DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Zweite Frau nach Haiattacke tot: Was kann man tun, wenn man angegriffen wird?

Im Roten Meer wird eine Österreicherin von einem Hai getötet. Wie selten sind solche Angriffe wirklich und wo ist das Risiko am höchsten? Vier Fragen und Antworten.
03.07.2022, 22:0404.07.2022, 08:26
Daniel Fuchs / ch media

Es sind erschütternde Szenen, die sich am Samstag in einer Bucht nahe dem ägyptischen Badeort Hurghada ereignen. Filmaufnahmen zeigen eine Schnorchlerin in rot gefärbtem Wasser, die sich nach einem Haiangriff an Land zu retten versucht. Auf dem nahen Steg rufen ihr Passanten zu, ein Mann versucht, ihr ein Seil zuzuwerfen.

Die bittere Bilanz: Zwei Frauen sind tot. Bei einer der Frauen handelte es sich um eine 68-jährige Österreicherin, die mit einem Ägypter verheiratet war. Sie starb an ihren schweren Verletzungen. Das bestätigte das österreichische Aussenministerium der deutschen Nachrichtenagentur DPA. Die russische Agentur Ria Novosti schrieb, die Frau habe beim Angriff einen Arm und ein Bein verloren.

Die verletzte Frau wird geborgen.
Die verletzte Frau wird geborgen.

Wenig später wurde bekannt, dass auch eine zweite Frau an ihren Verletzungen starb. Details zu ihrer Identität wurden zunächst nicht gemacht. Laut dem ägyptischen Innenministerium sollen beide Frauen von demselben Hai angegriffen worden sein.

Der Badestrand am Roten Meer wurde für drei Tage gesperrt. Haiattacken auf Menschen kommen generell selten vor, aber es kommt immer wieder auch zu tödlichen Begegnungen mit den Raubfischen.

Wie viele Haiattacken auf Menschen enden tödlich?

Durchschnittlich, auf die letzten fünf Jahre gerechnet, kommt es weltweit etwa zu 72 Fällen, in denen Menschen von Haien angegriffen worden, ohne sie provoziert zu haben. Jedenfalls sind das diejenigen Vorfälle, die den Forschern des renommierten International Shark Attack File (ISAF) in Florida gemeldet werden. Die Forscher unterscheiden zwischen provozierten und nicht provozierten Haiangriffen. 2021 zählten sie 73 solche nicht provozierte Haiattacken, bedeutend mehr als im Jahr zuvor, als wegen der Pandemie weniger Menschen am und im Wasser waren und die Zahl der nicht provozierten Angriffe auf ein Tief von 52 fiel. Generell stellen die Forscher weltweit eine steigende Zahl von Haiangriffen fest, was diese aber vor allem damit erklären: Das Bevölkerungswachstum nimmt zu und damit die Zahl derjenigen Menschen, die Zeit am und im Wasser verbringen. Das wiederum beeinflusst die Wahrscheinlichkeit für Begegnungen mit den Raubfischen positiv.

Von den 72 nicht provozierten Attacken 2021 waren neun tödlich. Von zehn angegriffenen Menschen stirbt also durchschnittlich etwas mehr als einer. Das klingt nach viel. Berechnungen zur Wahrscheinlichkeit, überhaupt jemals von einem Hai angegriffen und dabei auch noch getötet zu werden, zeichnen ein beruhigenderes Bild: Das Risiko beträgt ungefähr 1 zu 3.5 Millionen. Selbst die so sicheren Eisenbahnfahrten oder Flugreisen bergen ein vielfach höheres Risiko.

Wo kommt es zu den meisten Haiattacken?

Diese Rangliste führen seit Jahren die USA an. 47 der vom ISAF registrierten Haiattacken 2021 betrafen Meldungen aus den USA, was einem weltweiten Anteil von über 60 Prozent entspricht. An zweiter Stelle steht seit Jahren Australien, wo es 2021 ein Dutzend Angriffe zu verzeichnen gab. Australien ist übrigens das Land mit den meisten tödlichen Angriffen pro Jahr (2021 waren es 3). Lange in die Topplätze hat es auch Südafrika geschafft, doch dort vertrieben Killerwale (Orcas) die zuvor immer wieder gesichteten Weissen Haie. Orcas sind bekannt dafür, dass sie Jagd auf den Weissen Hai machen. Lauf ISAF haben es die Orcas auf die ölhaltigen Lebern der Haie abgesehen. Der Weisse Hai wiederum ist diejenige Haiart, die dem Menschen am gefährlichsten wird.

Die Rangliste im Mutterland der Haiangriffe, den USA, führt übrigens Florida mit seiner über 2000 Kilometer langen Küste an, an dessen Stränden fast das ganze Jahr über gebadet und Wassersport betrieben wird. Dies führt wiederum dazu, dass die statistische Wahrscheinlichkeit für Begegnungen zwischen Menschen und Haien höher liegt als anderswo. Zu Haiangriffen, selbst tödlichen, kam es übrigens auch schon im Mittelmeer, angeführt von der griechischen und italienischen Küste.

Dieser Tauchlehrer verfüttert aufgespiesste Feuerfische

Video: watson/Sina Alpiger

Welche Haie sind die gefährlichsten und wen attackieren sie?

Diese Rangliste des Gruselns führt der Weisse Hai an. Um ihn ranken sich zahlreiche Mythen. Steven Spielberg brachte die Angst vor dem Weissen Hai 1975 ins Kino und prägte damit unser Bild eines «Menschenfressers» nachhaltig. Die Zahl der von Haien getöteten Menschen steht jedoch in keinem Verhältnis zur Zahl der von Menschen getöteten Haie. Für Menschen tödlich können vor allem Begegnungen mit den sogenannten «Big Three» enden. Zu ihnen gehören neben dem Weissen Hai Bullenhaie und Tigerhaie.

Im Roten Meer gab ein örtlicher Tauchverband nach der tödlichen Attacke vom Wochenende an, einen Makohai gesichtet zu haben. Diese Haiart taucht in der Statistik des ISAF zwar auf als Spezies, die schon Menschen angegriffen hat. Zu einem nicht provozierten Angriff eines Makos, der tödlich endete, kam es indes noch nie. Sollten Untersuchungen nun zeigen, dass beide Frauen in Ägypten tatsächlich von einem Makohai getötet wurden, wäre das also ein Novum in der Haiangriff-Statistik.

Die Rangliste der Opfer wird von Surfern angeführt und anderen Wassersportlern, die sich an der Wasseroberfläche aufhalten. Danach erst folgen Schwimmer, Schnorchler und Taucher. Dass Surfer häufiger Opfer von Attacken werden, hat laut Forschern vor allem damit zu tun, dass diese sich lange Zeit in der Brandung aufhalten, just der Zone, die auch Haie immer wieder aufsuchen. Für Surfer besteht also ein beträchtlich höheres Begegnungsrisiko.

Wie kann man sich schützen?

Die generellen Tipps der Forscher: Schwimmen Sie zu zweit, bleiben Sie nahe am Ufer und steigen Sie nicht in der Dämmerung ins Wasser. Ebenfalls sollte man die Nähe zu Fischschwärmen meiden oder Orte, an welchen Menschen fischen. Schmuck sowie wildes Planschen im Wasser könnten zudem die Aufmerksamkeit von Haien wecken.

Was aber tun, wenn ein Hai sich nähert? Die Forscher raten, Augenkontakt mit dem Tier zu halten und sich langsam vom Hai wegzubewegen. Dass man das Wasser verlassen sollte, erübrigt sich wohl für die meisten Menschen.

Im äussersten Notfall, falls also ein Hai zubeisst, kann man versuchen, ihn in die Augen oder Kiemen zu schlagen. Mit dem Mut eines Verzweifelten schaffen Sie es vielleicht sogar, ihn mit einem Schlag auf die Schnauze in die Flucht zu jagen. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Archäologen finden verlorene Stadt in Ägypten

1 / 13
Archäologen finden verlorene Stadt in Ägypten
quelle: keystone
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Polizist fängt fallendes Kind

Video: srf

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

64 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
holden27
03.07.2022 19:58registriert Februar 2015
Fun Fact, um Haiangriffe ins Verhältniss zu setzen. Jährlich sterben rund 150 Menschen durch herabfallende Kokosnüsse. Der Hai ist also gar nicht so schlimm. Am Strand liegen ist viel gefährlicher :P
16917
Melden
Zum Kommentar
avatar
Oberland-Autobahn
03.07.2022 20:34registriert Juli 2021
Man soll Augenkontakt mit dem Hai halten? Wie soll man denn das tun? Kann es sein, dass dieser Tipp spezifisch für Taucher gilt?
937
Melden
Zum Kommentar
64
Die Akte Donald Trump: Diese Ermittlungen können ihm jetzt gefährlich werden
Der ehemalige US-Präsident Donald Trump ist im Visier der Justiz. Doch welche Ermittlungen könnten ihm tatsächlich gefährlich werden?

Kaum ein Tag in den USA vergeht mehr ohne neue Entwicklungen im zurzeit vielleicht grössten Duell des Landes: Donald Trump gegen die Justiz. Am Montag haben FBI-Agenten in Florida ein Grundstück des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump durchsucht. Nur zwei Tage später wurde Trump zu einer Befragung unter Eid in das Büro der New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James zitiert – wo er die Aussage verweigerte.

Zur Story