zu ändern.

«Allen Anwendern, die Fitness-Apps freiwillig herunterladen, rate ich, nicht unbedacht mit ihren sensiblen Gesundheitsdaten umzugehen und die kurzfristigen finanziellen Vorteile, welche die Datenoffenbarung vielleicht mit sich bringt, gegen die langfristigen Gefahren abzuwägen», warnte kürzlich auch die Datenschutzbeauftragte des Bundestags, Andrea Vosshoff.

Tatsächlich handelt es sich bei Gesundheitsinformationen um sensible Daten. Nur wenn der Betroffene ausdrücklich einwilligt, dürfen Krankenkassen oder andere Anbieter über BMI, Bewegungsmuster oder Pulsrate informiert werden. Auch müssen sie gewährleisten, dass die Daten bei ihnen sicher aufgehoben sind.

Gesetzliche Versicherungen: Solidaritätsprinzip

Skeptiker warnen zudem davor, dass es irgendwann nicht nur Bonuszahlungen für vorbildliches Verhalten geben könnte, sondern auch Menschen mit einem ungesunden Verhalten nicht mehr versichert werden könnten.

Was bei privaten Versicherungen möglich ist, verbietet bei gesetzlichen Krankenkassen das Solidaritätsprinzip: Es besagt, dass jeder aufgenommen wird und alle gemeinsam die Kosten des einzelnen tragen.

Auch vor diesem Hintergrund lässt sich im Zusammenhang mit Wearables diskutieren – allerdings in zwei Richtungen: Die IKK Südwest etwa lehnt grundsätzlich «die finanzielle Bezuschussung von Lifestyle-Produkten durch die Solidargemeinschaft der gesetzlichen Krankenversicherungen ab».

Die AOK Bremen/Bremerhaven hingegen weist darauf hin, dass es zu den Zielen der Krankenkassen zählt, ihren Versicherten die Vorteile einer gesunden Ernährung und regelmässiger Bewegung zu vermitteln. Gerade Jugendliche und junge Erwachsene wollten dafür «Zugangswege nutzen, welche auch den Interessen ihres Alters entsprechen».

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