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Wieso ist da ein Baum auf dem Bild? Werner Mang vor Werner Mang.<br data-editable="remove">
Wieso ist da ein Baum auf dem Bild? Werner Mang vor Werner Mang.
Bild: KEYSTONE

Er war mal Nasenberater von Michael Jackson. Heute ist er der Beauty-Papst vom Bodensee

Er ist umstritten. Und ein Superstar. Der plastische Chirurg Werner Mang führt mit seiner Autobiografie «Das wird ja immer schöner ...» mitten hinein in allerlei narzisstischen Exzesse.
17.12.2015, 13:4017.12.2015, 17:47

Dem Mang mangelts an nichts: Er besitzt mehrere Villen auf der ganzen Welt, einen Privathelikopter, den er selbst fliegt, ein paar Edelboote, ein Dampfschiff namens «Facelift», die neusten und die ältesten Autos und die Ex-Wohnung von Dieter Bohlen auf Mallorca. Einzig Roger Feder dürfte besser Tennis spielen als er. Er ist Herr über zwei Kliniken am Bodensee – eine am Schweizer, eine am deutschen Ufer –, zwei Kinder, die er zu Nachfolgern trimmt, und eine Frau, die er am liebsten in sehr kurzen Kleidern und sehr hohen Schuhen sieht.

Manchmal kommen Menschen zu Herrn Mang, die vorher ein Bild von sich mit Photoshop bearbeitet haben und jetzt wollen, dass Herr Mang mit seinem Skalpell den Photoshop-Effekt nachbildet. Einmal kam einer, der wollte genau so aussehen wie Leonardo DiCaprio. Heute ist er in einer psychiatrischen Klinik.

Mangs erste Nase war Goetz George.<br data-editable="remove">
Mangs erste Nase war Goetz George.
Bild: AP dapd

Doch natürlich sind die meisten von Herrn Mangs Patienten Patientinnen. Achtzig Prozent. Und von diesen sind wiederum achtzig Prozent von ihren reichen Manager-Männern geschickt worden. «Männer sind Affen», sagt Herr Mang ganz klar, sie überlegen sich, ihre langjährige Partnerin entweder für eine Jüngere zu verlassen oder sie bei Herrn Mang reparieren zu lassen. Eine Schönheits-OP ist auf jeden Fall billiger als eine Scheidung. Das ist die banale Grundlage des grossen Geschäfts mit der plastischen Chirurgie. Jedenfalls, wenn man Herrn Mang folgt.

Heute ist Prof. Dr. med. Dr. habil. Werner L. Mang, wie er mit ganzem Titel und Namen heisst, Europas grösster, erfolgreichster, prominentester und narzisstischster plastischer Chirurg. Er selbst hält sich wahrscheinlich auch für den besten, aber soweit wagt er in seiner Autobiografie «Das wird ja immer schöner ...» dann doch knapp nicht zu gehen. Oder sagen wir so: Kann einer der Beste sein, der Costa Cordalis zu dem gemacht hat, was er heute ist?

Mang ist keine Botox-Tankstelle. Er will, dass sich junge Frauen Kristen Stewart zum Vorbild nehmen.

Aber egal, man soll Werner Mang an seinen guten Werken messen. Die Nase von Jennifer Aniston soll zum Beispiel von ihm sein und gegen die ist nun wirklich nichts einzuwenden. Und er hat Goetz Georges Nase gerettet, als der 1982 während eines schief gelaufenen «Tatort»-Drehs völlig vermöbelt bei ihm landete. Damals war Mang 33, halb so alt wie heute, und ein ganz normaler Oberarzt in einem Münchner Spital. Aber die George-Nase war seine Einstiegsdroge: in die Schönheitschirurgie und in die Celebrity-Szene.

Irgendwas hat Werner Mang auch an Costa Cordalis gemacht, aber er verrät nicht, was.<br data-editable="remove">
Irgendwas hat Werner Mang auch an Costa Cordalis gemacht, aber er verrät nicht, was.
Bild: EPA/DPA
Angeblich trägt auch Jennifer Aniston eine Mang-Nase.<br data-editable="remove">
Angeblich trägt auch Jennifer Aniston eine Mang-Nase.
Bild: AP Invision

Seine Nasen wurden zu seiner Marke, mehrere Tausend laufen davon in Deutschland, Saudiarabien und Russland herum, überhaupt fühlt sich Werner Mang den Russen mental am nächsten, nur als er Putin die Hand schütteln musste, gefror ihm das Blut in den Adern. Er kann aber auch alles andere, Brüste, Lippen, Oberschenkel, Ohren, die Wartezeit für einen Operationstermin in seinen Kliniken dauert ein gutes Jahr, sein Traum: einmal ein ganzes Gesicht zu verpflanzen.

In vielem ist Mang ein Amerikaner, der Selfmade-Millionär, der Realisator seines Traums, zum Glück ist sein Schönheitsgeschmack ein europäischer. Er betrachtet Schönheits-OPs (noch) nicht wie die Amerikaner als notwendiges Statussymbol und äusserstes Zeichen der Selbstverwirklichung, der Machbarkeit von Glück. Kim Kardashian findet er grotesk verformt, er ist keine Botox-Tankstelle, Minderjährige bekommen von ihm keine Brustvergrösserung, überhaupt ist er dafür, dass ein natürlicher Star wie Kristen Stewart zum Beauty-Vorbild junger Frauen wird. Er selbst würde sich nie operieren lassen, er ist ein wehleidiger Angsthase.

Lothar Matthäus, einfach ein superlieber Typ.<br data-editable="remove">
Lothar Matthäus, einfach ein superlieber Typ.
Bild: AP
Und hier mal ein echtes Vorbild: Kristen Stewart.<br data-editable="remove">
Und hier mal ein echtes Vorbild: Kristen Stewart.
Bild: Donald Traill/Invision/AP/Invision

Das Leben des Werner Mang liest sich wie eine Fortsetzung der 80er-Jahre-TV-Serie «Kir Royal» über die Münchner Bussi-und-Medien-Schickeria: Anmassende, amüsante Angeberliteratur. Die Arbeit an den Promis geht über in die Partys mit den Promis, 99,9 Prozent von Mangs Freunden sind irrsinnig wichtige Männer – Lothar Matthäus ist ihm einer der liebsten –, Erfolg und Besitz müssen unabdingbar gesteigert werden, Mang bringt es Anfang der 90er bis zum Nasen-Berater von Michael Jackson.

«Lehrerinnen mit Doppelnamen, die alles besser wissen» sind seine grössten Feinde.

Ab zu hat er einen Prozess am Hals. Der «Spiegel» recherchiert regelmässig und mit Erfolg gegen ihn, unzufriedene Patientinnen beschweren sich, und Mang wird 2013 wegen mehrfacher vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er einen Arzt ohne richtige Zulassung operieren liess. Berufsrisiko, schreibt er, mindestens drei Prozent des Klinikumsatzes würden jeweils für mögliche Prozesskosten gespart, er kenne Kollegen, die bis zu zwanzig Prozent dafür abzweigten. 

Mang vor seiner Schweizer Klinik in Rorschacherberg.<br data-editable="remove">
Mang vor seiner Schweizer Klinik in Rorschacherberg.
Bild: KEYSTONE

Die Schuld an den klagenden Patientinnen – «häufig Lehrerinnen mit Doppelnamen, die oft alles besser wissen» – gibt er nie sich selbst, sondern der «Klagefreudigkeit» und psychischen Labilität der Betroffenen. Womit er vielleicht nicht einmal nur Unrecht hat, schliesslich wurden am Ende des 19. Jahrhunderts die Psychoanalyse und die Schönheitschirurgie gleichzeitig erfunden. Zwei ganz unterschiedlich invasive Massnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität, die vielleicht am allerbesten im Doppelpack funktionieren würden. Denn wo die Psyche weiterspinnt, ist die die Schönheits-OP nichts als Kosmetik.

Vielleicht wäre so eine psychiatrisch-plastisch-chirurgische Klinik ja ein zukunftstaugliches Konzept. Und vielleicht erfindet Werner Mang sie in einer seiner Allmachtsfantasien ja auch noch selbst. Doch zuerst will er jetzt einmal in die Politik. Obwohl ihm restlos jede Partei zu schwach ist. Logisch.

Werner Mang: Das wird ja immer schöner ... Orell Füssli Verlag, Zürich 2015. 220 S., ca. 27 Fr. Hier geht es zur Online-Bestellung.

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