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Aufwühlender Fall in Indien

Nach der Gruppenvergewaltigung und Tötung von zwei Mädchen versucht die Polizei den Fall zu vertuschen

Zwei Cousinen der Kaste der «Unberührbaren» sind in Nordindien tot, an einem Baum hängend, aufgefunden worden. Die Dorfbewohner halten Mahnwache. Sie werfen der Polizei vor, das Verbrechen vertuschen zu wollen. Die Mutter eines Opfers wird angegriffen.



Nach dem jüngsten erschütternden Fall von Gruppenvergewaltigung in Indien ist die Mutter eines Opfers aus Rache offenbar schwer verletzt worden. Die Mutter sei vom Vater eines mutmasslichen Täters angegriffen worden, teilten Polizei und Spitalmitarbeiter am Freitag mit. 

Sie habe mehrere Knochenbrüche erlitten. Die Familie des Opfers hatte sich zuvor geweigert, die Vorwürfe gegen die Vergewaltiger fallenzulassen. Der Angreifer wurde festgenommen. 

Nach Berichten des Senders NDTV wurde die Mutter am Montag von fünf Männern in einem Feld in der Nähe des Hauses der Familie angegriffen. Die Angreifer hätten bereits zuvor Druck auf die Familie ausgeübt, ihre Vorwürfe in dem Vergewaltigungsfall zurückzuziehen. 

Indien, Katra im nördlichen Bundesstaat Uttar Pradesh

Quelle: Google Maps

Drei Verdächtige festgenommen

In einem Dorf im nördlichen Bundesstaat Uttar Pradesh waren nach Polizeiangaben zuvor die Leichen von zwei Mädchen entdeckt worden, die erhängt wurden. Wahrscheinlich haben die Vergewaltiger ihre Opfer nach der Tat aufgehängt.

Die Angehörigen der Opfer erstatteten gegen fünf Verdächtige Anzeige wegen Vergewaltigung, sexuellen Kindesmissbrauchs und Mordes. Nach Polizeiangaben vom Freitag wurden bislang drei Verdächtige, darunter ein Polizist, im Zusammenhang mit der Gruppenvergewaltigung festgenommen.

Diskriminierung aufgrund der Kaste? 

Am Dienstag meldete sich der besorgter Vater eines Opfer, dessen Familie der «Dalit», der niedrigsten Kaste der indischen Gesellschaft angehört, bei der Polizeistation in Katra im nördlichen Bundesstaat Uttar Pradesh. Er vermisste seine Tochter. Die Polizisten schenkten ihm jedoch kein Gehör: «Sie weigerten sich, mein Mädchen zu suchen», wird er später gegenüber «BBC News» sagen, «als erstes wollten die Polizisten wissen, welcher Kaste ich angehöre.»

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Video: YouTube/BBC

Vielleicht wäre es zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu spät gewesen für die Opfer. Am Morgen darauf, am Mittwoch stiessen Dorfbewohner auf den grausigen Fund: Zwei Mädchen von 14 und 16 Jahren hingen erdrosselt und vergewaltigt in einem Mangobaum. Für den Rest des Tages hielten Hunderte eine spontane Mahnwache bei den Opfern und hinderten die Polizei daran, die leblosen Körper abzuhängen. Sie forderten Konsequenzen. 

Fünf Männer stehen im Verdacht, die zwei Cousinen vergewaltigt und ermordet zu haben. Der Polizeichef vom Bezirk Budaun, Atul Saxena erklärte am Donnerstag, erste Untersuchungen würden darauf hindeuten, dass die jungen Mädchen nach der Vergewaltigung Suizid begangen hätten.

Die Angehörigen der Opfer erstatteten gegen fünf Verdächtige Anzeige wegen Vergewaltigung, sexuellen Kindesmissbrauchs und Mordes.

Mindestens ein Polizist unter den Verdächtigen

Inzwischen wurden drei der fünf Verdächtigen verhaftet, darunter ist mindestens ein Polizist. Er steht unter Verdacht, die Täter bei ihrem Verbrechen unterstützt zu haben, währenddem sein Kollege in der Polizeistation den besorgen Vater nach Hause schickte, schreibt die «Times of India». Die durchgeführte Autopsie habe eindeutig ergeben, dass die Mädchen vergewaltigt wurden, bevor sie erhängt wurden.

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Video: YouTube/Spiegel Online

Der Polizist wurde inzwischen vom Dienst suspendiert. Den Vorwurf der «Diskriminierung» warf Polizeichef Atul Saxena allerdings zurück. 

Gemäss der indischen «Times» sind die beiden verhafteten Polizisten dafür bekannt, Mädchen zu belästigen und die Familien zu bedrohen, die die Übergriffe melden wollten. 

Gewalt gegenüber niedriger Kasten

Das Kastenwesen beeinflusst die indische Gesellschaft bis heute massgeblich. Immer wieder kommt es vor, dass Mitglieder höherer Kasten ihre Macht gegenüber unterer Kasten mit Gewalt demonstrieren, schreibt BBC.

Im Dezember 2012 hatte der Fall der tödlichen Gruppenvergewaltigung einer jungen Studentin in Neu Delhi weltweit für Schlagzeilen gesorgt und in Indien Massenproteste gegen die alltägliche Gewalt gegen Frauen in der indischen Gesellschaft ausgelöst. Seitdem wurden die Strafen für Vergewaltigung verschärft, das öffentliche Bewusstsein für die Verbrechen stieg. (rar/sda)

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