Gesundheit
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Winterzeit ist Schnupfenzeit Bild: Shutterstock

Schnupfenwelle im Anzug

Sie haben sieben Möglichkeiten, eine Erkältung zu vermeiden – oder neun, sie zu bekämpfen

Erkältungen mögen meist harmlos sein, dennoch nerven sie. Was hilft am besten, um einen grippalen Infekt vorzubeugen, oder ihn schnell wieder loszuwerden? Forscher haben einen Überblick über die wichtigsten Hilfsmittel erstellt – mit ernüchterndem Fazit.

Ein Artikel von

Spiegel Online

Wahrscheinlich weil die Erkältung zu den häufigsten Krankheiten zählt, ist die Liste der möglichen Therapien sehr lang. Allerdings sind viele Behandlungsoptionen wissenschaftlich nur schlecht belegt. Das beklagen auch ein ein kanadischer und ein neuseeländischer Arzt im «Canadian Medical Association Journal»: Michael Allan von der University of Alberta und Bruce Arroll von der University of Auckland haben den Stand der Forschung in einem Übersichtsartikel zusammengefasst.

Was hilft, einer Erkältung vorzubeugen?

  1. Händewaschen:
    Die Forscher empfehlen vor allem eine Massnahme, die nicht nur vor Erkältungen schützt, sondern auch vor anderen Infektionskrankheiten wie der Grippe: Händewaschen. Ein wesentlicher Vorteil dieser Massnahme: Risiken und Nebenwirkungen des regelmässigen Waschens sind vernachlässigbar
  2. Zink-Präparate: 
    Zwei Studien kommen laut Alberte und Arrol zum Ergebnis, dass Kinder sich seltener erkälten, wenn sie regemässig Zink-Tabletten einnehmen. Allerdings wird insbesondere eine dieser Studien wegen methodischer Mängel kritisiert. Es ist wahrscheinlich, dass Zink vorbeugend hilft, aber noch nicht klar belegt. Zink-Tabletten können unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen, etwa einen schlechten Geschmack oder ein Trockenheitsgefühl im Mund sowie Übelkeit, Verstopfung oder Bauchschmerzen.
  3. Probiotika: 
    Probiotika wirken möglicherweise vorbeugend. Welche Bakterien in welcher Konzentration eingenommen werden sollten - ist leider nicht ganz klar.
  4. Ginseng- und Knoblauch-Präparate:
    Die Datenlage zu Ginseng-Präparaten ist noch schlechter. Ob sie Erkältungen vorbeugen, sei fraglich, schreiben Allan und Arroll. Bei Knoblauch-Präparaten sieht das ähnlich aus.
  5. Vitamin C
    Die Einnahme von Vitamin C schützt möglicherweise. Aber nur, wenn Menschen körperlich stark gefordert werden, wie es beispielsweise bei Marathonläufern der Fall ist. Für die Allgemeinbevölkerung sind Vitamin-C-Präparate wohl nicht von Vorteil.
  6. Vitamin D und Enchinacea:
    Auch Vitamin D und Echinacea erteilen Allan und Arroll eine Absage: Diese Präparate taugen demnach nicht zur Erkältungsprophylaxe
  7. Ein gesunder Lebensstil:
    Zwar verringert ein gesunder Lebensstil das Erkrankungsrisiko insgesamt, völlig gefeit vor Erkältungen ist aber auch der Fitteste nicht.

Ursächlich lassen sich grippale Infekte bisher nicht behandeln. Es handelt sich in den allermeisten Fällen um Virusinfektionen, wobei eine grosse Anzahl verschiedener Erreger existiert. Nur in circa fünf Prozent der Fälle findet sich bei Erkälteten ein bakterieller Infekt, manchmal zusätzlich zur Virusinfektion.

Was hilft, wenn die Erkältung bereits da ist?

  1. Abschwellende Nasensprays:
    Abschwellende Nasensprays lassen von Schnupfen Geplagte zwar wieder freier durchatmen. Bei zu langer Einnahme gewöhnt sich die Nasenschleimhaut jedoch an die Substanzen, es kann eine Art Abhängigkeit entstehen.
  2. Honig:
    Honig kann Husten etwas lindern. Achtung: Kinder unter einem Jahr sollten keinen Honig bekommen, da sie sich mit dem sogenannten Säuglingsbotulismus infizieren können.
  3. Bestimmte Schmerzmittel:
    Bestimmte Schmerzmittel, die sogenannten nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), können mit der Erkältung verbundene Schmerzen lindern. Jenseits davon haben sie wahrscheinlich keinen Nutzen. Falls die Erkältung von Fieber begleitet wird, können Wirkstoffe wie Ibuprofen oder Paracetamol dieses zusätzlich senken.
  4. Rezeptfreie Hustenstiller und -löser:
    Rezeptfreie Hustenstiller und -löser bieten laut dem Übersichtsartikel keinen Nutzen bei erkälteten Kindern. Bei Erwachsenen kann es möglicherweise helfen, diese Präparate zu nehmen – auch hier ist die Datenlage demnach unübersichtlich.
  5. Salben zum Einreiben:
    Salben zum Einreiben auf der Brust lindern laut Allan und Arroll weder Husten noch Schnupfen, allerdings könnten erkältete Kinder besser durchschlafen. Die Salben, die Kampfer, Menthol, Eukalyptus und weitere Heilpflanzen enthalten, können zu Hautreizungen führen und die Augen brennen lassen.
  6. Zinkhaltige Medizin:
    Ob Zink-Tabletten helfen, ist umstritten. Von zinkhaltigen Nasensprays raten Forscher inzwischen ab.
  7. Nasenduschen: 
    Das Durchspülen mit lauwarmer Salzwasserlösung kann Symptome lindern, allerdings ist die Technik nicht jedermanns Sache. Vorbeugend sind Nasenduschen eher nicht zu empfehlen. In einer Studie stieg die Infektionsrate sogar, wenn jeden Tag eine Nasendusche auf dem Plan stand. Deutsche Ärzte empfehlen Nasenduschen nur bei akuten Erkältungen und dann für maximal eine Woche.
  8. Dampfbäder, Echinacea, Ginseng-Präparate und Vitamin C: 
    Für Dampfbäder, Echinacea, Ginseng-Präparate und Vitamin C gilt: Ob sie nützen, ist unklar.
  9. Antibiotika
    Antibiotika sind bei Erkältungen meist sinnlos, da nicht Bakterien, sondern Viren die Symptome auslösen. Wegen der Nebenwirkungen der Medikamente ist in der Regel davon abzuraten, diese bei unkomplizierten Erkältungen einzunehmen.

Wirklich Wirksames hat die moderne Medizin im Kampf gegen Erkältungen kaum zu bieten. Der flapsige Spruch trifft es deshalb leider immer noch am besten: Ohne Therapie dauert die Erkältung sieben Tage, mit Behandlung etwa eine Woche. (wbr)



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