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epa06906222 Dutch Princess Mabel (C) joins AIDS activists in a protest march in Amsterdam, Netherlands, 23 July 2018, on occasion of the 22nd International AIDS Conference 2018 at the RAI Convention Center. The biennial conference that runs from 23 to 27 July 2018 is organized by the International AIDS Society (IAS) and is expected to welcome around 18,000 participants - including researchers from various disciplines, medical professionals, public health and community practitioners and policy planners - from all around the world.  EPA/PATRICK VAN KATWIJK

Aktivisten während der Aids-Konferenz in Amsterdam. Mit ein Grund für die Ausbreitung ist auch die Stigmatisierung von HIV-Infizierten, sagten Experten. Bild: EPA/ANP

Zunahme von HIV-Infektionen: Besonders bedrohlich ist die Lage in Osteuropa

Der Kampf gegen Aids und HIV ist noch lange nicht vorbei. Zu Beginn der Welt-Aids-Konferenz am Montag in Amsterdam lag der Fokus nicht so sehr auf Afrika, sondern auf Osteuropa und Zentralasien. Zu Beginn der Welt-Aids-Konferenz warnten Experten vor einem Rückschlag beim Kampf gegen die Immunschwächekrankheit.

23.07.18, 21:45


Durch fehlenden politischen Willen, Geldmangel und Diskriminierung könne die Epidemie nicht überall wirkungsvoll bekämpft werden. Das betonten Wissenschaftler und Aktivisten zum Auftakt des weltweit grössten Expertentreffens zu Aids und HIV am Montag in Amsterdam. Besonders bedrohlich sei die Lage in Osteuropa und Zentralasien.

«Die grössten Barrieren, die Epidemie zu beenden, haben ideologische und politische Ursachen», erklärte die Präsidentin der Internationalen Aids-Gesellschaft und Vorsitzende der Konferenz, Linda-Gail Bekker.

Die Zunahme bei Neu-Infektionen in Osteuropa und Zentralasien sei alarmierend, warnten Aktivisten aus dieser Region. Dort gebe es jährlich rund 190'000 neue HIV-Infizierte, davon 80 Prozent in Russland, erklärten die Sprecher von sechs Organisationen. Nur eine Minderheit der Patienten habe Zugang zu Medikamenten.

Nach Angaben der Uno-Organisation Unaids ist dies die Region, in der die Epidemie am deutlichsten zunimmt. Die Schätzungen von Unaids sind mit 130'000 Neu-Infizierten im Jahr etwas niedriger.

epa06906712 Professor of Medicine and Chief Operating Officer of the Desmond Tutu HIV Foundation Linda-Gail Bekker speaks during the official opening of AIDS2018, the 22nd international conference on AIDS in Amsterdam, 23 July 2018. During this international conference thousands of AIDS experts, activists, scientists, policy makers and politicians gather in Amsterdam to discuss AIDS.  EPA/ROBIN VAN LONKHUIJSEN

Linda-Gail Bekker, COO der Desmond Tutu HIV Foundation an der Aids-Konferenz in Amsterdam. Bild: EPA/ANP

Zunahme in 50 Ländern

Die Uno hatte sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2030 die Epidemie zu beenden. Doch in etwa 50 Ländern nimmt die Zahl der Infizierten laut Unaids zu.

Das HI-Virus schädigt die körpereigenen Abwehrkräfte. Der Körper kann dadurch Krankheitserreger wie Bakterien, Viren und Pilze immer schwerer bekämpfen. Eine Ansteckung ist unter anderem über Blut und Sperma möglich. Wenn eine HIV-Infektion nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird, entwickelt sich die Immunschwächekrankheit Aids.

Die Lage in Osteuropa ist auch eines der Hauptthemen auf der Welt-Aids-Konferenz. Rund 15'000 Experten aus über 160 Ländern beraten bis zum Freitag über den Kampf gegen die Epidemie. Das 22. Treffen von Wissenschaftlern, Aktivisten, Betroffenen und Politikern steht unter dem Motto: «Barrieren durchbrechen - Brücken bauen».

Die neuen HIV-Infektionen in Osteuropa und Zentralasien seien unnötig, sagte der niederländische Vorsitzende der Konferenz, Professor Peter Reiss. «Die Massnahmen, die erfolgreich sind, müssen dort nur umgesetzt werden.» Der Aids-Forscher hofft auf ein Umdenken. «Wenn sich in diesen Ländern nach dieser Konferenz etwas ändert, dann wäre das der grösste Erfolg», sagte er.

Gefährliche Stigmatisierung

Als ein Grund für die Ausbreitung der Epidemie gilt auch die Stigmatisierung von besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen. Die sechs Organisationen von Betroffenen starteten die Kampagne «Jagd das Virus, nicht die Menschen», um eine breite Öffentlichkeit aufzurütteln. Sie erhoffen sich auch stärkeren politischen Druck von der EU.

epa06905976 A banner with the slogan 'Together we can stop the virus' welcomes the participants of the 22nd International AIDS Conference 2018 at the RAI Convention Center in Amsterdam, The Netherlands, 23 July 2018. The biennial conference that runs from 23 to 27 July 2018 is organized by the International AIDS Society (IAS) and is expected to welcome around 18,000 participants - including researchers from various disciplines, medical professionals, public health and community practitioners and policy planners - from all around the world.  EPA/ROBIN VAN LONKHUIJSEN

Banner an der Aids-Konferenz in Amsterdam. Bild: EPA/ANP

Sie berichteten von systematischer Verfolgung und Diskriminierung von Homosexuellen, Sex-Arbeitern und Drogenabhängigen. Daher würden sich diese auch oft nicht auf Aids testen lassen.

In Afrika die meisten Infizierten

Jahrzehntelang lag der Fokus des weltweiten Kampfes gegen Aids auf Afrika. Noch immer leben die meisten der rund 37 Millionen HIV-Infizierten auf diesem Kontinent. Doch gerade aus Afrika kamen nun positive Nachrichten. Vertreter aus Kenia, Ghana und Ruanda teilten mit, dass Aufklärung und Behandlung erfolgreich seien.

In Südafrika, das mit sieben Millionen HIV-Infizierten am stärksten betroffen ist, ging die Rate der neuen Ansteckungen nach einem Uno-Bericht zwischen 2010 und 2017 um 40 Prozent zurück. Ausserdem hätten deutlich mehr Menschen Zugang zu Medikamenten. In Kamerun und der Elfenbeinküste gibt es dem Bericht zufolge hingegen kaum Fortschritte. (sda/dpa)

Immer mehr Geschlechtskrankheiten sind auf dem Vormarsch

Video: srf/SDA SRF

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Brikne, 20.7.2017
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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 23.07.2018 23:15
    Highlight "Doch in etwa 50 Ländern nimmt die Zahl der Infizierten laut Unaids zu."
    Das die Zahl der Infizierten bei sinkender Zahl Neuinfektionene zunimmt ist ein positives Zeichen, immer weniger Patiente sterben und sie leben länger, dank dem Zugang zu Medis.
    Ich denke, die Stigamitisierung ist eines der grössten Probleme bezüglich HIV, gerade in Osteuropa und Afrika. In diesem Zusammenhang muss man sich auch die Verantwortung eines Vereins mit Sitz in Rom in Erinnerung rufen, verhindert er mit seinen moralinsauren Predigten doch seit Jahrzehnten eine effiziente Informations- und Aufklärungspolitik.
    8 7 Melden
    • Fabio74 24.07.2018 07:51
      Highlight Die Verantwortung für den Osten haben die Othodoxen Kirchen, sprich im Fall Russlands jene in Moskau plus die jeweiligen Regimes, die lieber ausgrenzen als aufklären
      2 2 Melden
  • Fabio74 23.07.2018 22:06
    Highlight Ausrgrenzung und Stigmatisierung von Minderheiten ist für Putin und seine Schergen halt wichtiger, als Krankheiten bekämpfen und aufzuklären. Ist halt nicht so wirklich männlich
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