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CNN-Moderatorin Alisyn Camerota hat vom rechten Privatsender Fox News gewechselt: Zum Leidwesen des muslimischen Religionssoziologen Reza Aslan. 

Und sie geht wieder viral: Die so einfache wie geniale Antwort auf die Frage, ob «der Islam» Gewalt fördert 

Zwei CNN-Moderatoren sind überzeugt, dass der Islam Gewalt und Frauenunterdrückung propagiere. Der US-iranische Religionssoziologe Reza Aslan gibt den beiden aufs Dach. Im Nachgang zu Paris trendet der Clip erneut. 
18.11.2015, 11:3728.04.2016, 10:19

Die These des amerikanischen Komikers und Religionsskeptikers Bill Maher ist: Der Islam fördert Gewalt. Nach einer Talkshow Mahers, in der er seine These wiederholt, soll der US-iranische Religionssoziologe Reza Aslan auf CNN dazu Stellung nehmen. Aslan ist Autor des Bestsellers «Zelot: Jesus von Nazareth und seine Zeit» und ein profunder Kenner des Islams und des Christentums. Was man von den beiden Moderatoren der «CNN Tonight»-Showgege Alisyn Camerota und Don Lemon nicht behaupten kann. 

Der Clip ist im September vergangenen Jahres entstanden, erfreut sich nach den Anschlägen von Paris aber wieder steigender Beliebtheit in den Sozialen Medien. Denn Aslan nervt sich sichtlich über die Gesprächsanlage der ehemaligen Fox News-Moderatorin Alisyn Camerota, die ergründen will, ob «der Islam Gewalt fördere» und räumt gleichzeitig entsprechende Vorurteile sehr effektiv aus. 

Unter dem YouTube-Clip haben wir den entscheidenden Teil des Gesprächs übersetzt: 

Reza Aslan: ... das Problem der Genitalbeschneidung ist nicht ein islamisches Problem, es ist ein afrikanisches Problem ... 

Alisyn Camerota: ... aber Bill Maher sagt, es sei ein Problem muslimischer Länder. In Somalia beispielsweise ...

Reza Aslan: Ja, aber das ist einfach empirisch und faktisch inkorrekt. Es ist ein zentralafrikanisches Problem. In Eritrea sind fast 90 Prozent der Frauen beschnitten. Und das ist ein christliches Land. In Äthiopien sind 75 Prozent der Frauen beschnitten. Es ist ein christliches Land. In keinem muslimischen Land ist die weibliche Genitalbeschneidung ein Thema. Und das ist das Problem. Man macht diese vereinfachenden Argumente, dass Frauen in der muslimischen Welt irgendwie misshandelt werden. Für viele Länder mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung stimmt das auch, wie zum Beispiel im Iran und in Saudi-Arabien. Aber haben Sie gewusst, dass muslimische Länder sieben weibliche Staatsoberhäupter stellen? Wie viele Leute haben wir in den USA als Staatsoberhäupter? 

Der intellektuelle Reza Aslan wird ob der wiederholten Frage der Moderatorin&nbsp;Alisyn Camerota, ob «der Islam» Gewalt fördere, immer ungehaltener.&nbsp;<br data-editable="remove">
Der intellektuelle Reza Aslan wird ob der wiederholten Frage der Moderatorin Alisyn Camerota, ob «der Islam» Gewalt fördere, immer ungehaltener. 

Don Lemon: Seien wir doch ehrlich. Der Islam bietet für Frauen keine offene Gesellschaft in diesen Staaten.  

Reza Aslan: Nun, nicht im Iran, nicht in Saudi-Arabien, aber ganz sicher in Indonesien, Malaysia, Bangladesh oder in der Türkei. Sehen Sie, ich sage es nochmals, das ist das Problem: Sie sprechen hier über eine Religionsgemeinschaft, der 1,5 Milliarden Menschen angehören. Da macht man es sich sehr einfach, alle einfach über einen Kamm zu scheren und zu sagen «In Saudi-Arabien dürfen die Frauen nicht Autofahren und das ist repräsentativ für den Islam». Ist es nicht. Es ist repräsentativ für Saudi-Arabien.  

Alisyn Camerota: Bill Maher spricht ja von Extremisten, wir sprechen oft von Extremisten und wir fragen uns, warum stellen die Muslime die Extremisten nicht in den Senkel? In Saudi-Arabien dürfen Frauen nicht stimmen, nicht Autofahren, brauchen für alles die Erlaubnis ihrer Männer. Das ist ja kein Extremismus, das ist Normalität. Warum sprechen wir nicht über die Normalität in diesen Ländern?  

«Der Islam fördert weder Gewalt noch Frieden. Der Islam ist einfach eine Religion.»

Reza Aslan: Es ist sehr wohl extremistisch. Saudi-Arabien ist extremistisch im Vergleich mit den Rechten und Verantwortlichkeiten der meisten Frauen in der muslimischen Welt.

Don Lemon: Aber es ist nicht extremistisch in Saudi-Arabien. Dort ist es normal. Das ist es, was sie sagt. 

Reza Aslan: Hören Sie, Saudi-Arabien ist eines der extremistischsten, wenn nicht das extremistischste muslimische Land der Welt. In dem Monat, in dem wir nun über den IS und dessen schreckliche Aktionen in Syrien und Irak sprechen, hat Saudi-Arabien, unser engster Verbündeter, 19 Menschen geköpft. Niemand scheint sich daran zu stören, weil Saudi-Arabien unsere nationalen Interessen wahrt. Wissen Sie, das ist das Problem: Diese Gespräche, die wir führen, haben so keinen Sinn. Wenn wir über Frauen in der muslimischen Welt sprechen, nehmen wir zwei oder drei Beispiele und generalisieren dann. Das ist eigentlich die Definition der Bigotterie. 

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CNN-Moderator Don Lemon (links) erzürnt Reza Aslan mit seinen Einwürfen. 

Don Lemon: Ok. Fördert der Islam Gewalt?

Reza Aslan: Der Islam fördert weder Gewalt noch Frieden. Der Islam ist einfach eine Religion. Wie jede andere Religion der Welt, hängt sie davon ab, was man daraus macht. Wenn Sie eine gewalttätige Person sind, dann wird Ihr Islam, Ihr Christentum, Ihr Judentum, Ihr Hinduismus gewalttätig sein. In Myanmar gibt es marodierende Banden von buddhistischen Mönchen, die Frauen und Kinder abschlachten. Fördert der Buddhismus deswegen die Gewalt? Natürlich nicht. Menschen sind gewalttätig oder friedfertig. Und das hängt von ihrer Politik ab, von ihrem sozialen Umfeld und ihrem Selbstbild. 

Alisyn Camerota: Sie denken also nicht, dass das Rechtssystem in islamischen Ländern primitiver ist oder die Frauen mehr unterdrückt, als in anderen Ländern? 

Reza Aslan: Haben Sie gehört, was Sie gerade gesagt haben? Sie haben gesagt «in muslimischen Ländern». Ich habe Ihnen doch gerade gesagt, dass die Frauen in Indonesien absolut und zu 100 Prozent die gleichen Recht haben wie Männer. Dass es in der Türkei mehr weibliche Regionalgouverneure gibt, als in den Vereinigten Staaten. Hören Sie auf, Dinge zu sagen wie «in muslimischen Ländern»! 

Alisyn Camerota: Aber in Pakistan werden Frauen immer noch gesteinigt ... 

Reza Aslan: ... Dann ist das ein Problem in Pakistan. 

«Aber von den ‹muslimischen Ländern› zu sprechen, (...) ist einfach dumm.»
Reza Aslan

Alisyn Camerota: Ich will nur sichergehen, dass ich Sie richtig verstanden habe. Ihr Punkt ist: Muslimische Länder tragen keine Schuld daran, es gibt keine gemeinsame Bedrohung in muslimischen Ländern, man kann nicht alle über den gleichen Kamm scheren. Sie sagen, dass muslimische Rechtssysteme oder die Sharia hinsichtlich Steinigungen, weiblicher Genitalbeschneidung dort anders zu beurteilen sind, als sie in westlichen Ländern sind? 

Reza Aslan: Steinigungen, Verstümmelungen und andere barbarische Praktiken sind zu verurteilen und zu kritisieren und zwar von jedem. Die Handlungen von einzelnen Personen, Gesellschaften oder Ländern wie Iran, Pakistan oder Saudi-Arabien, müssen verurteilt werden, denn sie gehören nicht ins 21. Jahrhundert. Aber von den «muslimischen Ländern» zu sprechen, als ob Pakistan und die Türkei das gleiche seien, als ob Saudi-Arabien und Indonesien das gleiche seien, und zu sagen, dass das, was in den extremsten Auswüchsen dieser repressiven und autokratischen Ländern passiere, repräsentativ sei für alle muslimischen Länder, das ist, ehrlich gesagt und ich brauche dieses Wort jetzt ernsthaft: Einfach dumm. (thi)

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[viw,21.03.2016] Anschläge in Paris

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