Griechenland
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Überraschender Entscheid

EZB behandelt griechische Anleihen ab nächster Woche wieder als Ramsch



Die Europäische Zentralbank (EZB) hat überraschend eine Sonderregel für griechische Staatsanleihen ausgesetzt und damit den griechischen Banken eine wichtige Geldquelle genommen. Die EZB will Anleihen aus Griechenland nicht mehr als Sicherheit für Kredite akzeptieren.

Greece's Prime Minister Alexis Tsipras, delivers his speech during a press conference with French President Francois Hollande,  at the Elysee Palace, in Paris, France, Wednesday, Feb. 4, 2015.  In a short trip to Brussels before heading to France, Tsipras was welcomed at the European Commission, one of the three main institutions overseeing Greece's finances, by President Jean-Claude Juncker. (AP Photo/Christophe Ena)

Durch den EZB-Entscheid hat Alexis Tsipras, der Premierminister von Griechenland, ein neues Problem.  Bild: Christophe Ena/AP/KEYSTONE

Die Regel soll ab dem 11. Februar gelten, teilte die EZB am Mittwochabend mit. Zur Begründung hiess es, derzeit könne nicht davon ausgegangen werden, dass die Überprüfung des griechischen Reformprogramms erfolgreich abgeschlossen werde. Die Entscheidung stehe im Einklang mit den «Regeln des Eurosystems».

Seit einigen Jahren profitierte Griechenland wegen seiner schwierigen Wirtschaftslage von der Ausnahme. Obwohl die Staatsanleihen wegen ihrer tiefen Rating-Einstufungen nicht den Kriterien der EZB genügten, akzeptierte diese sie als Sicherheiten.

Euro schwächt sich ab

Als Folge des Beschlusses wird die griechische Zentralbank ihren heimischen Finanzinstituten möglicherweise bald verstärkt mit Notfall-Liquiditätshilfen unter die Arme greifen müssen. Mehreren Insidern zufolge genehmigte die EZB die Aufstockung solcher Hilfen. Nach der Mitteilung der europäischen Geldwächter gab der Euro nach – US-Staatsanleihen waren dagegen verstärkt gefragt.

Griechische Banken könnten nach dem Beschluss nun in eine schwierige Lage geraten. Drei der vier griechischen Grossbanken hatten bereits Hilfen von der griechischen Zentralbank angenommen, als sich bei ihnen nach dem Wahlsieg des linken Syriza-Bündnisses von Alexis Tsipras der Geldabfluss verstärkte, wie Banken-Insider der Nachrichtenagentur Reuters sagten.

Wenig Vertrauen in neue Regierung

Für die neue Regierung dürfte sich mit dem EZB-Beschluss die Verhandlungsposition bei den internationalen Geldgebern verschlechtern. Denn die Zeit drängt: Eine letzte Rate von gut sieben Mrd. Euro aus dem aktuellen Hilfsprogramm, das noch bis Ende Februar läuft, steht nach wie vor aus. Bis Ende März müssen zudem vier Mrd. Euro Schulden bedient werden.

Die Aufhebung der Sonderregelungen für die Refinanzierung griechischer Banken zeigt, wie wenig die Währungshüter der 19 Euro-Staaten von den Plänen der neuen griechischen Regierung halten. Die neue griechische Regierung lehnt die Sparauflagen der internationalen Geldgeber und die Kontrolle durch die sogenannte Troika ab.

Finanzministerium sieht Druch bei Eurogruppe

Derzeit werben Finanzminister Giannis Varoufakis und Regierungschef Alexis Tsipras in Europa mit immer neuen Vorschlägen für eine Erleichterung der Schuldenlast für Griechenland. Varoufakis hatte sich am Mittwoch auch mit EZB-Chef Mario Draghi getroffen.

Das griechische Finanzministerium reagierte gelassen auf die Ankündigung der EZB zu den griechischen Anleihen. Dies habe «keine negativen Auswirkungen» auf den Finanzsektor des Landes, hiess es am Mittwochabend. Der Sektor bleibe weiterhin geschützt, da es noch andere Geldkanäle gebe.

Die Entscheidung erhöhe aber den Druck auf die Eurogruppe, eine Lösung zu finden, die im «gegenseitigen Interesse» Griechenlands und der Euro-Zone sei, erklärte das Ministerium weiter. (feb/sda/afp/reu)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

«Wollen Frieden im Mittelmeer garantieren» – Türkei hält Militärübung vor Zypern ab

Inmitten des Streits um die Erdgassuche im östlichen Mittelmeer hat die Türkei eine Militärübung vor Zypern gestartet. «Die Übung »Mittelmeersturm«, die unter Beteiligung unserer türkischen Streitkräfte und den Streitkräften der Türkischen Republik Nordzypern durchgeführt wird, hat heute in der Republik Nordzypern begonnen», twitterte der türkische Vizepräsident Fuat Oktay am Sonntag.

Die Übung soll bis Donnerstag andauern, wie das türkische Verteidigungsministerium am Samstag mitteilte. Ziel …

Artikel lesen
Link zum Artikel