Indien
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Indian activists from the Social Unity Center of India (SUCI) shout slogans against the state government in protest against the gang-rape and murder of two girls in the district of Badaun in the northern state of Uttar Pradesh and recent rapes in the eastern state of West Bengal, in Kolkata on June 7, 2014. The protests came amid a growing uproar over the killings in Uttar Pradesh, with the United Nations saying violence against women should be regarded as a matter of basic human rights. The two cousins, aged 14 and 12, were found hanging from a mango tree in their impoverished village, with subsequent tests showing they had been the victim of multiple sexual assaults. AFP PHOTO/ Dibyangshu Sarkar

Vor allem Frauen wehren sich immer öfter gegen die verbalen Fehltritte indischer Politiker bezüglich der zahlreichen Vergewaltigungen im Land. Bild: AFP

Gewalt gegen Frauen in Indien

Innenminister: Vergewaltigungen passieren «versehentlich» 

Zum zweiten Mal binnen weniger Tage hat ein Parteifreund des indischen Premierministers Narendra Modi die Vergewaltigung von Frauen in seinem Land bagatellisiert. 



Dummer Kommentar eines indischen Politikers zu den zahlreichen Vergewaltigungen im Land: «Solche Dinge passieren nicht absichtlich. So etwas geschieht versehentlich», sagte der Innenminister des Bundesstaats Chhattisgarh, Ramsevak Paikra, vor Journalisten.

Später versuchte der für Recht und Ordnung zuständige Politiker aus Modis Bharatiya-Janata-Partei (BJP) noch, seine Entgleisung mit dem Hinweis zu relativieren, er sei falsch zitiert worden. Mehrere Fernsehsender strahlten die Bemerkungen Paikras vom Samstagabend jedoch im Original aus.

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Innenminister des Bundesstaats Chhattisgarh, Ramsevak Paikra über Vergewaltigung. Video: YouTube/NDTV

Erst am Donnerstag hatte der ebenfalls der BJP angehörende Innenminister des Bundesstaats Madhya Pradesh, Babulal Gaur, die sexuelle Gewalt gegen Frauen in Indien drastisch verharmlost und sogar ansatzweise verteidigt. Vergewaltigung sei «ein soziales Verbrechen, das von Männern und Frauen abhängt», sagte Gaur.

«Manchmal ist es richtig, manchmal ist es falsch.» Jedenfalls könne ermittlungstechnisch «nichts getan werden, solange es keine Anzeige gibt». Die BJP-Führung distanzierte sich daraufhin von Gaur. Dessen Ansichten würden nicht die der Partei repräsentieren, hiess es.

Wachsende Entrüstung

In Indien war die gesellschaftliche Entrüstung über sexuelle Gewalt gegen Frauen zuletzt deutlich gewachsen, nachdem mehrere besonders brutale Fälle an die Öffentlichkeit gelangt waren. So waren Ende Mai in einem Dorf des Bundesstaats Uttar Pradesh die Leichen zweier 12 und 14 Jahre alter Cousinen gefunden worden, die mehrfach vergewaltigt und dann an einem Baum aufgehängt worden waren.

Am Samstag wurden in Uttar Pradesh erneut zwei Mädchen Opfer einer Gruppenvergewaltigung. Die 13 und 15 Jahre alten Schwestern wurden von drei Männern entführt und in einem Waldgebiet vergewaltigt.

Im Dezember 2012 hatte die tödliche Gruppenvergewaltigung einer jungen Studentin in Neu Delhi Massenproteste gegen die alltägliche Gewalt gegen Frauen ausgelöst. Seitdem wurden die Strafen für Vergewaltiger zwar verschärft - auf Vergewaltigung bei Todesfolge steht nun beispielsweise die Todesstrafe. Frauenrechtsaktivisten zufolge werden Sexualverbrechen jedoch in vielen Fällen bis heute nicht ernsthaft geahndet.

Nach Angaben der Regierung wird in Indien alle 22 Minuten eine Frau vergewaltigt. Aktivisten gehen aber von einer weitaus höheren Dunkelziffer aus, da die Opfer sexueller Gewalt häufig sozial geächtet werden. (kub/sda/afp)

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