Gesundheit
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Spitäler kassieren ab

300 Millionen Franken an Medikamenten-Rabatten «versickern» bei Ärzten, Spitälern und Apotheken 

Wenn Spitäler, Ärzte oder Apotheker Rabatte auf Medikamente erhalten, geben sie diese den Versicherten oft nicht weiter. Santésuisse und Comparis klagen an. Die betroffenen Verbände widersprechen.



Weil Rabatte auf Medikamente nicht weitergegeben würden, blieben den Versicherten jährlich rund 200 Millionen Franken vorenthalten, teilte der Internetvergleichsdienst Comparis am Donnerstag mit. Der Krankenkassenverband Santésuisse schätzt sogar, dass rund 300 Millionen Franken an Medikamenten-Rabatten bei Ärzten, Spitälern und Apotheken «versickern», wie Mediensprecher Paul Rhyn auf Anfrage sagte.

Für diese Schätzung stützt sich der Verband unter anderem auf die Differenz zwischen den von der Pharmaindustrie publizierten Zahlen und den Kosten, die über die Krankenkassen abgerechnet werden. 

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200 Millionen Franken blieben den Versicherten vorenthalten, rechnet Comparis vor. Bild: Shutterstock/racorn

«Die Situation ist unbefriedigend»

«Die Situation ist unbefriedigend», sagte Rhyn. Es gebe keinen Mechanismus dafür, dass diese Rabatte weitergegeben würden. Die Versicherer und Versicherten haben zwar das Recht, bei den Leistungserbringern die Offenlegung und die Rückerstattung von allfälligen Vergünstigungen zu verlangen, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) schreibt. Doch das ist laut Santésuisse in der Praxis kaum möglich, da die Krankenkassen keine Informationen darüber haben, wo überhaupt Rabatte gewährt werden. 

Vor allem die Spitäler würden abkassieren, schreibt Comparis. Der Spitalverband H+ widerspricht: «Die Spitäler geben die Rabatte im stationären Bereich vollumfänglich an Versicherer und Kantone weiter», schreibt H+ in einer Stellungnahme. Im ambulanten Bereich werde die Weitergabe der Rabatte zwischen dem Spital und den Versicherungen vertraglich ausgehandelt, «also ebenfalls weitergegeben an die Versicherer und Selbstzahler». 

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«Wir geben die Rabatte vollumfänglich weiter», sagt der Spitalverband. Bild: Shutterstock/r.classen

Auch der Ärzteverband FMH wehrt sich gegen den Vorwurf, Ärzte würden Rabatte einfach in die eigene Tasche stecken. «Wir können die Behauptung von Comparis nicht beurteilen, da wir dazu keine Zahlen haben», sagte FMH-Präsident Jürg Schlup. Laut der FMH werden Rabatte im ambulanten Bereich jedoch einerseits über Ärztenetze an die Patienten weitergegeben, andererseits in Projekte zur Qualitätssicherung «zugunsten der Patienten» investiert. So ist es in Vereinbarungen mit den Krankenversicherern festgehalten. 

Santésuisse und Comparis fordern Änderung des Systems

Der Präsident des Apothekerverbands Pharmasuisse, Dominique Jordan, sagt ebenfalls, dass ein Teil der Rabatte sehr wohl weitergegeben werde. «Die Apotheken gewähren den Krankenkassen seit 2001 2,5 Prozent Rabatt auf alle Medikamente, die auf der Spezialitätenliste stehen – unabhängig davon, ob sie selbst beim Einkauf einen Rabatt erhalten haben. Letztes Jahr waren dies 50 Mio. Franken», sagt er. 

Santésuisse und Comparis fordern jedoch eine Änderung des Systems: Eine Hälfte des Rabatts soll an die Patienten weitergegeben werden müssen, die andere Hälfte beim Leistungserbringer bleiben. «Wenn der ganze Rabatt an den Patienten weitergegeben würde, bestünde für den Leistungserbringer kein Anreiz mehr, sich für Rabatte einzusetzen – und das könnte zu steigenden Preisen führen», sagt Rhyn. Beim Bund gibt es im Moment jedoch keine Bestrebungen, das System zu ändern, wie das BAG mitteilt. (rar/sda) 

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