Gesundheit
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Young boars of pig farmer Markus Suter, pictured on November 24, 2009 in Gipf-Oberfrick in the canton of Aargau, Switzerland. The young boars to be neutered receive an analgesic injection after they are collected from the pigpens. They are then sedated by inhalation of isoflurane gas and then they are castrated. To wake up they are put in a box and in the end they can return to their pigpens. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Junge Ferkel des Schweinezuechters Markus Suter, aufgenommen am 24. November 2009 in Gipf-Oberfrick im Kanton Aargau. Die jungen Eber, die kastriert werden muessen, erhalten, nachdem sie aus dem Stall geholt werden, zuerst eine schmerzstillende Spritze. Anschliessend werden sie durch Inhalation des Isoflurangases betaeubt und erst dann kastriert. Zum Aufwachen werden sie in eine Kiste gelegt und zuletzt wieder in den Stall gebracht. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Laut dem Bundesamt haben sich letztes Jahr multiresistente Keime im Schweinefleisch ausgebreitet. Bild: KEYSTONE

Neue Forderung in der Nahrungsmittelproduktion

Bund will Antibiotika verbannen



Durch den übermässigen Einsatz von Antibiotika breiten sich resistente Bakterien aus. Eine Fachkommission des Bundes fordert nun, dass in der Schweizer Nahrungsmittelproduktion ganz auf Antibiotika verzichtet werden soll.

Der Einsatz von Antibiotika zur Wachstums- und Leistungsförderung ist in der Schweiz bereits seit 1999 verboten. Die Eidgenössische Fachkommission für biologische Sicherheit (EFBS) schlägt nun einen generellen Stopp für Antibiotika in der Nahrungsmittelproduktion vor. Dies geht aus einem Strategiepapier hervor, über das die Sonntagzeitung berichtet.

«Die Antibiotikaresistenzen sind die grösste biologische Bedrohung für die Gesundheit der Bevölkerung in der Schweiz.»

Eidgenössische Fachkommission für biologische Sicherheit

Daneben empfiehlt die Expertenkommission weitere Massnahmen für die Landwirtschaft und die Nutztierhaltung: Dazu gehören die Zucht robuster Tierarten, gesunde Haltungsformen sowie der Verzicht auf die Durchmischung von Beständen. Um den Wandel zu beschleunigen, fordern die Experten ein spezielles Label für eine Antibiotika-freie Fleischproduktion. Subventionen sollen zudem von der Abwesenheit resistenter Keime in Ställen abhängig gemacht werden.

Die Kommission bezeichnet Antibiotikaresistenzen als «grösste biologische Bedrohung für die Gesundheit der Bevölkerung in der Schweiz». Das Problem steht auch beim Bund weit oben auf der Prioritätenliste: Mehrere Bundesämter erarbeiten derzeit eine nationale Strategie, die bis Ende 2015 vorliegen soll. Sie umfasst die Bereiche Mensch, Tier, Landwirtschaft und Umwelt.

25'000 Todesfälle pro Jahr in der EU

Bakterien werden durch Mutationen oder durch Austausch von Resistenzgenen weniger empfindlich oder gänzlich unempfindlich gegen Antibiotika. Je mehr Antibiotika eingesetzt wird, desto schneller verbreiten sich resistente Bakterien. Dies besonders dort, wo die grösste Konzentration an Antibiotika herrscht: In Spitälern, aber auch in Mastbetrieben.

Das kann tödliche Folgen haben: Eine Schätzung der EU-Behörden aus dem Jahr 2009 bezifferte die Zahl der jährlichen Todesfälle in den Mitgliedsländern durch Infektionen mit resistenten Bakterien auf 25'000. Für die Schweiz gibt es lediglich Schätzungen für den Bereich der spitalbedingten Infektionen: Gemäss der Expertengruppe Swiss-NOSO sterben daran jährlich 2000 Patientinnen und Patienten.

Auch der Nationalrat sieht Handlungsbedarf: Er hat bei der Beratung des Heilmittelgesetzes Massnahmen zur Eindämmung von Antibiotikaresistenzen eingefügt. Der Bundesrat soll die Kompetenz erhalten, den Einsatz von Antibiotika in der Veterinärmedizin zu senken. Der Ständerat berät in der Wintersession über die Gesetzesrevision.

Ausbreitung bei Schweinen

Zwar ging der Verkauf von Veterinärantibiotika in den letzten Jahren zurück. Im vergangenen Jahr waren es gemäss dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV rund 53'000 Kilogramm. Gleichzeitig habe sich der multiresistente Keim MRSA im Schweizer Schweinebestand ausgebreitet, schreibt das Bundesamt in einem Bericht.

Multiresistente Erreger sind gleichzeitig gegen mehrere oder in seltenen Fällen gar gegen alle Antibiotika resistent. Sie lassen sich also nur schwer oder gar nicht bekämpfen. (feb/sda)

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